Gefahr für sich und andere Gefährliche Promille-Werte am Steuer – Anstieg in der Region
Die Statisitik der Polizei Leer/Emden zeigt: Wenn die Leute betrunken fahren, dann so richtig. Ein beunruhigender Trend.
Landkreis Leer - An Christi Himmelfahrt wurde auch in Ostfriesland traditionell der Vatertag gefeiert. Nicht selten ein Anlass, etwas tiefer ins Glas zu schauen. Wie die Polizei Leer/Emden mitteilte, hatten die Polizistinnen und Polizisten „an Himmelfahrt einiges zu tun. Neben den ‚normalen’ Einsätzen kam es insgesamt zu 65 Einsätzen im Zusammenhang mit dem Feiertag“.
Nicht nur Autofahrende gucken zu tief ins Glas
Dass Radler sich durch ihren Alkoholkonsum in Gefahr bringen, passiert nicht nur an Feiertagen. Insgesamt nahmen 2023 die Zahlen derer zu, die betrunken zu Schaden kamen – ob auf dem Fahrrad oder Pedelec. Das zeigte die Statistik, die kürzlich von Polizeioberrätin und der stellvertretenden Leiterin Frida Sander und dem Leiter Einsatz und Verkehr Günter Jelting für 2023 vorgestellt worden ist. Bei den Radfahrern ohne zusätzlichen Antrieb kam es 2023 26 Mal zu einem Unfall. Damit hat sich die Zahl knapp verdreifacht (2022: 9).
Immer mehr alkoholisierte Personen im Straßenverkehr
Schlimm genug, dass Radfahrende sich immer häufiger verletzen. Doch steigen alkoholisierte Personen im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden ebenfalls immer häufiger auch hinters Steuer ihres Autos und gefährden dabei andere. Die Zahlen sind alarmierend. „Es ist eine Entwicklung zu sehen. Die Trunkenheitsfahrten nehmen zu“, erklärte Jelting.
Eines vorweg: Die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle insgesamt ist im Vergleich zu 2022 gestiegen. So wurden im Jahr 2023 4302 Unfälle aufgenommen. Dies entspricht einer Steigerung von 6,96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutlich sei der Anstieg in Sachen Alkohol im Verkehr 2023, so Jelting. 2019 wurden noch 181 Personen betrunken am Steuer von der Polizei erwischt, 86 Unfälle wurden unter Alkoholeinfluss registriert. 2022 waren es mehr Fahrten 210, aber weniger Unfälle (66). 2023 kam dann der Anstieg: Es waren 241 Trunkenheitsfahrten und 115 Unfälle unter Alkoholeinfluss. „241, das ist schon eine Hausnummer“, so Günter Jelting. Seit dem letzten Quartal 2023 habe es einen geradezu sprunghaften Anstieg gegeben. „Es gibt vielschichtige Erklärungsversuche dafür“, sagt er. Der Anstieg sei im gesamten Bereich der Polizei Leer/Emden zu bemerken.
Scheinbar nicht nur in der Region ein Problem
Dieser sprunghafte Anstieg ist außergewöhnlich, aber generell liegt die Region im niedersächsischen Trend, was Alkohol am Steuer betrifft: „Im Jahr 2023 ist die Zahl der aufgrund einer Beeinflussung durch Alkohol oder andere berauschende Mittel im Straßenverkehr tödlich verunglückten Personen im Vergleich zum Vorjahr um drei Todesopfer gestiegen (25 Personen)“, schreibt das Niedersächsische Innenministerium.
Besonders krass: Die Promillewerte sind sehr hoch
Eine Sache, die der Polizei vor Ort allerdings besonders ins Auge stach: „Diejenigen, die bei Alkoholfahrten erwischt werden, weisen sehr hohe Promillewerte auf. Wir sprechen nicht über Personen, die knapp über den Grenzwerten liegen, nach einem Glas Wein zu viel. Sondern über Werte von mehr als 1,6 Promille. Höchstwerte liegen auch mal bei über drei“, erklärt Günter Jelting. Dabei rede man eben nicht mehr von den Folgen einer Feier. 2022 wurden 37 Personen mit 1,1 bis 1,59 Promille bei Kontrollen erwischt. 2023 waren es 52. 102 Personen hatten 2022 mehr als 1,6 Promille, noch mehr (110) waren es im Jahr 2023.
Warum es seit dem letzten Quartal 2023 solch einen krassen Anstieg gegeben habe, wisse man nicht genau. Aber man habe einen Plan, wie man damit umgehen will: „Wir haben und werden weiterhin den Fokus auf das Thema Fahrtüchtigkeit legen“, so Polizeioberrätin Frida Sander. Man verfolge eine Strategie: Dabei geht es zum einen um Kontrollen, aber auch um Prävention und Aufklärung. „Wir werden beispielsweise Schwerpunktkontrollen durchführen und uns an Stellen positionieren wie Discos beispielsweise“, so Jelting. Es gehe dabei darum, dass die Polizeipräsenz sichtbar werde. So versuche man auch diejenigen zu erreichen, die heimlich trinken und überlegen, noch zu fahren.