Hannover Besonders geeignet für den Urlaub: Das können eSIM-Karten
Fast alle Provider bieten alternativ zum Plastikkärtchen auch eSIMs an. Dual-SIM-Geräte lassen sich sogar mit zwei eSIMs betreiben. Das sind die Unterschiede der eSIM zur klassischen kleinen Karte.
Für die Anwender sind eSIMs auf den ersten Blick ein Gewinn. Kein Fummeln mit winzigen Modulen, keine Suche nach der Schublade, keine verlegten SIM-Karten mehr. Die Gerätehersteller sparen sich eine Öffnung am Gerät, das kaum wasserdicht zu bekommen ist, deren Schublade für mechanische Schäden anfällig ist und beim Produzieren die Kosten erhöht. Die Mobilfunkanbieter wiederum können ihre Kunden schneller und günstiger mit SIM-Karten versorgen, ohne dass Sie als Nutzer mehrtägige Laufzeiten per Post einplanen oder ein Ladenlokal aufsuchen müssen.
Sie dürfen sich über niedrigere Preise durch den geringeren Aufwand freuen und damit rechnen, dass Sie künftig einen online abgeschlossenen neuen Mobilfunkvertrag innerhalb von Minuten nutzen können. Schwieriger wird es aber für Kunden, die ihre SIM-Karte häufig zwischen Geräten wechseln. Unsere Recherchen zeigen, dass einige eSIM-Provider noch nicht so richtig darauf eingestellt sind.
Wenn Ihr Gerät eSIM-fähig ist, können Sie eine vorhandene physische SIM-Karte durch eine eSIM ersetzen oder neue SIMs gleich als eSIM bestellen und installieren. Dazu benötigen Sie von Ihrem Provider ein sogenanntes eSIM-Profil. Das stellt er Ihnen allerdings nicht direkt zur Verfügung, sondern nur einen Link darauf, in aller Regel als QR-Code zum Einlesen mit der Smartphonekamera. Dieser Code enthält die URL eines Downloadservers und eine Identifizierungsnummer.
Diese Daten kann man auch manuell eingeben, aber das ist mühsam und fehleranfällig, denn die Codes haben viele Zeichen. Ein QR-Code ist nicht zwingend das Starttor zum Profil, grundsätzlich lässt sich der Downloadlink für das Profil auch von einer App des Mobilfunkanbieters an das Betriebssystem des Smartphones übergeben. Der Klötzchencode hat sich aber als Standard durchgesetzt, weil er universell verwendbar ist und sich auch als Ausdruck per Briefpost versenden lässt.
Ob die neue SIM-Karte nun auf einem physischen Träger oder virtuell als eSIM kommt, spielt für die Logikschaltkreise dahinter keine Rolle, der Dateninhalt der SIM ist der gleiche. Der Anwender kann eine für ihn erstellte eSIM herunterladen, installieren und sofort in Betrieb nehmen. Bei vielen Anbietern muss man sie anschließend noch aktivieren und unter Umständen das Gerät neu starten, damit das Betriebssystem den Status der SIM neu abfragt.
Umdenken muss man beim Gerätewechsel: Zwar lässt sich eine eSIM von einem Gerät auf ein anderes übertragen, aber nur, wenn der Provider mitspielt und wenn beide Geräte das gleiche Betriebssystem haben und diese Übergabe unterstützen. Ist das nicht so, müssen Sie für ein neues Gerät eine neue eSIM anfordern. Das ist aktuell noch der Standardfall.
Bei den meisten Providern können Sie einen eSIM-Code nur einmal verwenden. Sobald die eSIM heruntergeladen wurde, auf die er verweist, ist er verbraucht. Benötigt man einen neuen Download, muss man eine neue eSIM erstellen lassen. Auch diese ist dann wieder genau einmal herunterladbar. eSIM-Profile stellen die meisten Provider kostenfrei bereit, sparen sie sich dadurch doch das Handling physischer SIM-Karten. Erstellt werden neue Profile auf Anforderung sofort, je nach Provider kann das aber auch einige Minuten dauern, das tagelange Warten auf die Post ist damit Vergangenheit.
Bei den Providern ist die eSIM noch nicht überall die allererste Wahl. Viele schicken bei Neuabschlüssen weiterhin erst einmal eine physische SIM an den Kunden, vermutlich weil sie damit die Richtigkeit der Anschrift prüfen können. Auch das eSIM-Profil für die Erstinstallation kommt mitunter als QR-Code per Briefpost. Bei Prepaidkarten gibt es die eSIM bei vielen Angeboten nur nachträglich im Tausch gegen die physische SIM.
Vodafone nutzt die neuen Möglichkeiten indessen konsequent: Dort kann man für das Prepaidangebot CallYa eine kostenlose eSIM online bestellen, wenige Minuten später herunterladen und mit dem elektronischen Ausweis (eID) direkt am Smartphone freischalten. Beim vergleichbaren kostenlosen Prepaidprodukt von O2 muss man fünf bis sechs Werktage warten, bevor man eine physische SIM-Karte auf dem Postweg erhält, die man dann in eine eSIM umtauschen kann.
eSIMs lassen sich jederzeit löschen. Das ist nur ratsam, wenn der Provider bereits eine neuere eSIM bereitgestellt und aktiviert hat, der Vertrag zur Karte nicht mehr besteht oder das Gerät, auf dem die eSIM gespeichert ist, an einen Dritten weitergegeben werden soll, der keinen Zugriff auf die Karte haben darf. Auf keinen Fall sollte man das vorschnell tun: Oft muss man auf der alten Karte als letzte Aktion einen Sicherheitscode per SMS entgegennehmen, mit dem sich die neue eSIM aktivieren lässt. Ist die alte Karte bereits gelöscht, bekommen Sie eine neue Karte oder einen neuen QR-Code dann in vielen Fällen nur noch über den Postweg.
