Erneuerbare Energie  Bekommt die Krummhörn doch noch einen Solarpark?

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 26.05.2024 07:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Größere Solarparks werden in der Krummhörn nicht enstehen, es gibt keine ausreichenden geeigneten Flächen. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Größere Solarparks werden in der Krummhörn nicht enstehen, es gibt keine ausreichenden geeigneten Flächen. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
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Windenergie spielt bereits eine große Rolle in der Krummhörn, für Photovoltaik ist aber kaum Platz. Investoren aus Leer zeigen nun Interesse an einem Solarpark auf der einzigen verfügbaren Fläche.

Krummhörn - Erneuerbare Energien sind und bleiben ein aktuelles Thema. Die Rohstoffknappheit nimmt zu, fossile Brennstoffe sollen nach Wünschen der Politik in Zukunft durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Auch in der Krummhörn setzen sich Politik und Verwaltung schon länger mit Windkraft und Photovoltaik-Anlagen auseinander.

Etwa 130 Windräder stehen bereits in der Krummhörn, die Windkraft spielt eine bedeutende Rolle. Doch auch die Photovoltaik-Technik könnte einen großen Beitrag zum Fortschritt der erneuerbaren Energien in der Region leisten. Das Problem: In der Krummhörn gibt es kaum geeignete Flächen für den Aufbau sogenannter Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen (FFPV).

FFPV-Anlage würde Vogelschutzgebiet nicht im Weg stehen

Bei einer Sitzung des Umwelt- und Klimaausschusses in Pewsum Anfang März wurde durch die Firma Thalen Consult eine Potenzialanalyse für Freiflächenphotovoltaik vorgestellt. Sie hatten im Auftrag der Gemeinde ermittelt, auf welchen Flächen im Gemeindegebiet solche PV-Anlagen entstehen könnten. Doch diese Studie hatte ergeben, dass unter Beachtung aller Kriterien lediglich eine Fläche in der Nähe von Rysum möglicherweise als „optionale Fläche“ für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in der Gemeinde in Frage käme.

Und für diese Fläche wollen Investoren der Firma Terravent aus Leer im Umwelt- und Klimaausschuss am 29. Mai 2024 ihre Pläne vorstellen. Diese Unterlagen sind auf der Internetseite der Gemeinde Krummhörn bereits abrufbereit und zeigen die Möglichkeiten auf, die für die etwa 30 Hektar große Potenzialfläche in der Nähe der Siedlung Rysum in Betracht kämen. Laut den Plänen der Firma sei es zum Beispiel möglich, eine rund 25 Hektar große Fläche auf diesem Gebiet zur Planung einer FFPV-Anlage zu nutzen. Diese Planung würde auch dem umliegenden Landschaftsschutzgebiet (LSG) Krummhörn grundsätzlich nicht im Weg stehen, heißt es. Dieses LSG dient dem Schutz verschiedener Vogelarten. Dennoch wäre ein Gutachten zur Verträglichkeit der Photovoltaik-Anlage und des LSG notwendig, sagt Terravent.

Einnahmen durch Steuer und Bürgerbeteiligung möglich

Eine solche Anlage würde viele Vorteile für die Gemeinde und ihre Bewohner bringen, heißt es in den Plänen. So könnte die Gemeinde Pachtbeträge resultierend aus der Flächenpacht einnehmen. Zudem würde auch die Gewerbesteuer, die jährlich ab dem zweiten Vollbetriebsjahr anfallen würde, die Gemeindekasse auffüllen. Die Akzeptanzabgabe würde sich ab Inbetriebnahme auf 0,3 Cent pro Kilowattstunde belaufen, was zu zusätzlichen Einnahmen führt. Außerdem soll es auch Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger geben.

Dass es in der gesamten Krummhörn nur eine einzige „optionale Fläche“ für solche FFPV-Anlagen gibt, liegt vor allen an den Kriterien, die eine Fläche als solche ausweisen. Besonders die Landwirtschaft spielt dabei eine wichtige Rolle, denn landwirtschaftlich wertvolle Gebiete kommen nicht für den Bau von Freiland-PV in Frage. Das wurde bereits bei der Vorstellung der Potenzialanalyse Anfang März deutlich. Denn im Gegensatz zu Windkraftanlagen, die sich hoch über der Erde erheben, werden PV-Module nur in einem geringen Abstand zum Boden angebracht. „Konventionelle Landwirtschaft ist dann nicht mehr möglich“, sagte damals Gerke Galts von Thalen Consult bei der Vorstellung der Analyse. „Höchstens kleinere Tiere, wie Schafe, Hühner oder Puten könnten noch unter und zwischen den Modulen umherlaufen.“

Landwirtschaft ist wichtiges Kriterium bei Flächennutzung

Zudem ist auch die Bodenzahl von großer Bedeutung. Diese bestimmt die Ertragsfähigkeit der Böden. Je höher die Bodenzahl, desto wertvoller ist der Boden für die Landwirtschaft. Bei einer Bodenzahl unter 50 kann davon ausgegangen werden, dass der betreffende Boden keinen großen Mehrwert für die Landwirtschaft hat. In der Gemeinde Krummhörn gibt es solche Flächen allerdings nicht.

Wenn man sich ganz streng an diese Regeln halte, dann gäbe es in der gesamten Krummhörn keine geeigneten Flächen, die für den Ausbau von Freiland-PV in Frage kämen, hieß es von Thalen Consult. Die mögliche Fläche in der Nähe von Rysum käme nur dann in Betracht, wenn man kleine Abstriche bei den Kriterien in Kauf nimmt. Die Bodenzahl ist dort höher als 50, aber nur in unwesentlichem Maße. Galts erklärte zudem, dass das Kriterium der Bodenzahl lediglich eine Richtlinie für die Planung von FFPV-Anlagen sei, aber kein Ausschlusskriterium.

Solarpark ist eine Umsetzungsmöglichkeit

Die Ideen der Investoren, die nun vorgestellt werden, seien aber keineswegs feste Pläne für die Fläche, heißt es von der Krummhörner Verwaltung. „Die kommende Präsentation dient der Konkretisierung und Vertiefung der bereits beschlossenen Ergebnisse und soll den Ausschussmitgliedern und der Öffentlichkeit detailliertere Einblicke in die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten bieten“, so Gemeindesprecher Oliver Janssen auf Nachfrage dieser Zeitung. „Ziel der Präsentation ist es insbesondere, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für die Freiflächenphotovoltaik auf der identifizierten Fläche nahe Rysum darzustellen und weitere Schritte zu diskutieren.“

In der Nachbargemeinde Hinte hingegen beschloss der Rat bereits erste Schritte, um einen 25 Hektar großen Solarpark nahe der Autobahnausfahrt Pewsum entstehen zu lassen. Dort soll ein neues kombiniertes Gewerbegebiet mit anschließender Freiland-PV gebaut werden, der Rat stimmte bereits der Änderung des Flächennutzungsplanes zu.

Die Investmentfirma Terravent GmbH aus Leer ist laut ihrer Internetseite bereits seit über 20 Jahren in den Bereichen Energie, Immobilien und Schifffahrt aktiv. Weiter heißt es, das Unternehmen „bleibt bis heute den erneuerbare Energien treu, wobei sich der Fokus auf die Entwicklung von großen Photovoltaikparks auf Freiflächen verlagert hat.“

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