Sanierung geht voran Die Trogstrecke in Emden wird für Monate gesperrt
Um die Trogstrecke in Emden weiter zu sanieren, muss die Hauptdurchfahrt für Monate gesperrt werden. Ab wann und wie lange, wurde nun mitgeteilt. Auch wie es dann weitergeht, steht jetzt fest.
Emden - Autofahrerinnen und -fahrer in Emden müssen wieder viel Geduld aufbringen: Ab dem 10. Juni 2024 wird die als Trogstrecke bekannte Südumgehung für den Kraftverkehr gesperrt. Das teilten unter anderem Nils Andersson, Leiter des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden (BEE), und Hinrich Post, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr, bei einem Termin vor Ort am Donnerstag, 30. Mai 2024, mit. Fußgänger und Radfahrer, die zeitweise ihre Räder schieben müssen, kommen aber weiterhin durch den Trog. Man hätte die Sperrung auch schon früher ansetzen können, habe aber noch das Matjesfest, das an diesem Freitag, 31. Mai, beginnt, abwarten wollen.
Ab dem 10. Juni wird der dritte Bauabschnitt, der zwischen der Zufahrt Zur Alten Brikettfabrik in Fahrtrichtung zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt liegt, saniert. Weil die Radweg-Kappen schon fertig sind, ist die Straße nicht mehr breit genug, um sie ohne Vollsperrung zu sanieren. Aber: Die Firmen, die über die Straße Zur Alten Brikettfabrik erreichbar sind, sollen weiterhin angefahren werden können. An diesem Freitag, 31. Mai, und am kommenden Freitag, 7. Juni, werden auf dem zweiten Bauabschnitt, also der Straße Zur Alten Brikettfabrik, auf vier Elementen Betonierungsarbeiten durchgeführt. Die Zuwegung sei aber trotzdem einspurig offen. Mit Begegnungsverkehr muss gerechnet werden. Eventuell werde eine Ampel eingerichtet.
Wie lange dauert die Sperrung?
Die Sperrung der Hauptdurchfahrt soll bis Herbst andauern. Ein genaues Datum wollten die Beteiligten auf Nachfrage nicht nennen. Es wird ein neuartiges Verfahren verwendet, um die Trogstrecke neu zu betonieren und zu sanieren, weil schon bei den ersten mit konventioneller Bauweise sanierten Abschnitten schnell wieder Wasser durch den Beton gekommen war. Zuletzt hatte im Sommer 2022 eine frisch aufgetragene Asphaltdecke Blasen geworfen, weil sich durch einzelne Wassertröpfchen darunter Hohlräume im Asphalt bildeten. Sie dehnten sich in der Sonne und bei Wärme aus.
Bei der neuen Bauweise, die deutschlandweit beispiellos ist, werden zunächst die Risse des alten Trogs weitestgehend abgedichtet. Dennoch aufsteigendes Grundwasser wird dabei aber nicht mehr bekämpft, sondern mit einem besonderen Aufbau abgeleitet. Zwischen der Betondecke werden dafür Noppen-Matten verlegt. In der Betonschicht wird eine Stahlbewehrung eingeflochten. Außerdem werden Edelstahlanker in das vorhandene Bauwerk eingebohrt und verklebt, um die Schubkräfte aufzunehmen. Das Verfahren verläuft dabei in einem Schachbrettmuster, weil die neuen Bauwerksfugen zudem mit Fugenbändern abgedichtet werden. Mittlerweile habe die beauftragte Firma zwar mehr Routine mit dem neuen Verfahren, dennoch wolle man sich terminlich nicht genau festlegen. „Schnellstmöglich“ wolle man fertig sein, so Andersson.
Wäre eine zeitweise Öffnung des Trogs möglich?
Die Straße etwa fürs Delft- und Hafenfest wieder kurzzeitig zu öffnen, weil dann normalerweise viel Verkehr über den Trog laufen würde, sei nicht denkbar, sagte Nils Andersson. Weil man „schachbrettartig“ arbeite, gebe es nicht unbedingt eine durchgehend befahrbare Strecke. Autofahrer würden alternativ über die Autobahn, andere Ausweichstrecken oder aufs Rad ausweichen müssen, sagte Hinrich Post. Für den Öffentlichen Personennahverkehr habe man schon eine „verträgliche Lösung“ gefunden für die Zeit.
Parallel zu den Arbeiten am dritten Abschnitt könnten eventuell schon die am vierten Abschnitt, also der Fahrbahn Richtung Petkumer Straße von der Zufahrt zur Alten Brikettfabrik aus, angegangen werden, so Nils Andersson. Das sei aber auch abhängig vom Baufortschritt beim dritten Abschnitt.
Wie ist der Zeitplan insgesamt?
Die Beteiligten halten weiterhin daran fest, dass Ende des Jahres die Hauptdurchfahrt fertig sein soll. „Es ist unser gemeinsamer Anspruch, die Sanierung schnellstmöglich mit aller vorhandenen Manpower voranzutreiben“, sagte Stadtsprecherin Theda Eilers. Man wolle das „leidige Thema“ endlich abhaken.
Die Sanierung insgesamt soll im kommenden Jahr beendet werden. Die Restarbeiten sollen nach der Winterpause etwa ab April fortgeführt werden. Von Juli als Fertigstellungstermin wolle man aber nicht sprechen. Der Baufortschritt sei immer vom Wetter abhängig, hieß es von einem Mitarbeiter der Baufirma.
Funktioniert das neuartige Bauverfahren?
Dem ersten Eindruck nach, ja. Der erste Bauabschnitt, also die Fahrbahn Richtung Abfahrt zur Alten Brikettfabrik von der Petkumer Straße aus, „sieht sehr gut aus“, sagte ein Mitarbeiter der Baufirma. Im Winter und bei Hitze habe sie sich bislang als gut erwiesen.
Die Gesamtkosten für die Sanierung wurden zuletzt auf mehr als acht Millionen Euro geschätzt – gut drei Millionen mehr als ursprünglich kalkuliert. Die Sanierung war 2020 gestartet. Eigentlich war sie für drei Jahre geplant. Der Grund für die großen Probleme seit Sanierungsbeginn sind die bei den Arbeiten entdeckten großen Baumängel bei der Errichtung der Trogstrecke vor rund 50 Jahren.