Flughafen Bremen  Nur 95 Minuten bis Wien

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 10.05.2024 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Austrian Airlines bietet jetzt auch ab Bremen Direktflüge nach Wien an. Foto: Koller/Imago Images
Austrian Airlines bietet jetzt auch ab Bremen Direktflüge nach Wien an. Foto: Koller/Imago Images
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Der Flughafen Bremen hat eine neue Strecke im Programm: einen Direktflug mit Austrian Airlines nach Wien. Lohnt sich das Angebot auch für Ostfriesen? Kosten, Reisezeit und Klimabilanz im Überblick.

Bremen - Wer aus Ostfriesland in die weite Welt reisen will, muss im Grunde nur bis zum Bremer Flughafen fahren. Von dort aus fliegt Austrian Airlines jetzt viermal pro Woche das internationale Flugdrehkreuz in Wien an. Bereits der Erstflug zu Beginn der Woche war komplett ausgebucht. Nach rund 95 Minuten landet man in Österreichs Hauptstadt – und kann natürlich auch bleiben. Vergangenes Jahr verzeichnete die Donaumetropole mehr als sieben Millionen Ankünfte und 17.261.000 Gästeübernachtungen.

Wann geht der Flug?

Der Direktflug Richtung Wien startete in Bremen jetzt zwar mit dem Sommerflugplan, das Angebot soll aber auch den Winter überdauern. Austrian Airlines sei „gekommen, um zu bleiben“, so formuliert es Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer von Bremen Airport. Die Airline, die Teil der Lufthansa-Gruppe ist, sei nicht in Bremen, „um die Strecke mal auszuprobieren“, sondern, weil man gemeinsam überzeugt sei, dass dieses Angebot auch gefragt ist. Jeweils montags, mittwochs, donnerstags und sonntags starten die rund 95-minütigen Verbindungen nach Wien. Die Flüge kann man ab etwa 200 Euro buchen.

Wie sieht die Klimabilanz aus?

Laut Daten des Umweltbundesamts, belastet eine Reise mit dem Flugzeug die Umwelt fast sechsmal stärker als die mit der Bahn. Auf einer Strecke von 1000 Kilometern werden durch die Bahn 36 Kilogramm CO2-Äquivalente erzeugt; mit dem Auto 139 Kilo und mit dem Flugzeug immerhin 201 Kilo Treibhausgas-Emissionen. „Unser ambitioniertes Ziel ist es, bis 2050 CO2 neutral zu fliegen und unsere Netto-CO2-Emissionen bis 2030 bereits zu halbieren“, betonte Michael Trestl, Vorstandsmitglied von Austrian Airlines. Man investiere in neue und treibstoffeffizientere Flugzeuge, arbeite an einer stetigen Optimierung des Flugbetriebs und setze vermehrt nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) ein. Zudem biete man besondere Tarife, sogenannte Green Fares. Bei diesen werden durch die Nutzung nachhaltiger Flugkraftstoffe 20 Prozent der individuell flugbezogenen CO2-Emissionen reduziert und durch einen Beitrag zu Klimaschutzprojekten die verbleibenden 80 Prozent der CO2-Emissionen im entsprechenden Umfang ausgeglichen – eine 20/80- Kombination aus Reduzieren und Kompensieren. Solche Tickets gibt es auch für die Flüge zwischen Bremen und Wien.

Vom Flughafen aus kann man übrigens mit dem Flughafen-Express, dem Cat (City Airport Train), Wien ganz schnell erreichen und hat dann Anschluss an Züge, die Städte in ganz Österreich anfahren.

Willkommen am Bremer Flughafen: Die Crew des ersten Austrian-Airlines-Fluges wurde von Flughafenchef Dr. Marc Cezanne (links) mit Blumen empfangen. Foto: Unterberg
Willkommen am Bremer Flughafen: Die Crew des ersten Austrian-Airlines-Fluges wurde von Flughafenchef Dr. Marc Cezanne (links) mit Blumen empfangen. Foto: Unterberg

Gibt es Alternativen zur Flugreise nach Wien?

