Klimaneutral bis 2040  40 Kommunen kommen in Sachen Klimaschutz nach Emden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 07.06.2024 07:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ann-Cathrin Neumann, zuständig für das Klimafolgen-Anpassungsmanagement, und Klimaschutzmanager Jann Gerdes wollen Emden gemeinsam voranbringen. Foto: Hanssen/Archiv
Ann-Cathrin Neumann, zuständig für das Klimafolgen-Anpassungsmanagement, und Klimaschutzmanager Jann Gerdes wollen Emden gemeinsam voranbringen. Foto: Hanssen/Archiv
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Bis 2040 will Emden klimaneutral sein. Auf dem Weg dahin macht die Stadt schon einiges richtig, sagt der Klimaschutzmanager. Vertreter von 40 Kommunen waren nun zu Besuch. Wie gut ist Emden wirklich?

Emden - Die Stadt Emden ist in Sachen Klima-Schutz im Vergleich zu anderen deutschen Kommunen schon gut aufgestellt. Das wurde bei dem Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern von 40 Kommunen, die an dem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ beteiligt sind, einmal mehr deutlich, lässt sich Jann Gerdes’ Worten bei einem Gespräch mit dieser Zeitung entnehmen.

Gerdes ist Klimaschutzmanager in Emden – und war niedersachsenweit 2012 einer der Ersten, der den Posten einnahm. Bei dem Gespräch mit dabei: Emdens Klimafolgenanpassungsmanagerin Ann-Cathrin Neumann. Erst seit mehr als einem Jahr ergänzt sie das Klima-Team der Stadt und hat als eine der wenigen bislang in Deutschland so einen Posten inne.

Vertreterinnen und Vertreter aus 40 Kommunen in Deutschland kamen nach Emden, um über den Klimaschutz zu sprechen. Sie alle sind Teil des "Masterplans 100 Prozent Klimaschutz". Foto: Stadt Emden
Vertreterinnen und Vertreter aus 40 Kommunen in Deutschland kamen nach Emden, um über den Klimaschutz zu sprechen. Sie alle sind Teil des "Masterplans 100 Prozent Klimaschutz". Foto: Stadt Emden

Welche drei Erkenntnisse machen Hoffnung nach dem Treffen?

„Das Schöne ist ja auch mal, unsere Heimatstadt von außen gespiegelt zu bekommen“, sagt Jann Gerdes. Gäste unter anderem aus Münster, Kiel, Potsdam, Magdeburg und Hannover waren Mitte Mai in die ostfriesische Stadt gekommen, um sich über Fortschritte und Herausforderungen auszutauschen. Fachvorträge und Exkursionen etwa in den Emder Hafen gehörten an den zwei Tagen dazu. „Da wurde einem noch mal wieder bewusst, wie wichtig der Emder Hafen für die Energiewende in Deutschland ist.“ Da sei aktuell viel Betrieb zu den Themen Offshore- und Onshore-Energie. Die Gäste seien erstaunt gewesen.

Der Emder Hafen ist entscheidend für die Energiewende in Deutschland. Foto: Tobias Bruns/Archiv
Der Emder Hafen ist entscheidend für die Energiewende in Deutschland. Foto: Tobias Bruns/Archiv

Die kommunale Wärmeplanung treibe jede Kommune in Deutschland um. Auch hier sei Emden „schon relativ weit“ und könne gut mithalten, so Gerdes. Ann-Cathrin Neumann hob als dritten Punkt hervor, dass das Klima-Team in Emden gut aufgestellt sei. Neben Gerdes und Neumann gehören noch Detlef Dunker, zuständig für das energetische Sanierungsmanagement für die Stadtteile Port Arthur/Transvaal bis zur südlichen Ringstraße und Borssum, sowie Christoph Runden als Klimaschutzmanager dazu. Ein neuer Nahmobilitätsmanager wird noch gesucht. Kurzzeitig war die Stelle besetzt, doch die Kandidatin entschied sich schließlich anders. „Wir haben ein tolles Team, das gut zusammen arbeitet und wirklich was umsetzen möchte für die Stadt“, sagt Ann-Cathrin Neumann. Andere Kommunen müssten in dem Bereich noch nachjustieren.

Wie steht Emden im Vergleich da?

Beim Thema erneuerbare Energien sei Emden hervorragend aufgestellt, so Gerdes. Die Stadtfläche sei bedeutend kleiner als Berlin, aber es gebe das zehnfache an Windenergie hier im Vergleich zur Bundeshauptstadt. Rein rechnerisch sei Emden mehr als 100 Prozent durch den hier produzierten Strom versorgt. Die Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos sei in Emden sehr gut, so Neumann.

