Gasriese mit neuem Namen  Ex-Gazprom-Tochter benennt sich um – wieso?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 06.06.2024 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
SEFE Storage vermarktet 5/6 der Kapazitäten des Kavernenspeichers Jemgum. Foto: SEFE Storage
SEFE Storage vermarktet 5/6 der Kapazitäten des Kavernenspeichers Jemgum. Foto: SEFE Storage
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Astora, ehemalige Tochter von Gazprom Germany, heißt nun offiziell anders. Eine Neuausrichtung nicht nur auf dem Papier.

Jemgum - Der Gasriese Astora – Ex-Tochter von Gazprom Germany – betrieb die Speicher in Jemgum. Zu Beginn des Ukrainekrieges und damit mitten in der Energiekrise blickten viele Deutsche bang auf die Füllstände der Erdgasspeicher. Damit auch in die kleine Gemeinde in Ostfriesland. Heute hat sich die Lage beruhigt. Die Nachricht, die nun vom Betreiber aus Kassel kommt, ist zunächst mal eine formale: „Die astora GmbH wurde mit Wirkung zum 31. Mai 2024 in SEFE Storage GmbH umbenannt.“ SEFE steht für „Securing Energy for Europe“, zu deutsch: „Sichern der Energie für Europa“.

Schon vor einer ganzen Weile präsentierte sich Astora als Teil der Marke SEFE mit neuem Logo und Design. „Die Umfirmierung ist ein wichtiger Meilenstein für SEFE, da sie schrittweise alle Gesellschaften der Gruppe europaweit unter einem Namen und einer einheitlichen Identität zusammenführt“, schreiben die Verantwortlichen jetzt. Der Grund für die Veränderungen war, dass die Bundesregierung 2022 eingreifen musste.

Was passierte 2022?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz setzte im April 2022 die Bundesnetzagentur als Treuhänderin über die Gazprom Germania GmbH (jetzt SEFE), ein. Grund war, dass es eine ungeklärte „Übertragung der Gesellschafteranteile an eine im Ausland ansässige Gesellschaft“ gab. Das sei nach deutschem Recht ohne vorherige Anzeige und Prüfung verboten, schrieb die Bundesnetzagentur.

In Jemgum gibt es einen der größten Erdgaskavernenspeicher in Deutschland. Foto: SEFE Storage
In Jemgum gibt es einen der größten Erdgaskavernenspeicher in Deutschland. Foto: SEFE Storage

Um die Gasversorgung in Deutschland zu sichern, überführe die Bundesregierung diese Unternehmensgruppe ins Eigentum des Bundes. „Das betrifft auch den Gasspeicher in Jemgum“, teilte Fiete Wulff, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesnetzagentur Bonn, im November 2022 mit.

Was passierte nach der Treuhandverwaltung?

Der Unternehmensgruppe hatte laut Bundesministerium für Wirtschaft die Insolvenz gedroht. Was die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährde. „Um diese Gefahr abzuwenden und die operative Geschäftstätigkeit der SEFE aufrecht zu erhalten, wird nun der Eigentümerwechsel vollzogen und das Unternehmen stabilisiert.“ SEFE war vorher bekannt als Gazprom Germania und gehörte zum russischen Staatskonzern Gazprom. Nach einem „undurchsichtigen Verkauf“ an eine andere russische Gesellschaft und deren Versuch, das Unternehmen zu liquidieren, stand SEFE nun also von April 2022 unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur.

Die Treuhandverwaltung endete im Dezember 2022, der Bund wurde offiziell der Eigentümer, die SEFE GmbH verstaatlicht. Nun ist auch der Name ganz offiziell. Eduard Schmitke, Geschäftsführer der SEFE Storage wird zitiert: „Mit dieser Änderung beginnt für uns ein neues Kapitel, auf das wir uns alle sehr freuen. Das Ziel der SEFE-Gruppe ist es, die Energieversorgung für Deutschland und Europa zu sichern und die grüne Energiewende voranzutreiben. Unsere Speicher werden mit Sicherheit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.“

Was für Speicher gibt es in Jemgum?

Aus dem Erdgasspeicher Jemgum können in einer einzigen Stunde bis zu eine Million Kubikmeter Gas entnommen werden, schreibt SEFE Storage. Dieser technische Vorteil gestatte eine besonders flexible Nutzung von Kavernenspeichern im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien. Im niedersächsischen Jemgum sei 2008 einer der größten Erdgaskavernenspeicher Deutschlands entstanden, heißt es weiter.

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