„Ausländer raus“ Rassistische Parolen in Krummhörner Schulbus
In der Krummhörn kam es zu einem rassistischen Vorfall in einem Schulbus. Zwei Jugendliche attackierten eine dunkelhäutige Schülerin verbal. Der Busfahrer griff nicht ein.
Krummhörn - Eigentlich wollte eine junge, dunkelhäutige Schülerin am vergangenen Freitag, 31. Mai 2024, nach der Schule nur in Ruhe nach Hause fahren. Der Bus war voll, vor allem Schüler der IGS Pewsum und von Krummhörner Grundschulen waren in Richtung Hinte/Emden unterwegs. Darunter auch viele Kinder mit Migrationshintergrund. Dann fingen zwei Jugendliche an, „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ auf die Melodie von „L‘amour toujours“ zu singen – doch die beiden Jugendlichen gingen noch weiter.
Als wäre es nicht schlimm genug, ausländerfeindliche Parolen in einem Schulbus zu singen, riefen die beiden Jugendlichen dem Mädchen hinterher als diese ausstieg: „Verpiss dich, du N-Sau“. Wir geben die eindeutig rassistische Bezeichnung hier bewusst nicht wieder. Zahlreiche Kinder waren Zeugen des Vorfalls, mehrere Eltern wandten sich im Nachgang des Vorfalls an diese Zeitung.
Busfahrer soll nichts gemacht haben
Dass selbst Jugendliche genau das machen, was die jungen Erwachsenen im mittlerweile bekannten „Sylt-Video“ getan haben, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit über Tiktok erklären. Auf die Melodie des mehr als 20 Jahren alten Partyhits von Gigi D‘Agostino die ausländerfeindliche Parole zu singen, ist so etwas wie ein Trend auf der Videoplattform.
Die Jugendlichen in der Krummhörn gingen aber noch einen Schritt weiter und richteten diese Parole und die Beleidigung direkt an eine Teenagerin, eine Mitschülerin. Der Busfahrer, so die uns gegenüber von den Eltern wiedergegebenen Erzählungen ihrer Kinder, habe nichts gemacht.
Vorfall in Emden: sieben Tatverdächtige ermittelt
Der Vorfall wurde von den Eltern des Mädchens zur Anzeige gebracht. Der Betreiber der Buslinie, Weser-Ems-Bus (WEB), wurde ebenfalls informiert. Auf Nachfrage heißt es seitens WEB: „Wir nehmen den aktuellen Vorfall zum Anlass, unser Fahrpersonal nochmals speziell auf das Thema Rassismus aufmerksam zu machen und die Hilfsangebote der DB nochmals zu benennen.“ Weser-Ems-Bus stelle sich klar gegen Gewalt und Rassismus, so eine Bahnsprecherin, WEB gehört zur Deutschen Bahn. Das Fahrpersonal werde „regelmäßig zu Konfliktsituationen geschult“. Man nehme den aktuellen Fall sehr ernst und gehe dem nach.
Dieser Vorfall wäre der zweite in Ostfriesland, bei dem der ausländerfeindliche Text auf die bekannte Melodie gesungen wird – oder zumindest der zweite polizeibekannte Fall. Kurz nach dem „Sylt-Video“ wurde „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ nämlich nachts in Emden lautstark gesungen. So laut, dass dies noch in einiger Entfernung zu hören war. Wie die Polizei auf Nachfrage erklärte, fand der Vorfall auf einer privaten Party statt. „Sieben Tatverdächtige im Alter von 16-19 Jahren konnten ermittelt werden. Die Ermittlungen zu dem gesamten Sachverhalt und den Hintergründen dauern an.“ Weitere Fälle seien für Ostfriesland nicht bekannt.