EWE erklärt Strompreis-Erhöhung  „Netzentgelte steigen im Jahr 2024 deutlich an“ – was heißt das?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 04.05.2024 09:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es ist teurer geworden, (Wind-)Strom durch Übertragungsnetze in Deutschland zu leiten. Symbolfoto: Kaiser/dpa
Es ist teurer geworden, (Wind-)Strom durch Übertragungsnetze in Deutschland zu leiten. Symbolfoto: Kaiser/dpa
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Nicht nur der Strom als solcher ist teurer geworden. Jetzt sind nach Auskunft der EWE auch noch die Netzentgelte gestiegen, die Bestandteil des Strompreises von Haushaltskunden sind. Eine Analyse.

Oldenburg/Ostfriesland/Berlin - Die „Stromnetzentgelte steigen im Jahr 2024 deutlich an“. Das kündigt die EWE in ihrem Finanzbericht 2023 an. Zur EWE AG gehört unter anderem die EWE Netz GmbH, die Strom aus den Übertragungsnetzen in ihre Verteilernetze einspeist. Die EWE Vertrieb GmbH und andere Energieversorger nutzen die Netze, um ihren Strom zu den Kunden zu transportieren.

Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur informieren über das Strom-Netz in Deutschland. Grafik: Bundesnetzagentur/BMWi
Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur informieren über das Strom-Netz in Deutschland. Grafik: Bundesnetzagentur/BMWi

„Alle Energieanbieter zahlen Netzentgelte für die Durchleitung von Strom“, erklärt die EWE in einer Pressemitteilung vom Dezember 2023. „Aber auch Verteilnetzbetreiber zahlen Netzentgelte an ihre vorgelagerten Netzbetreiber für die übernommenen Strom- und Gasmengen.“

So wirken sich die gestiegenen Netzentgelte für Kunden aus

Die EWE konkretisiert die Preissteigerung in ihrem Finanzbericht: „Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW haben mitgeteilt, dass die Stromnetzentgelte ab dem 1. Januar 2024 von derzeit 3,12 Cent je Kilowattstunde auf 6,43 Cent je Kilowattstunde erhöht werden.“

Unsere Redaktion hat bei der EWE nachgefragt: „Wie wirkt sich die Erhöhung der Stromnetzentgelte pro Privatkunden-Kilowattstunde aus?“ Die EWE verweist auf die Mitteilung vom Dezember 2023: „Für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden steigen die Stromnetzentgelte für 2024 gegenüber den vorläufigen Netzentgelten vom Oktober um weitere 8 Prozent beziehungsweise 2,05 Euro/Monat. Somit steigen die Netzentgelte 2024 gegenüber 2023 um rund 4 Euro/Monat.“

So setzt sich der Strompreis für private Haushalte zusammen

4 Euro pro Monat sind 48 Euro pro Jahr. Geteilt durch 3500 Kilowattstunden ergibt das für Haushaltskunden mit diesem Verbrauch knapp 1,4 Cent pro Kilowattstunde. Die EWE hat auf ihrer Internetseite ein Kreisdiagramm veröffentlicht, das veranschaulichen soll, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Demnach lagen die Netzkosten bei 22,58 Prozent des Endkunden-Preises.

Die EWE informiert über die Bestandteile des Strompreises bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Diagramm: EWE
Die EWE informiert über die Bestandteile des Strompreises bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Diagramm: EWE

Auch die Bundesnetzagentur informiert auf ihrer Homepage über die Zusammensetzung des Strompreises. Demnach lag der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden am 1. April 2023 bei 45,19 Cent pro Kilowattstunden und damit höher als im Vorjahr (36,06 Cent). 9,35 Cent davon kostete das Netzentgelt inklusive Messung und Messstellenbetrieb.

Durchschnittliche mengengewichtete Strompreise für Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch ab einschließlich 2500 bis 5000 Kilowattstunden im Jahr über alle Vertragskategorien mengengewichtet. Preisstand: 1. April 2023. Quelle/Grafik: Monitoringbericht 2023 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt
Durchschnittliche mengengewichtete Strompreise für Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch ab einschließlich 2500 bis 5000 Kilowattstunden im Jahr über alle Vertragskategorien mengengewichtet. Preisstand: 1. April 2023. Quelle/Grafik: Monitoringbericht 2023 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt

Die Bundesnetzagentur hat aber auch ein Kreisdiagramm mit Prozentangaben zu bieten. Jenes veranschaulicht die Zusammensetzung des Strompreises aber noch detaillierter als die EWE-Grafik. Das Diagramm zeigt die Aufteilung des Einzelhandeslspreisnieveaus für Haushaltskunden, die 2500 bis 5000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, zum 1. April 2023. Demnach lag das Nettonetzentgelt bei 19,9 Prozent.