Emden hat das Zehnfache an Windenergie als die Stadt Berlin, obwohl sie bedeutend kleiner ist. Foto: Tobias Bruns/Archiv
Emden hat das Zehnfache an Windenergie als die Stadt Berlin, obwohl sie bedeutend kleiner ist. Foto: Tobias Bruns/Archiv

Auch der private Ausbau von erneuerbaren Energien bei Häusern und Wohnungen werde gut unter anderem von den Stadtwerken Emden vorangetrieben, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela im Gespräch. In anderen Kommunen sei es nicht zwangsläufig der Fall, dass die Stadtwerke einer Kommune die Themen voranbringen, das sei beim Treffen auch deutlich geworden, sagt Jann Gerdes.

Was könnte Emden noch besser machen?

Strukturell könne einiges in der Verwaltung noch besser ineinandergreifen. „Aber wir arbeiten daran.“ Auch nannte er die Stadt Münster als Vorreiter-Kommune. Dort sei eine große Abteilung für den Klimaschutz eingesetzt, die viele Randthemen, die Emden personell gar nicht angehen könne, bedienen können - etwa eine aktuelle Kampagne zu klimaneutralen Haushalten, für die zwei, drei Leute in dem Team abgestellt seien. Auch beim Radverkehr sei Münster ein Vorbild. Daran habe man sich in Emden auch orientiert und bereits vieles umgesetzt, so Dinkela. „Es sind viele Puzzle-Teile, die man nicht einzeln betrachten kann, sondern die Stück für Stück mehr ineinander greifen“, sagte er.

Kiel indes habe ein sehr großes Fernwärmenetz, womöglich auch wegen der Nähe zu skandinavischen Ländern, wo das Thema bekannter sei, so Gerdes. „Deswegen ist der Fachaustausch auch so wichtig. Wir können einfach in Kiel anrufen und fragen, wie macht ihr das?“ Im Gegenzug könnte natürlich andere Kommunen in Emden anrufen und Tipps erfragen.

Bis 2040 klimaneutral: Geht das?

Einige Faktoren könne die Stadt beeinflussen, wie etwa die kommunale Wärmeplanung, sagt Gerdes. „Da müssen wir jetzt ganz aktiv ran“, betont er. „Die Wärmeversorgung macht in Deutschland mehr als 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus und verursacht einen Großteil des CO2-Ausstoßes. Denn rund 80 Prozent der Wärmenachfrage wird derzeit durch den Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl gedeckt, die aus dem Ausland bezogen werden“, heißt es dazu vom Bund.

Wärme soll stärker aus erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme etwa aus Industrien in die Haushalte und Betriebe kommen, so die Idee. Ende des Jahres oder Anfang des kommenden Jahres soll die kommunale Wärmeplanung in Emden noch einmal intensiv mit der Politik besprochen und bestenfalls Beschlüsse gefasst werden, so Gerdes. Anderes zum Thema Klimaneutralität bis 2040 liege in der Hand etwa vom Bund, der Vorgaben machen müsse etwa zur Ladeinfrastruktur, oder vom VW-Werk, das treibhausgasneutral werden möchte. Auch weitere Hafenbetriebe müssen mitmachen. „Wenn alle mitziehen, schaffen wir das bis 2040“, betont Gerdes.

Wie nimmt man die Bürger mehr mit?

Auch die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, etwa durch Sanierungsgebiete wie gerade in Port Arthur/Transvaal, helfe den Menschen, weil die Energie-Kosten sinken, aber am Ende auch dem Klimaschutz und der Wirtschaft. Ein Euro, der dort investiert werde, setze sechs Euro Investitionen frei, hätten sie errechnet. In den Radverkehr zu investieren, zeige ebenfalls bereits deutliche Früchte. „Die neuen Radabstellanlagen im Kulturviertel sind jetzt immer so gefüllt, als hätten sie schon immer da gestanden“, sagt er. Fahrradstraßen werden weiter ausgebaut - etwa die Jahnstraße und Braunsberger Straße. Fahrradfahren haben wiederum positive Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit der Leute.

Die Jahnstraße im Herrentor-Viertel soll in diesem Jahr zur Fahrradstraße umgebaut werden. Foto: F. Doden/Archiv
Die Jahnstraße im Herrentor-Viertel soll in diesem Jahr zur Fahrradstraße umgebaut werden. Foto: F. Doden/Archiv

„Man muss schauen, dass man Maßnahmen ergreift, die nicht eindimensional wirken, sondern auf mehreren Ebenen“, sagt er. Da setzt auch Ann-Cathrin Neumanns Arbeit an. Sie versucht mit ihrer Arbeit, die Folgen des Klimawandels, die nicht mehr abgewendet werden können, für die Menschen bestmöglich einzudämmen. Aktuell wird ein Konzept mit Maßnahmen erstellt. Um die Maßnahmen auch umsetzen zu können, wird aktuell die Folgeförderung beim Bund beantragt. Wo befinden sich in der Stadt sogenannte Hitzeinseln und wie kann man sie, etwa durch Bepflanzung, eindämmen? Wie werden Hitzetage im Altersheim oder Kindergarten erträglicher? Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich das Konzept auseinander.

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