Volkswagen Emden  VW macht beim ID.7 für Nordamerika einen Rückzieher

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 27.05.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Stolz und Freude pur: die Mitarbeiter von VW Emden bei Start der Produktion des ID.7 im August vergangenen Jahres. Foto: Ortgies
Stolz und Freude pur: die Mitarbeiter von VW Emden bei Start der Produktion des ID.7 im August vergangenen Jahres. Foto: Ortgies
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Der ID.7 ist der ganze Stolz der VW-Mitarbeiter in Emden. Doch nun hat dieser ostfriesische Hoffnungsträger einen Kratzer bekommen.

Emden/Virginia - Dieses Mal kommt die schlechte Nachricht aus Übersee. Volkswagen of America hat die Markteinführung des ID.7 in den USA und Kanada auf unbestimmte Zeit verschoben. Das ist für VW Emden äußerst ungünstig. Schließlich war das Werk im August vergangenen Jahres zum Produktionsstart mit der Ansage angetreten, die vollelektrische Limousine für Europa und Nordamerika bauen zu wollen. Mit dem potenziell riesigen Markt in den USA und Kanada wird es nun erst einmal nichts. Ursprünglich war die Markteinführung für das dritte Quartal dieses Jahres geplant gewesen.

„Volkswagen ist bestrebt, marktorientierte Entscheidungen zu treffen und dabei seinen Kunden zuzuhören“, heißt es in einer Mitteilung von Volkswagen of America. „Da sich die Marktdynamik weiter ändert, verzögert Volkswagen die Einführung der ID.7-Limousine in den USA und Kanada.“

Warum ist der ID.7 so wichtig für Emden?

VW Emden hatte immer betont, im Sommer oder im Herbst dieses Jahres auf eine stabilere Produktion zu hoffen. Im Februar und im März dieses Jahres war es aus unterschiedlichen Gründen in Emden zu Produktionsunterbrechungen gekommen. Welche Folgen die Entscheidung aus Reston, Virginia, wo Volkswagen of America sitzt, für die Beschäftigten in Emden hat, ist bislang noch unklar.

VW betonte zwar, dass der ID.7 besser läuft als gedacht. „Nach der Einführung des ID.7 Tourer ist die Kundennachfrage nach den Modellen vor allem in Deutschland höher als erwartet“, heißt es in der Mitteilung. Allgemein bekannt ist aber, dass der Absatz von E-Autos schwächelt.

Welche Folgen hat die aktuelle Debatte über E-Autos?

Entsprechend skeptisch dürfte man daher – nicht nur bei VW Emden – auf die aktuell von CDU und FDP vorangetriebene Diskussion über die Zukunft der E-Mobilität blicken. Unter der Überschrift „Deutschland muss Automobilland bleiben“ schreibt beispielsweise die CDU auf ihrer Webseite: „Der moderne Verbrenner ist eine deutsche Spitzentechnologie. Sie muss technologieoffen weiterentwickelt werden können. Saubere synthetische Kraftstoffe spielen dafür eine zentrale Rolle.“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuletzt betont, dass die auf EU-Ebene getroffene Entscheidung zum Verbrenner-Aus 2026 überprüft wird. 2022 hatte sich die EU darauf geeinigt, dass ab 2035 keine Neuwagen mehr zugelassen werden sollen, die Benzin oder Diesel tanken. VW setzt konsequent darauf, dass dieses Verbrenner-Aus 2035 auch kommt. Immerhin hat der Konzern rund 1,3 Milliarden Euro in den Umbau des Werks in Emden investiert.

Wie argumentiert Volkswagen of America?

Volkswagen ist offenbar bemüht, die verschobene Markteinführung des ID.7 in Nordamerika nicht an die große Glocke zu hängen. Die entsprechende Pressemitteilung ist nur auf der US-Media-Site von VW zu finden, obwohl die Auswirkungen der Entscheidungen auch Deutschland betreffen.

Außerdem ist man bemüht, der ganzen Sache einen positiven Dreh zu geben. „In Europa ist der ID.7 seit 2023 im Handel und hat sich zu einem Industriestandard entwickelt, der verschiedene internationale Auszeichnungen und Vergleichstests gewonnen hat“, heißt es in der VW-Mitteilung zum Beispiel. In Nordamerika habe die Marke im ersten Quartal starke Verkäufe mit einem Wachstum von 27,5 Prozent verzeichnet, angetrieben vom SUV-Segment. Volkswagen of America: „Wir setzen weiterhin auf Elektromobilität – in diesem Jahr haben wir die Reichweite und Leistung unseres vollelektrischen ID.4 SUV verbessert, und wir freuen uns, den legendären Microbus mit der Ankunft des ID. Buzz 2025 im vierten Quartal wieder in unserem Sortiment begrüßen zu dürfen.

Was wird in Nordamerika eigentlich gemacht?

Dass der ID.4 in Nordamerika gut läuft, ist eine gute Nachricht. Schließlich wird der ID.4 auch in Emden montiert. Emden hat von dem Erfolg in den USA und Kanada allerdings nichts, da der Geländewagen für den nordamerikanischen Markt in den USA gebaut wird.

Volkswagen of America ist nach eigener Darstellung eine operative Einheit der Volkswagen Group of America, einer Tochtergesellschaft der Volkswagen AG. Volkswagen of America mit Hauptsitz in Reston, Virginia, vertreibt die Fahrzeuge Arteon, Atlas, Atlas Cross Sport, Golf GTI, Golf R, ID.4, Jetta, Jetta GLI, Taos und Tiguan über mehr als 600 US-Händler. Die Volkswagen Group of America betreibt zudem in Chattanooga, Tennessee, ein Montagewerk, in dem Fahrzeuge der Marke Volkswagen wie der Atlas, der Atlas Cross Sport und der ID.4 hergestellt werden.

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