Die Zusammensetzung des Strompreises zum 1. April 2023 in Prozent. Grafik/Quelle: Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2023
Die Zusammensetzung des Strompreises zum 1. April 2023 in Prozent. Grafik/Quelle: Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2023

Relativ niedrige Netzentgelte für Stromverbraucher in Ostfriesland

Zwei Kartengrafiken der Bundesnetzagentur zufolge haben ostfriesische Haushaltskunden im innerdeutschen Vergleich noch relativ niedrige Netzentgelte mit ihrem Strompreis zu bezahlen. Demnach sollen die regionalen „Nettonetzentgelte“ im Jahr 2015 bei weniger als sieben Cent pro Kilowattstunde Strom gelegen haben und 2023 bei acht bis neun Cent.

Die Nettonetzentgelte, die Haushaltskunden mit ihrem Strompreis bezahlen, sind in Deutschland nicht einheitlich. Quelle/Kartengrafiken: Bundesnetzagentur
Die Nettonetzentgelte, die Haushaltskunden mit ihrem Strompreis bezahlen, sind in Deutschland nicht einheitlich. Quelle/Kartengrafiken: Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur betreibt im Internet eine „Informationsplattform über den deutschen Strommarkt“, genannt SMARD. Dort ist ein Säulendiagramm abrufbar, das die Entwicklung der Netzentgelte samt Messstellenbetrieb seit dem Jahr 2016 zeigt. Demnach stieg dieser Strombestandteil von 6,79 Cent pro Kilowattstunde (2016) auf 9,35 Euro (2023).

Die Entwicklung des Strompreis-Anteils für Netzentgelte und Messstellenbetrieb von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de
Die Entwicklung des Strompreis-Anteils für Netzentgelte und Messstellenbetrieb von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de

So haben sich die Kostenfaktoren im Strompreis seit 2016 entwickelt

Auf der SMARD-Plattform ist dargestellt, wie sich alle Strompreis-Bestandteile in Haushaltskundenpreisen vom Jahr 2016 bis 2023 verändert haben. Zur Erklärung heißt es: „Die durch den Lieferanten beeinflussbaren Bestandteile beziffern die Energiebeschaffungskosten, den Vertrieb und die Marge des Lieferanten. Hinzu kommen jene Kosten, die nicht vom Lieferanten selbst beeinflusst werden. Sie bestehen aus den sogenannten Netzentgelten, die für die Nutzung der Netze entrichtet werden müssen, Kosten für Messung und Messstellenbetrieb, die Konzessionsabgabe, Strom- und Umsatzsteuer, sowie den Umlagen, die gesetzlich festgeschrieben sind.“

Die Entwicklung des Strompreis-Bestandteile von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de
Die Entwicklung des Strompreis-Bestandteile von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de

Weiter wird auf der Info-Plattform ausgeführt: „Alle Preisbestandteile zusammen bilden dann den durchschnittlichen Strompreis eines Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden pro Jahr. „Dieser durchschnittliche Strompreis ist demnach von 29,81 auf 45,19 Cent pro Kilowattstunde gestiegen.

Wenn der Strompreis steigt, steigen auch die enthaltenen Steuern

Aus einer Detailbetrachtung im SMARD-Portal geht hervor, dass seit 2022 – als Russland die Ukraine angriff – nicht nur die Energiepreise gestiegen sind, sondern auch der Strompreis-Bestandteil „Steuern“. Denn 19 Prozent Mehrwertsteuer sind bei einem niedrigen Strompreis weniger als bei einem hohen. Im Jahr 2021 lagen die Steuern pro Kilowattstunde bei 7,26 Cent, im Jahr 2023 bei 9,28 Cent.

Die Entwicklung des Strompreis-Anteils für Steuern von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de
Die Entwicklung des Strompreis-Anteils für Steuern von 2016 bis 2023. Quelle/Diagramm: Bundesnetzagentur/SMARD.de

Den jüngsten Anstieg der Netzentgelte erklärt die EWE in ihrem Finanzbericht 2023 wie folgt: „Der ursprünglich an die Übertragungsnetzbetreiber zugesagte Zuschuss über 5,5 Milliarden Euro wurde von der Bundesregierung aufgrund der Haushaltslage im Dezember 2023 gestrichen. In der Folge haben die Übertragungsnetzbetreiber ihre Netzentgelte Mitte Dezember 2023 deutlich erhöht. EWE NETZ wird daher im Jahr 2024 über 87 Millionen Euro mehr für die Nutzung vorgelagerter Netze zahlen müssen als noch im Oktober 2023 geplant.“

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