Malmö  Welche Länder beim ESC 2024 nicht dabei sind – und warum nicht

Arlena Schuenemann
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Von Arlena Schuenemann
| 09.05.2024 09:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Eurovision Song Contest findet am Samstag im schwedischen Malmö statt. 37 Nationen treten insgesamt gegeneinander an – doch einige europäische Länder verzichten auf eine Teilnahme. Foto: dpa/Jens Büttner
Der Eurovision Song Contest findet am Samstag im schwedischen Malmö statt. 37 Nationen treten insgesamt gegeneinander an – doch einige europäische Länder verzichten auf eine Teilnahme. Foto: dpa/Jens Büttner
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37 Nationen treten beim diesjährigen Eurovision Song Contest gegeneinander an, 26 von ihnen im großen Finale am Samstagabend. Doch längst nicht alle europäischen Länder sind bei der Kult-Veranstaltung dabei. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich.

Sänger Isaak stand beim Halbfinale des Eurovision Song Contests bereits für Deutschland auf der Bühne. Um seinen Einzug ins Finale musste er aber nicht zittern, denn als Teil der „Big Five“ ist Deutschland die Teilnahme von vornherein sicher. Das gilt auch für Spanien, Großbritannien, Italien und Frankreich. Der Grund ist nicht etwa – wie oft behauptet –, dass diese Länder die größten Geldgeber für den ESC sind. Vielmehr haben sie das größte Zuschauerpotenzial. Das berichtet der ESC-Journalist Jan Feddersen auf der deutschen Internetseite des Wettbewerbs.

Während sich 31 weitere Nationen also erst für das Finale am Samstag qualifizieren müssen – Gastgeberland Schweden ist ebenfalls im Vorfeld gesetzt –, gehen andere europäische Länder gar nicht erst an den Start. Und das hat ganz unterschiedliche Gründe.

Lange hatten rumänische ESC-Fans gezittert, ob ihr Land in diesem Jahr wieder beim ESC dabei sein würde. Doch seit Ende Januar steht fest, dass kein rumänischer Teilnehmer auf der Bühne stehen wird. Als Grund nennt der TV-Sender TVR finanzielle Zwänge. Der Haushalt des Senders enthalte in diesem Jahr nicht genügend Mittel, damit Rumänien die höheren Standards des internationalen Wettbewerbs gewährleisten könne.

Auch die Slowakei, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Monaco und Andorra verzichten aus finanziellen Gründen auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest. Nachdem Nordmazedonien im Vorjahr ebenfalls aus Kostengründen nicht teilgenommen hatte, war für dieses Jahr zunächst eine Rückkehr auf die ESC-Bühne vorgesehen. Der Sender MRT entschied sich dann jedoch dafür, sich stattdessen auf die Feierlichkeiten zu 60 Jahren Fernsehen in Nordmazedonien zu konzentrieren.

Ungarn ist seit 1994 insgesamt 19 Mal beim ESC dabei gewesen. Doch seit 2020 verzichtet das Land auf die Teilnahme. Eine offizielle Begründung gibt es nicht, es werden aber politische Gründe hinter der Entscheidung vermutet. Ungarns Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán fährt einen strikten Kurs gegen die LGBTQ-Community. Medienberichten zufolge stört sich der Staatschef an der queeren und weltoffenen Ausrichtung des Eurovision Song Contests.

Auch die Türkei ist seit 2013 nicht mehr beim Wettbewerb dabei, obwohl das Land in den Vorjahren durchaus erfolgreich abgeschnitten hatte. Damals gab es Kritik am Abstimmungsverfahren sowie an der Big-Five-Regelung. Mittlerweile distanziert sich die Türkei aber aus moralischen Gründen von der Veranstaltung. Insbesondere der Auftritt von Conchita Wurst im Jahr 2014 wird als Begründung genannt. Der damalige Chef des türkischen TV-Senders TRT, Ibrahim Eren, schloss 2018 eine Rückkehr zum ESC aus. Ein öffentlich-rechtlicher Sender könne nicht den Auftritt einer Person live übertragen, die sage, sie sei Mann und Frau zugleich, begründete er den Entschluss.

Belarus nimmt seit 2021 nicht am Eurovision Song Contest teil – allerdings nicht aus eigener Entscheidung. Die Europäische Rundfunkunion (European Broadcasting Union, EBU) hat das belarussische Staatsfernsehen BTRC suspendiert, weil die Medien- und Meinungsfreiheit im Land unterdrückt werde.

Dass auch in diesem Jahr kein russischer Teilnehmer auf der ESC-Bühne stehen wird, hat ebenfalls politische Gründe. Nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 schloss die EBU Russland vom Wettbewerb aus. An diesem Entschluss hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert.

Im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung hatte es vor allem in Skandinavien Aufrufe gegeben, auch Israel von der Veranstaltung auszuschließen. Grund dafür ist der umstrittene israelische Militäreinsatz im Gaza-Streifen. Noel Curran, Generaldirektor der EBU, stellte jedoch klar, dass der israelische TV-Sender Kan alle Grundvoraussetzungen erfülle, um am Wettbewerb teilzunehmen. Schließlich träten beim ESC öffentlich-rechtliche Rundfunksender gegeneinander an und keine Regierungen. Die drei russischen Sender RTR, Channel One und Radio House Ostankino böten dagegen keinen Zugang zu unabhängigen Nachrichten und würden die Pressefreiheit von Journalisten einschränken. Aus diesem Grund seien sie von der Teilnahme am ESC suspendiert worden.

Dennoch war lange unklar, ob Israel in diesem Jahr am Wettbewerb teilnehmen würde. Denn zwei eingereichte Lieder der Sängerin Eden Golan hatte die EBU im Vorfeld abgelehnt. Der Grund: politische Botschaften in den Songtexten. Sowohl der Song „October Rain“ als auch „Dance Forever“ bezogen sich auf das Massaker der Hamas im Oktober. Golan wird nun stattdessen das Lied „Hurricane“ performen – und sich damit im zweiten Halbfinale möglicherweise für die Show am Samstag qualifizieren.

Bereits sicher im Finale ist die Sängerin Tali Golergant, die für Luxemburg antritt. Damit ist das Großherzogtum nach über drei Jahrzehnten erstmals wieder beim Eurovision Song Contest dabei. 1993 hatte sich das Land aus Kostengründen aus dem Wettbewerb zurückgezogen und feiert nun sein Comeback.

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