Ostfriese bei Jugend gründet  Wie ein 17-jähriger Leeraner kranken Menschen helfen will

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 09.06.2024 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der 17-jährige Lorenz Rutkevich vom TGG ist im Finale von „Jugend gründet“. Foto: Jugend gründet
Der 17-jährige Lorenz Rutkevich vom TGG ist im Finale von „Jugend gründet“. Foto: Jugend gründet
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Lorenz Rutkevich will seine eigene Firma gründen. Die Vision: Kranken Menschen zu einer schnelleren Diagnose verhelfen. Damit hat er es nun in das Finale eines bundesweiten Wettbewerbs geschafft.

Leer - Freunde treffen, Fußball spielen, gelegentlich mal feiern gehen: So sieht wohl die Freizeit der meisten Jungen im Teenager-Alter in Ostfriesland aus. Eine eigene Firma gründen dürfte dagegen bei den wenigsten schon auf der Agenda stehen. Einer dieser wenigen ist der Leeraner Lorenz Rutkevich. Der 17-Jährige besucht die zwölfte Klasse des Teletta-Groß-Gymnasiums in Leer und will mit seiner Geschäftsidee, die es nun unter dem Namen SeesDisease ins Finale vom bundesweiten Wettbewerb „Jugend gründet“ geschafft hat, nicht einfach nur Geld machen. Lorenz will kranken Menschen helfen. Wir haben mit dem Jugendlichen über seine Vision, die Motivation und Hürden gesprochen.

Lorenz, du hast es ins Finale von „Jugend gründet“ geschafft. Der Hauptpreis ist eine Reise nach Silicon Valley in den USA. Ein Traum von dir?

Lorenz: Das stimmt, das Finale ist am 11. und 12. Juni in Stuttgart bei Porsche. Nein würde ich zum Hauptpreis natürlich nicht sagen. In Silicon Valley sitzen viele große Tech-Unternehmen, das ist bestimmt sehr interessant. Es gibt aber noch viele andere Preise, zum Beispiel Hardware für die Firma, über die ich mich noch mehr freuen würde, weil sie direkt das Unternehmen unterstützen.

Du sprichst das Unternehmen an. Mit welcher Geschäftsidee gehst du beim Finale an den Start?

Lorenz: Die Firma heißt SeesDisease. Oder besser, sie soll einmal so heißen. Die eigentliche offizielle Gründung steht erst noch bevor. SeesDisease soll Krankheiten erkennen. Wir bieten KI-Modelle, die Mikroskopieanalysen automatisieren und so schnellere und präzisere Diagnosen ermöglichen. Dadurch wird die Behandlungsplanung optimiert und die Patientenversorgung verbessert.

Und das heißt genau?

Lorenz: Die Struktur einer Zellprobe wird mit Chemikalien gestained, also quasi angemalt und sichtbar gemacht. Dann wird die Probe mithilfe von einem Mikroskop aufgenommen und von unserer Software analysiert, zum Beispiel werden von Krebs befallene Stellen markiert. Und so eine Diagnose gestellt.

Was ist der Unterschied zum jetzigen Vorgehen?

Lorenz: Jetzt wird das alles in der Regel noch per Hand gemacht. Das dauert Stunden. Die App dagegen hat nach wenigen Minuten ein Ergebnis. Eine schnelle Diagnose schafft Kapazitäten und kann zum Beispiel bei Krebs-Behandlungen einen großen Unterschied machen.

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen?

Lorenz: Man muss sagen: Ich habe das nicht alleine gemacht. Mein Bruder David ist 19 und hat schon vor Jahren mit der Forschung angefangen, ich bin dann dazugestoßen. Bei „Jugend gründet“ ist er nicht dabei, weil er gerade am Business Campus in Leer ein Freiwilliges Soziales Jahr macht. Aber SeesDisease ist ein Familien-Unternehmen. Ich werde CEO (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) und mein Bruder CTO (Technischer Direktor, Anm. d. Red.). Einen CMO (Medizinischer Direktor, Anm. d. Red.) haben wir auch: Er sitzt mit mir im Mathe Leistungskurs. Wir kennen uns also alle sehr gut (lacht).

Also ist nach der Schule schon alles durchgeplant?

Lorenz: Wir hoffen natürlich, dass mit SeesDisease alles klappt. Aber ich möchte auch wenn möglich gerne noch studieren. Ein Traum wäre: Ivy League, also eins der namhaften Colleges in den USA. Und es wird vermutlich auf einen technischen Studiengang hinauslaufen. Kunst mache ich lieber als Hobby, zum Abschalten.

Elite-College, das klingt ambitioniert. Stimmen denn die Noten dafür?

Lorenz: Ein Stipendium wäre hilfreich (lacht). Ich denke, mein Abi-Schnitt wird im hohen Einser oder niedrigen Zweier-Bereich liegen. Die Schule kommt aktuell durch die Firma ehrlicherweise etwas kurz, viel Freizeit habe ich nicht. Aber es macht sehr viel Spaß.

Spaß ist immer wichtig. Aber gab es auch Rückschläge?

Lorenz: Klar. Wir haben große Konkurrenz durch sogenannte Big Player wie Microsoft. Mein Bruder und ich haben uns gefragt, ob es sich überhaupt lohnt, in den Markt einzusteigen. Aber wir glauben daran. Abgesehen davon, so schön es auch ist, ist es natürlich manchmal eine Herausforderung, mit der Familie zusammenzuarbeiten (lacht).

Bis zum Finale bei „Jugend gründet“ ist es nicht mehr lange hin. Bist du schon aufgeregt?

Lorenz: Sehr sogar. Der Pitch, also die Vorstellung der Idee, dauert nur eine Minute. Aber ich finde: Wenn man die Idee nicht runterbrechen kann, ist sie nichts wert. Außerdem könnte unser Programm Leben verändern. Nicht nur meins oder das von meinem Bruder, weil wir die Firma gründen, sondern auch das derer, die schneller eine Diagnose erhalten.

Hängt es denn auch vom Sieg bei „Jugend gründet“ ab, ob ihr weitermacht?

Lorenz: Nein. Es wäre natürlich toll, wenn wir gewinnen und dadurch Unterstützung bekommen, aber davon abhängig ist unsere Gründung nicht. Wir würden uns übrigens auch über den Publikumspreis freuen. Dafür kann im Internet bis zum 10. Juni abgestimmt werden (lacht).

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