Veranstaltung in Schortens  AfD im Wahlkampf – Nazis-Raus-Rufe und Pfefferspray

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 11.05.2024 21:20 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Schortens wurde am Samstag demonstriert. Foto: Oltmanns
In Schortens wurde am Samstag demonstriert. Foto: Oltmanns
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Rund 250 Menschen haben am Samstag gegen eine AfD-Veranstaltung in Schortens demonstriert. Die AfD-Redner selbst widmeten sich vor allem den Migranten. Und sie hatten einen Vorschlag.

Schortens - Vielleicht war es das sommerliche Wetter, vielleicht auch interessantere Alternativen – die Veranstaltung der AfD am Sonnabend in Schortens (Friesland) zog deutlich weniger Menschen an als noch im Februar; und zwar sowohl bei den Gegnern als auch bei den Anhängern der Partei. Beim sogenannten „Martinstag“ der AfD im Bürgerhaus blieben am Abend etliche Plätze leer, rund 110 Besucher waren der Einladung gefolgt.

Jonas Evers von der Gruppierung Fridays for Future organisierte die Gegendemo. Foto: Oltmanns
Jonas Evers von der Gruppierung Fridays for Future organisierte die Gegendemo. Foto: Oltmanns

Vor dem Bürgerhaus versammelten sich nach Schätzungen der Polizei gut 250 Menschen, etwa ein Viertel der Menge, die hier im Februar gegen die AfD demonstriert hatte. Zwischen Reden und Musik waren immer wieder „Nazis raus“-Rufe zu hören. „Wir wollen die Hetze im Bürgerhaus nicht unkommentiert lassen“, erklärte Jonas Evers aus Jever. Er gehört zur „Fridays-for-Future“-Bewegung, die die Gegendemonstration angemeldet hat.

Die AfD

Der AfD-Abend in Schortens fällt in die heiße Wahlkampfphase zur Europawahl am 9. Juni. Erste Rednerin war denn auch Anja Arndt, Vorsitzende des Kreisverbands Ostfriesland, sie steht auf Listenplatz 13 der AfD für die Europawahl. Im Zentrum ihrer Rede ging es um den Umgang mit Migranten. Sie sprach von Asylchaos, von zu vielen illegalen Einwanderern und sie forderte eine Lösung, die Erinnerungen an den ersten Wahlkampf des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump hervorrief: Eine Art Mauer an den Grenzen. „Wir fordern ein, dass die gesamte europäische Außengrenze gesichert wird, und zwar mit physischen Barrieren, mit einem riesigen Grenzzaun“, so Arndt. Die Bewachung der Grenze solle mit moderner Technik unterstützt werden.

Anja Arndt vom AfD-Kreisverband Ostfriesland beim Wahlkampf in Schortens. Sie kandidiert für das EU-Parlament. Foto: Oltmanns
Anja Arndt vom AfD-Kreisverband Ostfriesland beim Wahlkampf in Schortens. Sie kandidiert für das EU-Parlament. Foto: Oltmanns

Eine der zentralen und populären Forderungen Trumps im Präsidentschaftswahlkampf 2016 war der Bau einer Mauer zur Grenze nach Mexiko, um die illegale Migration aus dem Nachbarland im Süden zu stoppen. Teile der Mauer wurden auch gebaut. Neben Arndt sprachen die beiden Bundestagsabgeordneten Martin Sichert und Martin Hess sowie der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Martin Vincentz. Wegen des gleichen Vornamens hatte die AfD Friesland zu diesem Abend als „Martinstag“ eingeladen.

Die Gegner

„Der Rechtsruck macht mir Sorgen“, erklärte Katharina Dietrich ihre Teilnahme an der Gegendemo draußen vor dem Bürgerhaus. Sie war aus Wilhelmshaven angereist. Nicht ihre einzige Kritik an der AfD: „Die tun so, als sei der Klimawandel ganz harmlos, dabei ist er sehr bedrohlich.“ Ein selbst gebasteltes Plakat mit einer entsprechenden Grafik hatte sie dabei. Unter den Demonstranten waren auch auffällig viele junge Leute. So wie die 21-jährige Mia Evers aus Jever: „Es ist wichtig, Gesicht zu zeigen“, findet sie, „gerade in der Heimat, damit das hier nicht wieder ins Braune abdriftet.“

An dem Protest „Zusammen gegen Rechts“ beteiligten sich eine ganze Reihe von Gruppen und Organisationen. Neben Fridays for Future waren das Vertreter der Jugendorganisation der SPD (Jusos), ein anti-faschistisches Netzwerk sowie mehrere Gewerkschaften und Parteien. Am 7. Februar 2024 war das Bürgerhaus in Schortens sowie der Platz davor schon einmal Schauplatz einer AfD-Veranstaltung samt Gegendemo.

Nach Angaben der Polizei blieb es während der Demo an diesem Sonnabend ruhig, Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Am Eingang zum Bürgerhaus zeigte sich ein weniger harmloses Bild: Ein privater Sicherheitsdienst durchsuchte hier alle Besucher, die zur AfD wollten. In einer Schachtel auf dem Tisch war zu sehen, was so alles aus dem Verkehr gezogen wurde: Mehrere Dosen Pfefferspray, mehrere Messer und ein rostiger Schraubenzieher.

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