Unbefugten Zugriff auf die eSIM kann man auch anders verhindern: Wie physische SIM-Karten sind eSIMs mit einer PIN geschützt, die man nur dreimal falsch eingeben darf. Danach muss die Karte mit einem acht- bis zehnstelligen PUK (Personal Unblocking Key) entsperrt werden, was das Setzen einer neuen PIN ermöglicht. Spätestens die zehnmalige Falscheingabe eines PUK führt auch bei einer eSIM zur endgültigen Sperrung des Profils. In diesem Fall können Sie die eSIM löschen und müssen sich ein neues Profil besorgen. Anders als bei physischen PINs ist die PIN-Sperre bei der eSIM normalerweise deaktiviert. Um sie zu aktivieren, muss man die PIN allerdings kennen.
Da die eSIM fest mit dem Gerät verbunden ist, bringt die Eingabe der PIN in den meisten Fällen kaum zusätzliche Sicherheit. Geschützt wird der Zugriff auf die eSIM ja schon über die PIN des Geräts oder biometrische Zugangsdaten. Ein Angreifer, der diese Sicherheitsbarriere überwindet, hat bei einem bereits eingeschalteten Gerät ohnehin Zugriff auf die SIM-Karten.
Eine physische SIM müssen Sie erst mal ins Gerät einlegen. Dagegen kann eine eSIM einfach im Menü aktiviert und deaktiviert werden. Das Profil einer deaktivierten eSIM schlummert im Speicher, bis es wieder aktiviert wird. In einem eSIM-fähigen Gerät lassen sich vielfach zehn oder mehr Profile ablegen.
Für viele Urlaubsländer der EU können Sie wie gewohnt günstig mit ihrem Vertrag telefonieren. Außerhalb der EU können Sie eSIMs erwerben. Die müssen Sie nicht unbedingt in Mobilfunkläden am Urlaubsort installieren. Bei Anbietern wie Airalo oder Holafly kann man bereits in Deutschland einen günstigen Tarif fürs Urlaubsland buchen und die eSIM schon vor dem Start der Reise herunterladen.
Einige Geräte der Oberklasse, namentlich das iPhone ab Modellreihe 12 und das Google Pixel ab Modellreihe 7, besitzen inzwischen sogar zwei gleichzeitig nutzbare eSIM-Profile und zusätzlich noch einen Einschub für eine physische Karte. Dual-SIM-Betrieb ist sowohl mit einer physischen und einer eSIM als auch mit zwei eSIMs möglich.
Genau wie die beiden eSIMs lässt sich eine eingelegte physische SIM über das Menü des Smartphones aktivieren und deaktivieren. Unter Android 14 findet man den Menüpunkt unter „Einstellungen/Netzwerk und Internet/SIM-Karten“; unter iOS unter „Einstellungen/Mobilfunk/Mobilfunk konfigurieren“. Die erste und zweite Karte kann man dabei jederzeit ein- und ausschalten.
Sobald man versucht, eine dritte Karte zu aktivieren, zwingen sowohl Android als auch iOS den Nutzer dazu, dafür eine der bereits aktivierten Karten zu deaktivieren, also in den Ruhezustand zu versetzen, denn die Betriebssysteme können nur mit zwei SIMs gleichzeitig umgehen.
Entwickler von Wearables wie Smartwatches nutzten schon immer die eSIM, schon aus mechanischen Gründen. Eine physische SIM würde die Geräte klobig machen. Da nur wenige eine eigene Kamera haben und Eingaben bestenfalls rudimentär zulassen, installiert man eine eSIM üblicherweise über das damit gekoppelte Smartphone. Dabei muss man nicht auf teure Verträge mit Multi-SIM-Option zurückgreifen, sondern kann auch günstige Prepaidverträge einsetzen.
Apple hat hier allerdings einen Sonderweg beschritten: Auf der Apple Watch lassen sich eSIMs nur einrichten, wenn der Mobilfunkprovider des mit der Watch gekoppelten iPhones das unterstützt. Die Apple Watch lässt sich deshalb nicht mit einer preiswerten SIM-Karte betreiben, sondern nur mit einem Multi-SIM-Gespann, das in Deutschland exklusiv in Laufzeittarifen erhältlich ist.
eSIMs lassen sich schnell herunterladen und installieren, sie machen den schnellen Wechsel für Sie als Kunden flexibler und drücken durch das leichtere Handling und den geringeren mechanischen Aufwand die Kosten für Hardware und Verträge. Nachteile hat nur, wer seine SIM-Karten häufig zwischen Geräten wechseln will; das geht mit physischen Karten tatsächlich einfacher. Auf lange Sicht wird die eSIM der Standard werden und sie bietet dem Anwender viel Komfort.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Heise Online in Hannover.