Akkermanns Ansichten  Hamburg wird Braun-Weiß

| 16.05.2024 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Der FC St. Pauli ist nach vielen Jahren wieder in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Dabei blickt der Kultklub aus Hamburg auf eine bewegte Vergangenheit zurück.

Die Anhänger des HSV müssen dieser Tage mental sehr stark sein. Das erste Mal seit der Saison 1953/54 steht der FC St. Pauli in der Abschlusstabelle vor ihnen und wird in der kommenden Spielzeit eine Liga höher beheimatet sein. Für die Anhänger des FC St. Pauli endet eine lange Leidenszeit.

Am 24. Juni 1987 war ich erstmals Teil davon. Das damalige Relegationsspiel war letztlich nicht von Erfolg gekrönt und das Spielniveau bescheiden. Dennoch hallte noch lange nach Abpfiff das „Saankt Pauliii“ der Supporter durch das Millerntor. Hier war ich richtig! Hätte ich damals schon gewusst, was für eine Chronologie tragischen Scheiterns vor mir lag, hätte ich es mir aus gesundheitlichen Gründen vielleicht anders überlegt.

Ausgerechnet der „Klassenfeind“ hilft

Was ich damals schon hätte wissen können, war, dass die Braun-Weißen im Jahr 1952 Mediengeschichte schrieben. Das erste im deutschen Fernsehen live übertragene Fußballspiel fand am Hamburger Millerntor statt. Es ging selbstredend verloren. Wegen der Vorbereitung auf das „Wunder von Bern“ durfte St. Pauli 1954 als Oberligazweiter nicht an der Endrunde der deutschen Meisterschaft teilnehmen. In der Folge erwarb sich der Verein den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft zwischen den Ligen und machte durch finanzielle Wagnisse von sich reden: Lizenzentzug, Zwangsabstieg, Nicht-Aufstieg wegen einer Ligareform und Abstieg aus der 1. Bundesliga nach drei Relegationsspielen belegen das. 2003 stand St. Pauli erneut vor dem Ruin. Nur der Kreativität der Vereinsführung, der Fanbasis und ausgerechnet der Hilfe des „Klassenfeindes“ Bayern München ist es zu verdanken, dass auf dem Kiez noch immer Profifußball gespielt wird.

Die weitere Konsolidierung gelang 2005/2006 als man als Drittligist bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vordrang. Seit Ende der 80er Jahre, als Hausbesetzer der Hafenstraße ihr Herz für den Fußball entdeckten, entwickelte sich das, wofür der Verein bis heute steht: Weltoffenheit, Toleranz und Antifaschismus. Eigentlich hanseatische Tugenden, die sowohl unter Anhängern als auch Gegnern den Mythos des linken Fußballvereins begründeten.

Pauli und HSV brauchen einander

Ich hatte insgeheim gehofft, der HSV würde mit aufsteigen. Denn im Grunde brauchen wir einander wie der Himmel die Hölle, der Kommissar Thiel seinen Boerne oder Beist Mehlpütt den Sirup. Jedenfalls ich werde das rustikale Stadtderby in der kommenden Saison vermissen.

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