Gemeinde Jemgum kauft Ziegelei Aus Schandfleck soll Millionenprojekt werden
Neue Wohnungen, Geschäfte, Gastronomie und Tourismuseinrichtungen sollen in den kommenden Jahren in Jemgum entstehen. Jetzt wurde ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung gesetzt.
Jemgum - Entscheidende Weichenstellung für Jemgums Zukunft: Die Gemeinde hat das Gelände der ehemaligen Ziegelei Reins gekauft. Am Mittwochmittag wurde der Kaufvertrag unterzeichnet und notariell beurkundet. Der Weg für das Millionenprojekt Ziegeleistadt im Ortskern ist damit frei. Bürgermeister Hans-Peter Heikens ein Grund zur Freude. „Sieben Jahre Verhandlungen und Gespräche sind für zu einem guten Abschluss gekommen.“ Über den Kaufpreis habe man Stillschweigen vereinbart.
Nicht nur Einheimische werden angesichts dieser positiven Nachricht aufatmen. Das mehr als drei Hektar große Gelände wird von vielen als Schandfleck empfunden. Das Areal liegt direkt an der Internationalen Dollard-Route am Emsdeich und ist alles andere als eine schöne Visitenkarte für Jemgum. Nachdem im Jahr 2008 die Produktion in der Ziegelei eingestellt wurde, verfielen die Gebäude. Der Gelände verkam zu einer Industriebrache. Die Planung kann somit beginnen.
Mehr als acht Millionen Euro Landeszuschuss
Die Gemeinde geht von einer Gesamtinvestition von 8,7 Millionen Euro aus. Das Land Niedersachsen hat für das Großprojekt 8,3 Millionen Euro Zuschüsse zu den förderfähigen Kosten zugesagt, fließen werden die Zuschüsse nach Einschätzung des Bürgermeisters über einen Zeitraum von etwa acht Jahren. Mit Geld aus dem Städtebauförderprogramm soll unter anderem das sogenannte Helgenhaus, die Villa der Ziegelei, saniert werden. „Dort könnte beispielsweise ein Tourismus-Büro direkt an der Dollard-Route eingerichtet werden“, berichtet Heikens.
Zunächst solle das Gelände komplett geräumt werden, so der Bürgermeister zum weiteren Ablauf. Parallel dazu wird die Grobplanung weiterverfolgt, die bereits im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Auf dem Stadtentwicklungsgebiet, das auch Flächen um das Ziegeleigelände herum entschließt, soll ein neues Quartier entstehen. Schwerpunkte sollen Wohnen, Kleingewerbe und Tourismus sein.
Ortskern bekommt alten Hafen zurück
Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist das Sieltief im Abschnitt vom Deich bis zum Sielhuus. „Dort soll gestalterisch der alte Hafen von Jemgum angedeutet werden“, erklärt Heikens. Eingebunden wird dabei nach seinen Worten auch der Marktplatz.
Als wichtigsten ersten Schritt werde die Gemeinde bundesweit eine Konzeptvergabe ausschreiben. „Darauf können sich interessierte Investorengruppen bewerben“, so Heikens. „Grundlage ist eine bestimmte Bewertungsmatrix.“ Wie sind die Häuser gestaltet? Passen sie sich ins Ortsbild ein? Wie werden Klimaschutzvorgaben gelöst? Diese Fragen werden mit entscheiden, welcher Investor den Zuschlag erhält. Das Gelände soll in mehrere Baufelder aufgeteilt werden, so dass das gesamte Gebiet auch stückchenweise an unterschiedliche Investoren vermarktet werden könnte. „Ideal wäre natürlich, wenn die Planung aus einem Guss wäre.“
Erste Gespräche mit Investoren
Bürgermeister Hans-Peter Heikens hat keinen Zweifel, dass das Projekt bei Investoren auf Interesse stoßen wird. Erste Gespräche habe er bereits geführt. Dasselbe gilt übrigens für das Campus-Projekt in Soltborg. Nachdem der bisherige Investor Proengeno aus Nendorp aus wirtschaftlichen Gründen abgesprungen ist, gebe es weitere Interessenten für das Vorhaben. Das Projekt ist für Heikens keinesweg gestorben. Er ist nach wie vor von dem Leuchtturmprojekt überzeugt und hält an der Planung fest.
Unweit der Autobahnabfahrt Jemgum ist ein Kompetenzzentrum mit Co-Workingspaces, einem deutsch-niederländischen Bildungsangebot der Hochschulen Emden, Oldenburg und Groningen sowie Gastronomie und Tagungsräumen geplant. Auch die Jemgumer Gemeindeverwaltung sollte mit in das Kompetenzzentrum einziehen, weil dringend Ersatz für das sanierungsbedürftige Jemgumer Rathaus benötigt wird. Solch eine Nutzungsvariante wäre Hans-Peter Heikens am liebsten. „Von der Idee, auf dem ehemaligen Reins-Gelände ein neues Rathaus zu bauen, bin ich inzwischen ab“, so der Verwaltungschef. Die Verwaltung entwickle sich weiter in Richtung Digitalisierung. „Der Raumbedarf wird daher nicht mehr so groß sein.“