Neben der Fahrt mit dem eigenen Auto nach Wien – eine Strecke von rund 1000 Kilometern ab Leer – gibt es auch die Möglichkeit, einen Fernbus oder den Zug zu nehmen. Ab Hamburg und Hannover fährt seit Dezember 2023 ein Nachtzug in die Donaumetropole, der Nightjet der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen). Tickets gibt es für Sitzplätze ab 29 Euro, für Schlafplätze ab rund 130 Euro, die Reisezeit beträgt 11 Stunden und 20 Minuten. Noch länger dauert die Fahrt mit dem Fernbus – rund 15 Stunden. Das Ticket kostet beispielsweise bei Flixbus für die Fahrt von Hamburg nach Wien ab rund 60 Euro.

Welche Ziele kann man ab Bremen noch erreichen?

Im derzeit gültigen Sommerflugplan stehen unter anderem auch Flüge nach Spanien (Alicante, Malaga, Mallorca, Fuerteventura), nach Amsterdam (Niederlande), in die Türkei (Antalya, Istanbul, Izmir), nach Griechenland (Kreta, Rhodos) sowie nach Kroatien (Zadar) und London (England), auch Beirut (Libanon) wird angeflogen. Innerdeutsche Routen führen nach Frankfurt/Main, München und Stuttgart.

Woher kommen die Fluggäste?

Im Jahr 2023 nutzten 1.814.892 Passagiere aus dem Nordwesten den Bremen Airport. Das ist – im Vergleich zu 2022 (1.492.975 Passagiere) – eine Steigerung um rund 21,6 Prozent. Insgesamt entspricht das etwa 80 Prozent des Vorkrisen-Jahres 2019 (2.308.338 Passagiere).

Bremens Flughafenchef Cezanne geht davon aus, dass die Passagierzahlen weiter steigen werden. „Die vielzitierte ,Flugscham‘ gibt es nicht. Es wird viel gereist“, sagte er.

Wie kommt man zum Flughafen?

Zudem sei der Bremer Flughafen, laut Cezanne, auch aus dem Umland gut erreichen: Aus Ostfriesland per Auto über die Autobahn 28 und dann über die B 75 und die A 281. Parkplätze gibt es im Parkhaus direkt am Terminal stehen ab 24.20 Euro pro Tag zur Verfügung.

Wer mit dem Zug anreisen möchte, fährt bis zum Bremer Hauptbahnhof und dann mit der Straßenbahn (Linie 6) oder dem Bus (Linie 52) zum Airport.

Reichen die Flugkapazitäten aus?

Die Zahl der Flüge und Ziele könnte durchaus noch ausgebaut werden – doch es fehlt an Flugzeugen. „Die Nachfrage ist da, es fehlt an Flugkapazitäten“, erklärte Cezanne. Grund dafür seien Lieferprobleme der Hersteller Airbus und Boeing. Derzeit seien weltweit insgesamt mehr als 10.000 Maschinen bestellt. „Deutschland ist derzeit bei der Auslieferung außen vor“, so Cezanne. Erst in zwei Jahren solle geliefert werden.

Warum fehlen Flugzeuge?

Weltweit wollen die Fluggesellschaften ihre veralteten Flotten erneuern. Vor allem auch, um eine bessere Klimabilanz zu bekommen. Doch schnelle Lösungen seien weder bei Antrieben noch bei neuen Kraftstoffen zu erwarten, heißt es in einem Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), berichtet die Deutsche Presseagentur. „Der Luftfahrtsektor ist geprägt von vergleichsweise langen Entwicklungs- und Zulassungszeiträumen für neue Technologien“, heißt es darin.

Die Entwicklung und Zulassung neuer Flugzeugdesigns oder Triebwerke dauere schätzungsweise bis zu 15 Jahre, die Marktdurchdringung anschließend noch einmal bis zu 30 Jahre.

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