Weidemilch Ostfrieslands Bauern erhalten satte Prämie vom Land
Gute Nachrichten für Fans der Weidemilch: Die Bauern erhalten jetzt Tausende Euro, wenn sie ihre Tiere ins Freie lassen. Die Produktion von Weidemilch ist also gesichert. Es gibt aber einen Haken.
Ostfriesland/Hannover/Bonn - Ostfrieslands Landwirte klagen gern und häufig darüber, dass sie für ihre Milch zu wenig Geld bekommen. Dafür haben sie nun einen Grund weniger. Nach jahrelangem politischen Hin und Her hat die niedersächsische Landesregierung den Bauern nun erstmals eine Prämie für Weidemilch ausgezahlt. Insgesamt kostet das den Steuerzahler in diesem Jahr 16,5 Millionen Euro.
„Ich freue mich, dass die Sommerweideprämie in Niedersachsen gut angenommen und die Mittel nun fristgerecht ausgezahlt wurden“, teilte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) vor wenigen Tagen mit. „Mit der Maßnahme aus unserem Förderangebot kommen wir der gesellschaftlichen Forderung nach mehr Tieren auf der Weide nach – und unterstützen die Betriebe für ihren Beitrag zu Tierwohl und Artenvielfalt.“ Das Geld sei am 31. Mai fristgerecht ausgezahlt worden.
Im Schnitt 6750 Euro
Für die einzelnen Milchbauern geht es dabei um durchaus nennenswerte Summen. Pro auf der Weide gehaltener Milchkuh gibt es nämlich 75 Euro im Jahr. Zur Einordnung der Zahl: Nach Angaben des Landvolks gibt es in Ostfriesland etwa 1800 Milchviehbetriebe mit im Schnitt 90 Kühen pro Betrieb. Ein durchschnittlicher Betrieb mit 90 Milchkühen hat für die Weidehaltung vom Land Niedersachsen nun also Ende Mai 6750 Euro erhalten. Dieser Betrag ist übrigens deutlich höher als die heiß diskutierte Förderung des Agrardiesels, für die die Bauern seit Anfang Januar demonstriert hatten.
Allerdings treibt auch nicht jeder Landwirt seine Milchkühe auf die Weide. Die Auflagen sind streng. Um eine ausreichende Grundfutterversorgung zu gewährleisten, müssten pro Milchkuh mindestens 2000 Quadratmeter Gras und/oder Grünfutterflächen ohne Mais (davon 1000 Quadratmeter als Weidefläche) zur Verfügung stehen, so das Ministerium. Förderverpflichtung sei die Weidehaltung aller Milchkühe des Betriebes vom 16. Mai bis zum 15. September für mindestens sechs Stunden pro Tag. Die Zuwendungen (75 konventionell beziehungsweise 51 Euro ökologisch) je Großvieheinheit, die durchschnittlich im Weidezeitraum gehalten worden sei, basiere auf agrarökonomischen Berechnungen, die die wirtschaftlichen Nachteile der Förderverpflichtung für die jeweilige Haltungsform berücksichtigten.
Zoff um Haltungsform
Was den Milchbauern weiterhin Kopfschmerzen bereitet, ist die ab Juli neue Kennzeichnung von Milch. Erst am 23. Mai hatte sich in Niedersachsen ein breites Bündnis für den Erhalt der Weidetierhaltung gebildet. Die Sorge: Milchbauern könnten ihre Weidemilch ab Juli zu einem günstigeren Preis verkaufen müssen, so dass es sich dann nicht mehr lohnen würde, die Kühe überhaupt auf die Weide zu lassen. Statt vier soll es ab Juli fünf Haltungsform-Kennzeichnungen auf Verpackungen für tierische Erzeugnisse geben.
Bislang erhält Weidemilch die Haltungsform 3 für „Laufstallhaltung mit ganzjährig nutzbarem Laufhof oder Laufstallhaltung mit Weidegang“, eine 4 steht für „Laufstallhaltung mit ganzjährig nutzbarem Laufhof und Weidegang“. Künftig soll die 4 mit der 5 für Bio ergänzt werden. Weidemilch behielte ihre dann nur noch mittelmäßige 3. Im Kern unterstellen die Landwirte dem Handel, das Label zu nutzen, um die Preise für Weidemilch drücken zu können.
Klare Absage aus Bonn
Da die Zeit bis zur Einführung der neuen Haltungsformen nun langsam abläuft, hoffen die Bauern, dass der Start für das neue Label noch verschoben werden könnte. Doch daraus wird nichts. Das hat die Initiative Tierwohl, die hinter den Neuerungen der Haltungsform steht, nach Informationen unserer Zeitung vor wenigen Tagen in Bonn entschieden.
„In der letzten Sitzung des Steuerungskreises Haltungsform wurde auch die öffentlich geäußerte Kritik an der Einordnung von Pro Weideland in die Stufe 3 der Haltungsform-Kennzeichnung diskutiert“, teilte die Initiative Tierwohl auf Anfrage mit. „Die Einordnung von Pro Weideland durch die Trägergesellschaft erfolgte bereits vor zwei Jahren auf der Basis öffentlich einsehbarer Kriterien.“ Im Zuge der Umstellung des Kennzeichnungssystems der Haltungsform von vier auf fünf Stufen – bedingt durch die staatliche Tierhaltungskennzeichnung bei Schweinen – werde die Stufe 4 „Premium“ aufgeteilt in zwei Stufen: Stufe 4 „Auslauf/Weide“ und Stufe 5 „Bio“. Die Kriterien der Haltungsform für die Milchviehhaltung hätten sich jedoch durch die Umstellung bislang nicht geändert. Die Herausforderungen für die Betriebe beziehungsweise die Programme in die jeweilige Stufe eingeordnet zu werden, seien somit gleichgeblieben. Die Mitglieder des Steuerungskreises Haltungsform wollten weiterhin an dem hohen Tierwohl-Niveau der Stufe 4 festhalten, gleichzeitig aber den Austausch zu Weiterentwicklung der Haltungsform-Kennzeichnung und zu Einordnungsoptionen der Tierwohlprogramme fortsetzen. Die Haltungsform sei offen für alle Programme, die die Mindestanforderungen in der jeweiligen Stufe und für die entsprechende Tierart erfüllten, so die Mitteilung aus Bonn.