Osnabrück Sparplan, Versicherungen & Co: So sorgen Sie am besten für Ihr Kind vor
Viele Eltern sind überfordert mit der Frage, wie sie die Zukunft ihres Kindes am besten finanzieren. Zumal neben dem Vermögensaufbau auch der Versicherungsschutz dazu gehört. Nur, welche Policen sind sinnvoll? Und wie sieht ein guter Sparplan aus?
Kinder sind oft süß, aber immer teuer: Im Jahr 2018 kostete ein Kind laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 763 Euro pro Monat. Die Inflation mit eingerechnet wären es heute gut 781 Euro. Bis das Kind 18 Jahre alt ist, wäre man nur für die Konsumausgaben bei knapp 170.000 Euro – konservativ geschätzt. Dazu kommen mögliche weitere Zuschüsse für Ausbildung oder Studium, denn Eltern sind bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss unterhaltspflichtig. Der Regelsatz liegt laut Düsseldorfer Tabelle bei 930 Euro im Monat. Allein diese kleine Auflistung zeigt: Wer früh anfängt, Geld zu sparen, ist klar im Vorteil.
Eltern sollten sich jedoch immer erst einmal darüber klarwerden, wofür genau sie sparen wollen, sagt Philipp Rehberg, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Geht es um die Vorsorge fürs Studium? Oder ein neues Rad? „Jugendliche haben ja auch bestimmte Bedarfe, die Eltern aus ihrem laufenden Einkommen so gar nicht abdecken können, wie ein Auslandsjahr“, so Rehberg. Wer das Geld eher zeitnah braucht und keine Risiken eingehen möchte, sollte daher eher beim Spar- oder Tagesgeldkonto bleiben. Wer mindestens zehn Jahre Zeit hat, könnte auf die Renditechancen am Aktienmarkt setzen.
Dabei gilt: Kleinvieh macht auch Mist. Selbst kleine Beträge können, wenn sie nicht gerade auf dem Tagesgeldkonto oder Sparbuch liegen, zu einer ordentlichen Summe anschwellen. Natürlich vorausgesetzt, die Eltern wagen den Gang aufs Börsenparkett. „Selbst, wenn man, wie die meisten, nur 50 Euro zur Seite legen kann, wächst der Betrag bei sechs Prozent Rendite auf knapp 20.000 Euro, wenn das Kind 18 Jahre alt ist“, sagt Sangkung Conteh, Gründer von Little Lion, einer Finanzberatung, die sich speziell an Eltern richtet. Selbst eingezahlt haben sie dann lediglich 10.800 Euro. Manche Eltern können sogar das komplette Kindergeld investieren. Dann kommt man nach 18 Jahren bereits auf über 95.000 Euro (54.000 Euro eingezahlt).
Wer ab der Geburt monatlich 50 Euro anlegt und das Kind führt das Depot bis zum 62. Lebensjahr weiter, beispielsweise, um für die Rente vorzusorgen, dann sind das bei einer Durchschnittsrendite von sechs Prozent etwa 372.000 Euro. „Selbst eingezahlt hat man dann gerade einmal 37.000 Euro, aber durch den Zinseszinseffekt erreicht man etwa das Zehnfache.“ Der Berater empfiehlt außerdem, dass Großeltern statt Geschenken eher Geld fürs Depot geben.
Beide Experten raten, das Geld breit diversifiziert an der Börse anzulegen. Zunächst einmal sollten Eltern für jedes Kind das gleiche Depot anlegen, damit es später nicht zu Streitereien kommt. Dann sei es sinnvoll, so Finanzberater Conteh, wenn Eltern eine bereits angesparte Summe investieren und diese dann mit einer regelmäßigen monatlichen Zahlung weiter besparen. Wichtig zu wissen: Eltern könnten jederzeit an das Geld.
Conteh empfiehlt, einen Teil des Geldes in kostengünstige ETF zu investieren. Aber: „Ein Sparplan lohnt sich vor allem, wenn man ihn auch durchzieht, weil man dann durch den sogenannten „Cost-Average-Effekt“ von durchschnittlich steigenden Renditen profitiert. Aktien-ETF machen ab sieben bis zehn Jahren Anlagehorizont Sinn.“
Die andere Hälfte könnten Eltern in einer fondsbasierten Rentenversicherung anlegen, in der eine kostenlose Berufsunfähigkeitsversicherung fürs Kind mit eingeschlossen ist. Von kapitalbildenden Lebensversicherungen und Indexpolicen hingegen rät er ab. „Die machen keinen Sinn, sie sind nicht gut verzinst. Das Produkt muss auf jeden Fall fondsbasiert sein, dabei muss man auf kostengünstige Fonds achten, am besten ETF.“
Hinsichtlich der Aufsplittung des Investitionskapitals setzt Conteh aber nicht nur auf ETF: „Es ist wichtig, das Geld in Anlageklassen zu investieren, die die Inflationsrate schlagen können und sich breit aufzustellen. In Aktien, Fonds, also ausgewählte aktiv gemanagte Fonds und ETF, Private Equity, Edelmetalle wie zum Beispiel Gold und Silber und Immobilien.“ Er würde zu maximal 20 Prozent Gold als Beimischung raten. Von reinen Goldsparplänen hält er nichts.
