Vor der Europawahl  Die „Omas gegen rechts“ in Emden wollen in die Offensive gehen

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 04.05.2024 15:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Diese Emder Frauen, die „Omas gegen rechts“, wollen ein Zeichen gegen rechts setzen. Foto: Weiden
Diese Emder Frauen, die „Omas gegen rechts“, wollen ein Zeichen gegen rechts setzen. Foto: Weiden
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Die „Omas gegen rechts“ wollen nun jeden Samstag Flagge in der Emder Innenstadt zeigen. Was treibt sie an?

Emden - Schon von weitem sind die Frauen an diesem Samstag, 4. Mai 2024, in dem Getümmel der Emder Innenstadt zu sehen. Sie alle tragen eine einheitliche Weste, halten Schilder in der Hand und sprechen Passanten an. Die „Omas gegen rechts“ wollen Flagge zeigen gegen rechts. „Wir stehen jetzt jeden Samstag hier“, sagt Hilde Pitters. Während des Gesprächs mit dieser Zeitung halten einige Interessierte an, stellen Fragen oder nehmen einen Flyer mit. Auch den ein oder anderen negativen Kommentar gibt es, an diesem Samstag hat auch die Alternative für Deutschland (AfD) einen Stand in der Innenstadt.

Drei Fragen an die „Omas gegen rechts“

Wie viel Mut braucht es, hier zu stehen?

Johanna Janssen: Ich glaube, da braucht es vor allem Überzeugung. Danach ist das mit dem Mut von ganz alleine klar.

Roswita Müller: Ich war vorher noch gar nicht politisch tätig. Aber das, was auf uns zu kommt, macht mir Angst. Da hab ich all meinen Mut zusammengenommen, und mich den Frauen hier angeschlossen. Auch, wenn es mir jetzt gesagt schon schwerfällt, einfach Leute anzusprechen.

Warum stehen Sie genau genau zu dieser Zeit hier?

Elise von Höfen: Die Europawahl steht an und die AfD stärkt enorm. Was die fordern, stimmt vorne und hinten nicht, unsere Eltern haben das damals alles miterlebt. Gerade jetzt muss man also Flagge zeigen gegen eine solche Politik, für die die AfD einsteht. Wir stehen jetzt hier, damit man später nicht sagen kann „Warum habt ihr nichts getan?“

Abgesehen von der Motivation - was bringt es einem, „Oma gegen rechts“ zu sein?

Ursula Hildebrand: Das ist unglaublich gutes Gefühl, sich eingesetzt und etwas Gutes getan zu haben. Der Zuspruch, den wir bekommen, macht stark. Man kann ja als Seniorin nicht nur auf dem Sofa sitzen.

Hilde Pitters ist 70 Jahre alt und pensionierte Lehrerin. Sie war 2019 durch eine Nachrichtensendung auf die damals noch junge Bewegung der „Omas gegen rechts“ aufmerksam geworden, recherchierte und knüpfte zunächst Kontakte zu der Bremer Gruppe. Wenig später organisierte sie erste Treffen in Ostfriesland, heute gibt es Gruppen in Emden, Aurich, Leer, Wittmund, Jever und Wilhelmshaven.

So kann man sich den „Omas gegen rechts“ anschließen

Der Gruppe in Emden gehören etwa 20 Frauen an, an diesem Samstag stehen etwa zehn von ihnen in der Fußgängerzone „Zwischen Beiden Märkten“. Zuletzt waren die Frauen mit ihren Bannern vor allem bei Demonstrationen oder Kundgebungen zu sehen, etwa bei „Emden singt“ oder bei der Maikundgebung im Stadtgarten. Nach einem Kurs gegen Stammtischparolen in der Emder Volkshochschule wollen sie jetzt aber offensiver werden. „Jetzt haben wir den Mut, uns hier regelmäßig hinzustellen“, sagt Hilde Pitters. Jeden Samstag wollen die Frauen jetzt zwischen 11 und 12.30 Gesicht und Flagge zeigen und versuchen, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Den Frauen gehe es gerade so kurz vor der Europawahl darum, sich stark zu machen gegen rechts und für eine offene Gesellschaft. Gegen Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) und für die Demokratie. Sie wollen das Verständnis dafür stärken, in welcher Freiheit wir in Deutschland gerade leben und dass das keine Selbstverständlichkeit ist. „Man sieht ja an England, was passiert, wenn man sich gegen die europäischen Werte wendet. Es ist wichtig, für seine Werte einzustehen“, sagt Hilde Pitters. „Alt sein heißt nicht, dass man stumm sein muss. Wir hoffen, dass man auf uns hört.“

Wer sich den „Omas gegen rechts“ anschließen möchte, ist herzlich willkommen, so Pitters. Es gebe ein monatliches Treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auch über Email kann man Kontakt zu den „Omas gegen rechts“ aufnehmen. Die Emder Gruppe ist zu erreichen unter ogr_ostfriesland@gmx.de.

So sind die "Omas gegen rechts" in Ostfriesland zu erreichen

Emden: ogr_ostfriesland@gmx.de

Wittmund: omasgegenrechts.WTMFRIE@gmx.de

Norden: omas-gegen-rechts-norden@web.de

Leer: omasgegenrechts.leer@outlook.com

Aurich: omasgegenrechts-aurich@web.de

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