Gemeinde Jemgum kauft Ziegelei  Aus Schandfleck soll Millionenprojekt werden

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 08.05.2024 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit der Ziegelei Reins starb 2008 ein früher wichtiger Rheiderländer Industriezweig. Nachdem 2016 etliche Gebäudeteile abgerissen wurde, ist die ehemalige Ziegelei Reins in Jemgum zu einer Industriebrache verkommen. Foto: Gettkowski
Mit der Ziegelei Reins starb 2008 ein früher wichtiger Rheiderländer Industriezweig. Nachdem 2016 etliche Gebäudeteile abgerissen wurde, ist die ehemalige Ziegelei Reins in Jemgum zu einer Industriebrache verkommen. Foto: Gettkowski
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Neue Wohnungen, Geschäfte, Gastronomie und Tourismuseinrichtungen sollen in den kommenden Jahren in Jemgum entstehen. Jetzt wurde ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung gesetzt.

Jemgum - Entscheidende Weichenstellung für Jemgums Zukunft: Die Gemeinde hat das Gelände der ehemaligen Ziegelei Reins gekauft. Am Mittwochmittag wurde der Kaufvertrag unterzeichnet und notariell beurkundet. Der Weg für das Millionenprojekt Ziegeleistadt im Ortskern ist damit frei. Bürgermeister Hans-Peter Heikens ein Grund zur Freude. „Sieben Jahre Verhandlungen und Gespräche sind für zu einem guten Abschluss gekommen.“ Über den Kaufpreis habe man Stillschweigen vereinbart.

Nach der bisherigen Planung soll die frühere Villa der Ziegelei Reins, das sogenannte Helgenhaus, saniert werden. Dort könnte ein Tourismus-Büro direkt an der Internationalen Dollard-Route entstehen. Foto: Gettkowski
Nach der bisherigen Planung soll die frühere Villa der Ziegelei Reins, das sogenannte Helgenhaus, saniert werden. Dort könnte ein Tourismus-Büro direkt an der Internationalen Dollard-Route entstehen. Foto: Gettkowski

Nicht nur Einheimische werden angesichts dieser positiven Nachricht aufatmen. Das mehr als drei Hektar große Gelände wird von vielen als Schandfleck empfunden. Das Areal liegt direkt an der Internationalen Dollard-Route am Emsdeich und ist alles andere als eine schöne Visitenkarte für Jemgum. Nachdem im Jahr 2008 die Produktion in der Ziegelei eingestellt wurde, verfielen die Gebäude. Der Gelände verkam zu einer Industriebrache. Die Planung kann somit beginnen.

Mehr als acht Millionen Euro Landeszuschuss

Die Gemeinde geht von einer Gesamtinvestition von 8,7 Millionen Euro aus. Das Land Niedersachsen hat für das Großprojekt 8,3 Millionen Euro Zuschüsse zu den förderfähigen Kosten zugesagt, fließen werden die Zuschüsse nach Einschätzung des Bürgermeisters über einen Zeitraum von etwa acht Jahren. Mit Geld aus dem Städtebauförderprogramm soll unter anderem das sogenannte Helgenhaus, die Villa der Ziegelei, saniert werden. „Dort könnte beispielsweise ein Tourismus-Büro direkt an der Dollard-Route eingerichtet werden“, berichtet Heikens.

Die Ruinen sollen abgerissen werden. Foto: Gettkowski
Die Ruinen sollen abgerissen werden. Foto: Gettkowski

Zunächst solle das Gelände komplett geräumt werden, so der Bürgermeister zum weiteren Ablauf. Parallel dazu wird die Grobplanung weiterverfolgt, die bereits im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Auf dem Stadtentwicklungsgebiet, das auch Flächen um das Ziegeleigelände herum entschließt, soll ein neues Quartier entstehen. Schwerpunkte sollen Wohnen, Kleingewerbe und Tourismus sein.

Ortskern bekommt alten Hafen zurück

Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist das Sieltief im Abschnitt vom Deich bis zum Sielhuus. „Dort soll gestalterisch der alte Hafen von Jemgum angedeutet werden“, erklärt Heikens. Eingebunden wird dabei nach seinen Worten auch der Marktplatz.

Von der 2008 stillgelegten Ziegelei stehen nur noch Ruinen. Foto: Gettkowski
Von der 2008 stillgelegten Ziegelei stehen nur noch Ruinen. Foto: Gettkowski

Als wichtigsten ersten Schritt werde die Gemeinde bundesweit eine Konzeptvergabe ausschreiben. „Darauf können sich interessierte Investorengruppen bewerben“, so Heikens. „Grundlage ist eine bestimmte Bewertungsmatrix.“ Wie sind die Häuser gestaltet? Passen sie sich ins Ortsbild ein? Wie werden Klimaschutzvorgaben gelöst? Diese Fragen werden mit entscheiden, welcher Investor den Zuschlag erhält. Das Gelände soll in mehrere Baufelder aufgeteilt werden, so dass das gesamte Gebiet auch stückchenweise an unterschiedliche Investoren vermarktet werden könnte. „Ideal wäre natürlich, wenn die Planung aus einem Guss wäre.“

Erste Gespräche mit Investoren

Bürgermeister Hans-Peter Heikens hat keinen Zweifel, dass das Projekt bei Investoren auf Interesse stoßen wird. Erste Gespräche habe er bereits geführt. Dasselbe gilt übrigens für das Campus-Projekt in Soltborg. Nachdem der bisherige Investor Proengeno aus Nendorp aus wirtschaftlichen Gründen abgesprungen ist, gebe es weitere Interessenten für das Vorhaben. Das Projekt ist für Heikens keinesweg gestorben. Er ist nach wie vor von dem Leuchtturmprojekt überzeugt und hält an der Planung fest.

Das Jemgumer Rathaus und das im selben Gebäude untergebrachte Dörfergemeinschaftshaus sind energetisch und baulich in sehr schlechtem Zustand. Die Gemeinde benötigt dringend Ersatz. Foto: Gettkowski
Das Jemgumer Rathaus und das im selben Gebäude untergebrachte Dörfergemeinschaftshaus sind energetisch und baulich in sehr schlechtem Zustand. Die Gemeinde benötigt dringend Ersatz. Foto: Gettkowski

Unweit der Autobahnabfahrt Jemgum ist ein Kompetenzzentrum mit Co-Workingspaces, einem deutsch-niederländischen Bildungsangebot der Hochschulen Emden, Oldenburg und Groningen sowie Gastronomie und Tagungsräumen geplant. Auch die Jemgumer Gemeindeverwaltung sollte mit in das Kompetenzzentrum einziehen, weil dringend Ersatz für das sanierungsbedürftige Jemgumer Rathaus benötigt wird. Solch eine Nutzungsvariante wäre Hans-Peter Heikens am liebsten. „Von der Idee, auf dem ehemaligen Reins-Gelände ein neues Rathaus zu bauen, bin ich inzwischen ab“, so der Verwaltungschef. Die Verwaltung entwickle sich weiter in Richtung Digitalisierung. „Der Raumbedarf wird daher nicht mehr so groß sein.“

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