Gerade Gold, Immobilien und Private Equity, also außerbörsliche Beteiligungen an Unternehmen, sieht Verbraucherschützer Rehberg jedoch kritisch. „Das ist natürlich immer eine Frage der Risikobereitschaft. Ich würde aber gar keine risikoreichen Werte auswählen.“ Wer 25 oder 50 Euro monatlich investieren wolle, für den sei ein Sparplan auf breit gestreute ETF das Mittel der Wahl. „Natürlich ist auch das mit Risiken behaftet, aber ein Totalverlustrisiko hat man da normalerweise eher nicht.“
In einem Punkt sind sich die beiden aber einig: „Bitte Hände weg von Bausparverträgen und Sparbüchern, weil die in der Ansparphase unterhalb der Inflation das Geld investieren“, so Conteh.
Es kommt einer Gretchenfrage gleich: Auf welchen Namen soll das Depot laufen? „Läuft es auf das Kind , kann es ab 18 mit dem Geld machen, was es will“, so Conteh. Der Vorteil dabei sei der erhebliche Steuervorteil: Der Steuerfreibetrag liege bei knapp 12.000 Euro. Läuft das Depot über die Eltern, gibt es lediglich einen Steuerfreibetrag in Höhe von 1.000 Euro. Und die Steuern haben es in sich: „Die Kapitalertragssteuer auf Gewinne liegt bei 25 Prozent (plus Soli), eventuell plus Kirchensteuer, dann ist man bei knapp 28 Prozent ab 1.000 Euro Gewinn. Dann schmilzt ein Gewinn schnell.“
Ließen sich die Steuern umgehen, indem Eltern das Depot vor dem 18. Geburtstag des Kindes auf sich überschreiben lassen? „Das wäre zwar möglich. Aber das Kind könnte die Eltern dann theoretisch verklagen, wenn es das Geld dann nicht in der Höhe bekommt, wie es investiert worden ist. Es ist ja das Depot des Kindes“, erklärt der Finanzberater.
In den wirklich wichtigen Versicherungen wie Haftpflicht- und Krankenversicherung sind laut Verbraucherschützer Rehberg die Kinder immer schon automatisch mit drin: „Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind sie bis 23 Jahre versichert, wenn sie gar nichts machen, respektive 25 Jahre, wenn sie studieren. Bei der privaten Krankenversicherung kommt es auf die Bedingungen an.“
Zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) fürs Kind raten sowohl Rehberg als auch Conteh. „Je früher eine BU abgeschlossen wird, desto besser. Es wird immer schwerer werden, sie zu bekommen. Denn die Fallzahlen durch Burnout, Nachwirkungen von Corona und andere Krankheiten haben zugenommen“, so der Finanzberater. Bei manchen Versicherungsgesellschaften sei es möglich, direkt nach der Geburt des Kindes eine kostenlose BU-Option abzuschließen.
Eltern müssten aber laut Rehberg sehr gut auf die Bedingungen achten und darauf, dass später unkompliziert eine Nachversicherung möglich ist: „Wenn der Beruf feststeht, müssen die monatlichen Rentenzahlungen erhöht werden können, ohne dass noch eine neue Gesundheitsprüfung stattfindet“, erklärt der Verbraucherschützer. Solange das Kind jung ist, sind die Versicherungsbeiträge für eine BU noch günstiger. „Aber das Argument zählt nur halb, weil man ja früher einzahlt. Doch eine Vorerkrankung kann immer eintreten, die dazu führt, dass ein Kind später keine BU mehr bekommt.“
Auch Eltern selbst sollten an ihren Arbeitsschutz denken, also ihr Erwerbseinkommen absichern und eine BU abschließen. Verbraucherschützer Rehberg befürwortet zudem eine Risikolebensversicherung, die im Falle des Todes der versicherten Person eine zuvor vereinbarte Summe an die Familie auszahlt. „Der Schutz ist eine gute Sache, wenn man eine Familie gründet.“ Allerdings lehnen viele Versicherer potenzielle Neukunden mit bestimmten Vorerkrankungen ab. Wer sie bekommt, muss nicht besonders tief in die Tasche greifen: „Es gibt sie ab 10 Euro monatlich pro 100.000 Euro Todesfallleistung“, sagt Rehberg.
Von sogenannten Ausbildungsversicherungen, eine Art kapitalbildende Lebensversicherung, die eine spätere Ausbildung finanzieren soll, sind beide Experten nicht überzeugt. „Man sollte Risikoschutz und Geldanlage nicht kombinieren, das ist zu teuer für die Kunden“, warnt Rehberg. Eine Ausbildungsversicherung sollten Eltern höchstens dann in Erwägung ziehen, wenn ihnen der Risikoschutz wichtig ist, kritische Vorerkrankungen vorliegen und die Versicherung auf Gesundheitsfragen verzichtet.
Auch eine Krankentagegeld- oder Zahnzusatzversicherung seien lediglich ein Nice-to-Have. Conteh würde auch von einer Reiserücktrittsversicherung absehen. Oft sei es günstiger, bei der jeweiligen Fluggesellschaft einen einmaligen Schutz abzuschließen. Ebenso eine Handyversicherung könne man getrost weglassen.