Berlin Europawahl: Das waren die schlechtesten Wahlplakate
Angeblich ist diese Europawahl so entscheidend. Warum waren die Wahlplakate dann so nichtssagend?
Kaum ein Politiker ließ bei seinen Reden in den vergangenen Wochen den Hinweis fehlen, dass die Europawahl an diesem Sonntag ganz entscheidend sei. Nie wäre es dringlicher, ja höchste Bürgerpflicht, seine Stimme abzugeben.
Umso erstaunter musste man die Wahlplakate an den Plätzen und Straßen der Republik zur Kenntnis nehmen. Die Parteien schienen sich einen Überbietungswettbewerb zu liefern in den Kategorien Schwammigkeit und Plattitüde. Die Union begnügte sich mit drei Schlagwörtern: Freiheit, Sicherheit, Wohlstand. Die Grünen wollen „Machen, was zählt.” Oha. Immerhin: Ihr Wortspiel „Einigkeit gegen Rechts für Freiheit“ hatte was. Die SPD ließ den Bürger wissen, dass es sich bei Olaf Scholz und der weithin noch immer unbekannten Spitzenkandidatin Katarina Barley um die beiden „stärksten Stimmen für Europa” handelt.
Die AfD weckte dunkle Erinnerungen, indem sie Impfspritzen aus der Corona-Pandemie hervorholte. Und die FDP verband mit ihrer prominenten Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zwar einigermaßen klare Botschaften. Das half ihr aber auch nicht in den Umfragen. Klarheit ist also nicht zwingend ein Erfolgsrezept.
Was haben sie sich bloß alle dabei gedacht? Wir haben in dieser Woche die Gelegenheit genutzt und bei wahlkampfgestählten Berufspolitikern aus dem Bundestag nachgefragt. Sie meinen, dass Wahlplakate insgesamt als nicht mehr so wichtig eingeschätzt werden.
Die Bürger informierten sich inzwischen anderswo. Man könnte aber auch nicht auf Plakate verzichten, weil das nach hinten losgeht. Der Bürger fühle sich dann nicht umworben. Oder frage sich, ob die Partei, die nicht mehr plakatiert, am Ende glaubt, das gar nicht nötig zu haben. Und so eine Partei würde dann auch keiner wählen.
Es ist also ein Teufelskreis: Wenn einer damit anfängt, müssen alle plakatieren. Die Botschaften müssen kurz sein und auch im Vorbeifahren sofort hängenbleiben. Und so kommt man dann bei „Frieden sichern” (SPD) oder eben „Freiheit. Sicherheit. Wohlstand” (CDU) raus.