Radeln und sparen  In Leer kann jetzt mit Klima-Talern bezahlt werden

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 07.06.2024 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Klima-Taler-App wird durch klimafreundliches Verhalten ein Guthaben aufgebaut. Foto: Stadt Leer
In der Klima-Taler-App wird durch klimafreundliches Verhalten ein Guthaben aufgebaut. Foto: Stadt Leer
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Mit dem Fahrrad in die Stadt und dadurch in vielen Geschäften weniger zahlen: In Leer gibt es eine neue App, die die Nutzer für klimafreundliches Verhalten wie dieses belohnt. So funktioniert‘s.

Leer - Gutes für die Umwelt tun und dafür auch noch belohnt werden: In der Stadt Leer kann ab sofort in zahlreichen Geschäften und städtischen Einrichtungen mit dem Klima-Taler bezahlt werden. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Währung, die über die zugehörige Klima-Taler-App abrufbar ist, teilt die Stadtverwaltung mit. „Leer ist eine von mittlerweile mehr als 20 Städten, die zum Klima-Taler-Netzwerk gehört und auf diese Art und Weise gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern einen Beitrag für den Klimaschutz leisten möchte“, schreibt die Stadt.

Wie kann ich mich anmelden?

Die Anwendung gibt es sowohl für iPhones als auch für Android-Smartphones im entsprechenden App-Store. „Jeder kann sich anmelden, die Klima-Taler-App kostenlos herunterladen und für sich nutzen. Es gibt zudem die Option, Teams zu bilden und untereinander einen Wettbewerb zu starten, der Spaß macht und sich auszahlt“, wird Klimaschutzmanagerin Cindy Grätz zitiert. Es gehe darum, klimafreundliches Verhalten zu belohnen, um auf diese Weise dazu beizutragen, dass Menschen ihre Gewohnheiten nachhaltig verändern. Entscheidend sei die Motivation.

Wie werden die Taler eingelöst?

Das Prinzip ist simpel. Mit klimafreundlichem Verhalten könne in der App ein Guthaben aufgebaut werden. Die Klima-Taler ließen sich in den Geschäften online oder vor Ort einlösen. Eine Übersicht über Rabatte und spezielle Klima-Taler-Angebote in Leer sei ebenfalls in der App enthalten. Außerdem könne das Guthaben auch in Geschäften anderer teilnehmender Klima-Taler-Kommunen eingelöst werden. Zum Netzwerk gehören beispielsweise Aachen, Darmstadt, Hamm, Gladbeck, Meiningen oder Prenzlau.

Welche Geschäfte in Leer nehmen Teil?

Bislang gebe es in Leer – Stand Donnerstagmittag – 15 teilnehmende Einrichtungen, Dienstleister und Einzelhändler, die Angebote in die Klima-Taler-App einstellen oder schon eingestellt haben. Das teilt Stadtsprecher Edgar Behrendt auf Nachfrage mit. Dazu gehören die Ostfriesische Teestube am Hafen, die Kumpir-Brothers, Fielmann, der Biomarkt Kück, der Weltladen, Spaß mit Sport, Fun Sport, Blattwerk Floristik, das Plytje, die Stadtbibliothek, das Repair-Café, Schloss Evenburg, Wein Wolff, der Biolandhof Freese und sogar Multi.

„Das ist das Ergebnis nach nur sechs Tagen. Wir haben das Projekt erst am vergangenen Freitag gestartet. Die Anzahl der Teilnehmer wächst und wächst. Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Wochen noch viel, viel mehr werden“, so der Stadtsprecher. Denn: Weit mehr als 100 Firmen habe die Stadtverwaltung bereits angeschrieben. Zudem wolle sie noch Kontakt zur Werbegemeinschaft und zu den Altstadtfreunden aufnehmen.

Wie genau kann Guthaben gesammelt werden?

Um einen Klima-Taler zu verdienen, müssen die Nutzerinnen oder Nutzer beispielsweise 28 Kilometer mit dem Rad oder zu Fuß, 67 Kilometer mit Bus oder Bahn innerorts oder 53 Kilometer im Fernverkehr unterwegs sein. Ein Klima-Taler stehe für genau fünf Kilogramm CO2-Einsparung. Bei der Dokumentation der klimafreundlichen Fortbewegung erkennt das Smartphone das Verkehrsmittel durch das Auswerten von GPS- und Sensorik-Daten. Die Genauigkeit liege nach Angaben der Stadtverwaltung bei bis zu 95 Prozent.

Eine weitere Option, um Klima-Taler zu verdienen, sei der sparsame Gas-, Strom- und Wasserverbrauch. Hier müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bonus-Programms ihre Verbrauchszähler mit der App verbinden. Wer Tipps zur Frage „Was können wir noch gegen den Klimawandel tun?“ liest und beherzigt, bekommt ebenfalls Guthaben. Nachhaltige Orte wie E-Bike-Ladestationen, E-Car-Ladestationen, Fahrrad-Reparaturstationen und Geschäfte, in denen nachhaltiger Konsum im Mittelpunkt steht, werden zudem auf einer Karte hervorgehoben.

Was ist mit Datenschutz?

Die Kommunen erhielten durch die Klima-Taler-App umfangreiche Einsichten für die städtische Mobilität und damit Datenmaterial, um sich langfristig klima- und bürgerfreundlicher zu entwickeln, heißt es von der Stadt. „Dabei ist wichtig: Vollständiger Datenschutz ist gewährleistet“, betont die Verwaltung. Alle von den Nutzerinnen und Nutzern über die Smartphones generierten Wegstrecken und alle anderen klimarelevanten Informationen werden anonymisiert gesammelt und lediglich quantitativ ausgewertet. Heißt auch: Die App wird über die Lizenzgebühr der Stadt finanziert und nicht über die werbliche Auswertung der Nutzerdaten.

Was sagt die Verbraucherzentrale?

Auch die Verbraucherzentrale hat die neue App bereits getestet. Fazit: In der Summe sei Klima-Taler „eine gelungene App für mehr Nachhaltigkeit im Alltag, der es an inhaltlichem Feinschliff fehlt.“ Grundsätzlich lobenswert sei das durch ein Belohnungssystem befeuerte Anliegen, die Nutzerinnen und Nutzer zu mehr Klimaschutz im Alltag anzuhalten, schreibt die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite.

Verbesserungswürdig hingegen sei der eher geringe Funktionsumfang von der Klima-Taler-App für Menschen, die ungern persönliche Daten wie Verbrauchswerte oder Standort teilen. „Auch bei der Aktualität lokaler Aktionen wie Bäumepflanzen oder den unter News verfügbaren Inhalten sollte nachgebessert werden, um Frust zu vermeiden“, heißt es außerdem. „Wir bleiben aber dran und gucken auch in Zukunft wieder rein, wie sich die sympathische App entwickelt.“

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