Unterwegs mit dem BVO  „Achtung, Kontrolle“ auf Ostfrieslands Kanälen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 21.05.2024 09:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Holger Flick ist Fischereiaufseher. Am Pfingstwochenende waren er und seine Kolleginnen und Kollegen auf ostfriesischen Gewässern unterwegs. Foto: Hock
Holger Flick ist Fischereiaufseher. Am Pfingstwochenende waren er und seine Kolleginnen und Kollegen auf ostfriesischen Gewässern unterwegs. Foto: Hock
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Am Pfingstwochenende waren über 30 Fischereiaufseher des Bezirksfischereiverbands Ostfriesland auf den Gewässern unterwegs. Wir haben zwei von ihnen bei der Kontrolle begleitet.

Emden/Hinte - Der Angler am Ufer regt sich auf. Sehr. Der Grund: die Fischereiaufsicht. Der Mann regt sich nicht auf, weil Holger Flick und Wilfried Heisig vom Bezirksfischereiverband für Ostfriesland (BVO) ihn beim Schwarzangeln erwischt haben, sondern weil die beiden aus Versehen fast über die Schnüre des Anglers gefahren wären. Aber nur fast, dennoch flucht der Mann lautstark vor sich hin. „Läuft nicht so, was?“, fragt Holger Flick. „Ne!“, kommt die Antwort. „Hab‘ ich mir gedacht“, kommentiert Flick. Ein paar Minuten später geht es weiter und der grummelnde Angler bleibt allein zurück.

Am Pfingstwochenende waren etwas mehr als 30 Fischereiaufseher des BVO auf den Gewässern Ostfrieslands, die vom Verband betreut werden, unterwegs. Ihr Ziel: Präsenz zeigen und mögliche Wildfischer erwischen. „Es geht aber nicht darum, möglichst viele Ordnungsgelder zu schreiben“, sagt Holger Flick. Der 43-Jährige gehört zum Geschäftsführenden Vorstand des BVO, ist zudem unter anderem noch Fischereiaufseher, und heute mit Wilfried Heisig im Boot auf den Kanälen und Tiefs unterwegs. Um 8.30 Uhr sind beide zusammen mit dieser Zeitung in Loppersum gestartet.

Nicht nur Menschen stehen im Fokus

Angeln darf in Deutschland nur, wer die Fischerprüfung erfolgreich abgelegt hat, einen „Angelschein“, eigentlich: Fischereischein, hat und entweder Mitglied in einem Verein wie dem BVO ist oder eine Gastkarte für das jeweilige Gewässer hat. Die Fischereiaufsicht ist regelmäßig unterwegs – und manchmal auch in konzertierten Aktionen wie der vom Wochenende. Kontrolliert wird jeder Angler, egal ob Verbandsmitglied oder nicht.

Doch es geht nicht nur um die Kontrolle von Personen. Während Holger Flick das Boot steuert, schaut Wilfried Heisig nicht nur nach Anglern, sondern auch ganz genau auf die Uferbereiche. „Wir schauen auch nach Dingen, die nicht ins Wasser gehören, wie Reusen oder Aalkörbe“, so Heisig. Sprich: Fanggeräte, die nicht zugelassen sind. Dazu gehören auch sogenannte Setzangeln, die unbeaufsichtigt gelassen werden.

Corona sorgte für einen Angel-Boom

Von Loppersum aus führt der Weg zunächst in Richtung Kleines Meer, vorbei an Wohn- und Ferienhäusern. Die Sonne scheint, nach ein paar Minuten Fahrt kommen die ersten ausgeworfenen Angelruten in den Blick. Ein Pärchen angelt vom Garten eines Ferienhauses aus. „Es ist das erste Wochenende nach der Raubfischschonzeit“, sagt Holger Flick. Hecht, Zander und Barsch sind es jetzt vor allem, was die Angler fangen wollen. „Aber es ist kein gutes Raubfischwetter“, sagt der Fischereiaufseher.

Auf dem Boot waren Wilfried Heisig (links) und Holger Flick unterwegs. Los ging es in Loppersum. Foto: Hock
Auf dem Boot waren Wilfried Heisig (links) und Holger Flick unterwegs. Los ging es in Loppersum. Foto: Hock

Das dachten sich wohl auch viele Angler, denn viel ist zunächst entlang der Strecke nicht los. Dabei hat das Angeln als Hobby während Corona einen deutlichen Aufschwung erlebt, so Holger Flick. „Wir haben deutlich an Mitgliedern gewonnen in der Zeit.“ Der BVO zählt rund 11.800 Mitglieder. Allerdings sei auch die Zahl der Schwarzangler gestiegen.

