Weniger Bankfilialen in Ostfriesland  Bankmitarbeiter machen auch Hausbesuche

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 07.06.2024 11:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In den vergangenen Jahren wurden in Ostfriesland zahlreiche Bankfilialen geschlossen. Symbolbild: Schmidt/DPA
In den vergangenen Jahren wurden in Ostfriesland zahlreiche Bankfilialen geschlossen. Symbolbild: Schmidt/DPA
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Banken in Ostfriesland setzen auf telefonische Beratung und Hausbesuche für ältere Kunden. Nach Filialschließungen sichern sie so den Zugang zu Bankdienstleistungen ohne digitale Kenntnisse.

Ostfriesland - Bankgeschäfte per Telefon, Geldbring-Service und sogar Hausbesuche durch Bankmitarbeiter: Die Banken und Sparkassen in Ostfriesland haben nach der Welle der Filialschließungen in den vergangenen Jahren neue Wege gefunden, um die Bedürfnisse insbesondere älterer Kundinnen und Kunden zu bedienen. Bei der Sparkasse Aurich-Norden etwa lasse sich anhand der Altersstruktur der Anrufer im Kunden-Service-Center erkennen, dass sehr viele Ältere die telefonischen Bank-Services nutzen. „Dieser Service wird nicht nur gut angenommen, sondern ist eine ideale Alternative, um auch als mobil eingeschränkter Mensch Bankdienstleistungen in Anspruch zu nehmen, ohne digital versiert sein zu müssen“, teilte Petra Zschietzschmann, Pressesprecherin der Sparkasse Aurich-Norden, auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

VdK warnt vor Ausgrenzung Älterer

Der Sozialverband VdK hatte angesichts eines stark ausgedünnten Netzes von Bankfilialen in ganz Niedersachsen vor einer zunehmenden Ausgrenzung älterer und digital nicht versierter Menschen gewarnt. „Für sie tun sich damit immer neue Hürden auf, denn sie brauchen Unterstützung und Beratung bei der Abwicklung ihrer Bankgeschäfte vor Ort, damit ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft nicht verwehrt wird“, so der VdK-Landesvorsitzende Friedrich Stubbe. Er verweist auf Zahlen von Sparkassenverband und Genoverband, nach denen in den vergangenen fünf Jahren in Niedersachsen und Bremen mehr als 360 Bankfilialen geschlossen wurden.

In Ditzum gibt es schon lange keine Sparkassen-Filiale mehr. Foto: Ortgies/Archiv
In Ditzum gibt es schon lange keine Sparkassen-Filiale mehr. Foto: Ortgies/Archiv

Tatsächlich haben auch die Sparkassen und Banken in Ostfriesland ihr Geschäftsstellen- und Filialnetz verkleinert, haben Standorte teilweise ganz geschlossen, in Selbstbedienungsstandorte umgewandelt, oder mit anderen Banken zusammengelegt. So hatte die Sparkasse Leer-Wittmund vor zehn Jahren noch 40 Geschäftsstellen und sechs SB-Filialen. „Aktuell unterhalten wir 18 Geschäftsstellen, zwei Firmenkunden-Zentren und neun SB-Filialen“, sagte Pressesprecher Carsten Mohr unserer Redaktion. 2023 hat die Sparkasse Leer-Wittmund zuletzt Standorte geschlossen.

Schließungswelle scheint vorerst abgeflaut

Die Oldenburgische Landesbank (OLB) hat 2021 und 2022 die Anzahl ihrer SB-Standorte deutlich verringert: Elf SB-Standorte gibt es noch im gesamten Nordwesten. Hinzu kommen 40 Standorte im Nordwesten mit persönlicher Beratung und Service, listete Timo Cyriacks, Senior Associate und Pressereferent Finanzkommunikation der OLB, auf. „Wir überprüfen unser Standortnetz kontinuierlich anhand relevanter Faktoren wie insbesondere Wirtschaftlichkeit, Kundenfrequentierung und Potenzial der Filiale“, teilte er mit. Die Ostfriesische Volksbank mit aktuell zehn Standorten in Ostfriesland plant „aktuell keine weiteren Schließungen. Die zurückliegenden Schließungen sind positiv verlaufen“, so Björn Nauschütt, Leiter Vertrieb/Marketing. Er verwies auf Kooperationen bei Geldautomaten mit den Sparkassen.

Telefonservice ergänzt Online-Banking

Die Reduzierung der Filialen auch in Ostfriesland geht einher mit zunehmender Digitalisierung: Immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte zu Hause am Rechner, „sodass die Filiale vor Ort nicht mehr erster Kontaktpunkt ist“, sagte Cyriacks. Das bestätigte Petra Zschietzschmann von der Sparkasse Aurich-Norden: „Wir bemerken, dass Kundinnen und Kunden vermehrt digitale und Online-Angebote nutzen, vor allem das Online-Banking sowie das elektronische Postfach für den Erhalt von Unterlagen.“ Zunehmend genutzt würden auch die telefonischen Angebote, „die von Umsatzabfragen über Dauerauftragsänderungen, Überweisungserfassung und Lastschriftrückgaben bis hin zu Bestellservice, zum Beispiel Bargeldservice oder Reisezahlungsmittel, und Hilfe beim Online-Banking mittlerweile eine große Bandbreite abdecken – und zwar unabhängig von einem Gang in die nächstgelegene Filiale“, so Zschietzschmann.

Die OLB hatte sich aus Aurich zurückgezogen, das Bankgebäude ist mittlerweile verkauft. Foto: Boschbach
Die OLB hatte sich aus Aurich zurückgezogen, das Bankgebäude ist mittlerweile verkauft. Foto: Boschbach

Für Kundinnen und Kunden, die nicht digital unterwegs sind, bietet die Sparkasse Leer-Wittmund neben dem telefonischen Banking auch Hausbesuche und einen Geldbring-Service an. „Die Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit diesem Angebot auf dem richtigen Weg sind“, so Carsten Mohr. Sicherlich komme die Schließung von Standorten bei den Kunden nie gut an. „Aus unserer Sicht hat sich die Situation deutlich entspannt, denn mit unserem Serviceangebot über alle Kanäle konnten wir für alle Probleme Lösungen anbieten“, meinte er.

Beratung vor Ort weiter viel gefragt

Dennoch – das bestätigten alle Banken und Sparkassen – bleibt bei komplexeren Themen wie der privaten Baufinanzierung, einer Geldanlage oder der Vorsorge die persönliche Beratung stark nachgefragt, sei es per Telefon, Videochat oder in einer Filiale. Mehr noch: Am liebsten lassen sich Kundinnen und Kunden beraten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sie kennen und zu denen sie über die Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, berichtete Cyriacks. „Diese Verbindung beizubehalten, zählt häufig mehr als der Ort der Filiale. In den allermeisten Fällen sind daher in den vergangenen Jahren unsere Kunden mit ihren bekannten Betreuern in eine größere Filiale umgezogen“, sagte er.

Den Trend zum Rückbau der Bankfilialen gibt es nicht nur in Niedersachsen. Wie die Bundesbank vor kurzem mitteilte, gab es dieses Jahr bundesweit erstmals weniger als 20.000 Bankfilialen. Banken und Sparkassen betrieben demnach bis Ende Dezember noch 19.501 mit Mitarbeitern besetzte Standorte. Das waren 945 beziehungsweise 4,6 Prozent weniger als 2022.

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