Ein großer Sohn der Stadt Emden ehrt Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen
Die Stadt Emden benennt zum Auftakt des Filmfestes eine Straße nach Wolfgang Petersen. Der Star-Regisseur verbrachte die ersten Lebensjahre in Emden – und hatte dort seinen ersten Kontakt zum Kino.
Emden - Die Stadt hat posthum einen ihrer großen Söhne geehrt und an diesem Mittwoch eine Straße nach dem vor knapp zwei Jahren verstorbenen Star-Regisseur Wolfgang Petersen benannt. Dazu wurde die bisherige Theaterstraße umgetauft.
Die neuen Straßenschilder wurden gegen 18.15 Uhr vor dem Festspielhaus am Wall feierlich enthüllt. Zu diesem offiziellen Akt war auch Daniel Petersen, Sohn des Hollywood-Regisseurs, mit seiner Familie anwesend. Petersen enthüllte zusammen mit dem Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) das neue Straßenschild.
Emden lag ihm am Herzen
„Mein Vater hat häufiger den Wunsch geäußert, dass in Emden eine Straße nach ihm benannt wird“, erzählte Daniel Petersen. Doch er habe immer gedacht, es gehöre wohl mehr dazu, als nur Filme zu machen. Über die Auszeichnung hätte er sich also sehr gefreut. „Emden lag ihm am Herzen“, so Daniel Petersen.
Der 55-Jährige, der ebenfalls in der Filmbranche tätig ist, lebt mit seiner Frau Berit und den Kindern Julian und Maja in Hamburg. Er schreibt Dreh- und Synchronbücher und habe mit seinem Vater an verschiedenen Projekten gearbeitet.
Petersen lebte neun Jahre in Emden
Den Zeitpunkt für die Umbenennung der Theaterstraße hatte die Stadt Emden bewusst gewählt, denn nach der Straßenbenennung wurde in dem neuen Kultur- und Kongresszentrum (ehemals Neues Theater) das 34. Internationale Filmfest Emden-Norderney eröffnet. Den Beschluss, die Theaterstraße in Wolfgang-Petersen-Straße umzubenennen, hatte der Emder Stadtrat bereits vor mehr als einem Jahr einstimmig gefasst.
Wolfgang Petersen, Regisseur von Filmen wie „Das Boot“, „Outbreak“, „Air Force One“ und „Der Sturm“, wurde am 14. März 1941 als Sohn eines Marineoffiziers und Schiffsmaklers in Emden geboren. Sein Geburtshaus stand an der Fürbringerstraße. Dort verbrachte er – mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkrieges – die ersten neun Jahre seines Lebens, bevor die Familie 1950 nach Hamburg zog. Nach dem Kriegsende wohnte die Familie zunächst in einer Barackensiedlung im Hafen des damals von Bomben zerstörten Emden.
Schnecken auf der Leinwand faszinierten
Seinen allerersten Kontakt mit dem Kino hatte der Star-Regisseur im Emder Apollo-Theater. Als Kind sah er dort einen Film über Schnecken. „Es hatte mich sehr fasziniert, dass sich Dinge auf der Leinwand bewegten“, sagte er im Oktober 1993 dieser Zeitung. Petersen war damals Gast in der TV-Show „Wetten, dass . . .?“, die das ZDF live aus der Nordseehalle in Emden ausstrahlte.
Die Blitzvisite bei „Wetten, dass .. .?“ war der erste Besuch Petersens nach 43 Jahren in seiner Geburtsstadt. Im Jahr 2001 kam er wieder nach Emden - als Gast des 12. Emder Filmfestes - und mit etwas mehr Zeit als bei seiner ersten Rückkehr. Beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt schaute er auch nach der Seite mit der Widmung des Komikers Otto Waalkes. Die beiden gebürtigen Emder verband eine lange Freundschaft.
Besatzer prägten positive Beziehung zu Amerika
Der Besuch während des Filmfestes führte Petersen in Begleitung des damaligen Oberbürgermeisters Alwin Brinkmann auch an die Stätten seiner Kindheit. Der Filmemacher erinnerte sich noch gut an die amerikanischen Besatzungssoldaten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Emder Hafen neben Lebensmitteln auch Kaugummis von Bord ihrer einlaufenden Schiffe warfen.
Damals stand er mit Freunden am Kai. „Dies hat meine positive Beziehung zu Amerika geprägt“, sagte er früher einmal dieser Zeitung. Zum letzten Mal war Petersen im Jahr 2008 nach Emden gekommen. Damals begleiteten ihn zwei Dokumentarfilmer an die frühen Orte seines Lebens.
Der Tatort machte ihn über Nacht berühmt
Sein Handwerk erlernte der Regisseur an der deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. 1971 hatte er gleich mit dem „Tatort“-Krimi „Blechschaden“ Erfolg. Die Folge „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski machten ihn und die blutjunge Darstellerin über Nacht berühmt. Zum Tabubrecher wurde Petersen 1977 mit dem Kinofilm „Die Konsequenz“, der von einer homosexuellen Liebe handelt.
Das Kinoepos „Das Boot“ (1981) über die Besatzung eines deutschen U-Boots im Zweiten Weltkrieg, mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer, bahnte Petersen den Weg nach Hollywood. Seit 1987 lebte der Regisseur mit seiner Frau in Los Angeles. Dort holte er Hollywood-Stars wie Clint Eastwood („In the Line of Fire“), Dustin Hoffman („Outbreak“), Harrison Ford („Air Force One“), George Clooney („Der Sturm“) und Brad Pitt („Troja“) vor die Kamera.
Filmfest will Petersen-Preis ausloben
Für ein Remake seiner alten Fernseh-Komödie „Vier gegen die Bank“ aus den 1970er Jahren, kehrte Petersen 2016 nach Deutschland zurück. Der Gaunerfilm war mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Michael „Bully“ Herbig prominent besetzt. Petersen starb am 12. August 2022 in seinem Haus in Los Angeles an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Nach Angaben der Stadt Emden soll beim Emder Filmfest im kommenden Jahr erstmals der „Wolfgang-Petersen-Memorial-Award“ für einen internationalen Debütfilm ausgelobt werden.
Der Besuch Petersens im Jahr 2001 sei „ein Meilenstein“ in der Geschichte des Emder Filmfestes gewesen, sagte der ehemalige Festivalleiter Rolf Eckard 2022 anlässlich des Todes von Petersen. Für das Festival sei das „total wichtig“ gewesen, weil damit auch das Niveau und das Renommee wuchsen. Der Star-Regisseur sei damals auch gekommen, weil er dem Festival helfen wollte. „Davon ist immer etwas geblieben“, so Eckard.