„Die ballern über die Schnüre und reißen sie ab“

Holger Flick und Wilfried Heisig kennen ihre Gewässer. „Da vorne in der Kurve, da liegen oft Boote“, prophezeit Heisig – und sollte Recht behalten. Rolf Adden hatte hier seine Ruten ausgeworfen. Der 62-jährige Rentner fischt seit 40 Jahren in den hiesigen Gewässern. Er mag die Ruhe, aber die Bootfahrer, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, die nerven ihn. „Auch letzte Nacht sind die hier wieder vorbeigerast, die ballern über die Schnüre und reißen sie ab.“

Auch Rolf Adden wurde kontrolliert. Foto: Hock
Auch Rolf Adden wurde kontrolliert. Foto: Hock

Die Sonne scheint, die Fahrt geht weiter. Die Papiere von Adden waren in Ordnung. Auch die nächsten Kontrollen verlaufen ohne besondere Vorkommnisse, alle sind Mitglieder des BVO. „Das freut uns natürlich, wenn alles in Ordnung ist“, sagt Holger Flick. Doch auch eine Vereinsmitgliedschaft schützt nicht vor Strafe, der Verband kann Ordnungsgelder bis maximal 50 Euro verhängen. Zum Beispiel, wenn die Papiere nicht in Ordnung sind, wenn zu viele Angeln gleichzeitig im Einsatz sind oder wenn die Ausrüstung nicht vollständig ist.

Ordnungsgeld wegen lebender Köderfische

Das ist später bei einem jungen Mann der Fall. Er angelt auf Köderfische, weil er am Abend nochmal los will. Doch statt die Köderfische wie vorgeschrieben sofort zu töten, hat er sie nach dem Fang lebend in einem Eimer neben sich stehen – und auch kein Messer dabei. Das wird Post vom BVO geben. Wie hoch das Ordnungsgeld ist, das kann Holger Flick nicht sagen. Das hängt auch davon ab, ob der junge Mann schon einmal ein Ordnungsgeld bekommen hat oder nicht.

Hat keine Kontrolle zu befürchten, haute aber trotzdem ab: ein Fischreiher. Foto: Hock
Hat keine Kontrolle zu befürchten, haute aber trotzdem ab: ein Fischreiher. Foto: Hock

Es sind vor allem kleinere Vergehen wie diese, die die Fischereiaufseher registrieren. Klassische Schwarzangler gibt es nur einmal an diesem Tag. Von Loppersum über das Kleine und Große Meer geht es nach Emden, durch den Stadtwald und vorbei an der Kunsthalle.

Ein bekanntes Boot sorgt für Aufregung

Dann kommt etwas Aufregung auf: Andere Fischereiaufseher haben ein Boot gesichtet, auf dem vor ein paar Tagen Jugendliche vor einer Kontrolle abgehauen sind. Holger Flick und Wilfried Heisig wollten eigentlich gerade wieder Richtung Loppersum, stattdessen geht es jetzt Richtung Constantia. Dort treffen sie mit zwei Kollegen zusammen – und drei jungen Männern, von denen einer das eindeutig identifizierte Boot steuert. Ob einer von ihnen sich der Kontrolle entzogen hatte, ist nicht eindeutig zu belegen. Im Gespräch mit den jungen Männern stellt sich heraus, dass das Boot gefühlt von einem Dutzend Leute benutzt wird. Es bleibt bei ermahnenden Worten und der Bitte, diese auch an die anderen potenziellen Bootsführer weiterzugeben.

Beim Verlassen von Constantia kommt den Fischereiaufsehern ein Pärchen in einem Paddelboot entgegen. Mit an Bord: eine Taube. „Die ist im Boot gelandet und ihr gefällt es offenbar“, kommentiert der junge Mann. Dann Rückweg über das Larrelter Tief Richtung Loppersum, es ist mittlerweile nach 12 Uhr und immer mehr Fischer sind unterwegs. War die Fahrt bislang recht kontinuierlich, wird es jetzt eher ein Stop-and-Go. Die meiste Arbeit hat Wilfried Heisig, denn er nimmt meistens den Weg ans Ufer auf sich. Raus aus dem Boot, die Böschung hoch, Kontrolle, Böschung wieder runter, rein ins Boot und weiter.

Kurz vor Ende der Kontrollfahrt dann der grummelnde und fluchende Angler. „Das ist die Ausnahme“, sagt Holger Flick danach. „Aber auch das kommt vor.“

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