Hamburg Gute alte Floppy Disks: Hier sind Disketten noch immer im Einsatz
Vor mehr als 50 Jahren kam die erste Diskette auf den Markt. In den 80er Jahren wurde sie allgegenwärtig – dann übernahmen die CD, der USB-Stick und schließlich die Cloud. Doch noch immer werden Floppy Disks verwendet. Das ist der Grund.
Die jüngeren Generationen kennen sie wohl nur noch als Speicher-Symbol auf ihrem Computer: die Diskette. In den 80er und 90er Jahren noch allgegenwärtig, ist sie heute längst von den Schreibtischen verschwunden – sollte man meinen. Seit 2011 werden die 3,5 Zoll-Disketten nicht einmal mehr produziert. Doch in einigen Bereichen und Branchen wird noch immer mit Floppy Disk gearbeitet.
Was in Deutschland das Faxgerät ist, war in Japan bisher die Diskette. Ausgerechnet im High-Tech-Land war die Nutzung der Floppy Disc lange noch gängige Praxis. So hat es 2022 in japanischen Amtsstuben laut Digitalminister Taro Kono noch 1900 Prozesse gegeben, bei denen Firmen oder Bürger Dokumente auf Disketten, CD-Roms oder Minidiscs einreichen mussten. In einem Tweet erklärte er dem Uralt-Speichermedium schließlich den Krieg. Mittlerweile akzeptieren Behörden auch USB-Sticks und andere externe Datenträger.
Aber auch andernorts schwören selbst Hightech-Branchen auf den Datenträger des vergangenen Jahrhunderts. Vor allem in der Industrie – der Stickereibranche, dem Werkzeugbau und der Luftfahrt – kommen Disketten immer noch in Geräten zum Einsatz, die vor der Jahrtausendwende gebaut wurden.
Tom Persky betreibt eine eigene Website, über die er alte Disketten verkauft und recycelt. In dem Buch „Floppy Disk Fever: The Curious Afterlives of a Flexible Medium“ von Niek Hilkmann und Thomas Walskaar Glauben gibt er Einblicke in sein Geschäft – und seine Kunden. Die meisten alten Datenträger verkaufe er an Airlines, heißt es dort.
So wird beispielsweise Boeings Großraumflugzeug 747 noch mit Disketten versorgt, wie ein Video der Cyber-Sicherheitsfirma Pen Test Partners aus dem Jahr 2020 zeigt. Bis zum Erstflug der A380 vom Konkurrenten Airbus war es das größte Passagierflugzeug der Welt. Die Floppy Disks werden als Schnittstelle genutzt, um alle vier Wochen notwendige Daten zu aktualisieren. Das können beispielsweise Informationen über Einflugschneisen, Flughäfen oder Flugpläne sein. Ende Juli 2020 verkündete Boeing das Produktions-Aus des legendären Jumbo-Jets. Auch an den Flughäfen ist sie immer seltener anzutreffen. Auf einigen Strecken kann man aber noch immer Boeing 747 fliegen.
Auch im Medizinbereich kämen nach wie vor Floppy-Disks zum Einsatz, berichtet Persky. Der dritte große Kundensektor seien Nostalgiker, Hobbybastler und Künstler.
Selbst die Steuerung von Atomwaffen erfolgte in den USA bis vor ein paar Jahren noch per Diskette. Die dafür eingesetzten Computer stammen aus den 1970er-Jahren. Mittlerweile setzen die USA aber auf eine digitale Lösung.