Inselderby Borkum/Norderney  Für Aufsehen sorgte nicht nur das Ergebnis auf Norderney

Florian Ferber
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Von Florian Ferber
| 02.05.2024 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Hurra, hurra, die Borkumer sind da!“: Der TuS-Anhang hat ordentlich Alarm gemacht. Foto: Ferber
„Hurra, hurra, die Borkumer sind da!“: Der TuS-Anhang hat ordentlich Alarm gemacht. Foto: Ferber
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Es war die „Mutter“ aller Inselderbys: Der TuS Borkum trat am Maifeiertag beim TuS Norderney an. Für beide Seiten war der Kick keiner wie jeder andere.

Borkum/Norderney - Am Tag nach der deftigen 0:7-Auswärtsklatsche beim TuS Norderney trieben Borkums Inselfleischer Stefan „Pün“ Akkermann nicht etwa die sieben Gegentore um, die „sein“ TuS im Derby schlucken musste. Es war vielmehr ein Artikel im „Norderneyer Morgen“, der ihn zu einem Besuch in der BZ-Redaktion veranlasste – und zu einer Klarstellung. In dem Bericht zum Spiel ist von Vandalismus und rücksichtslosem Verhalten der Borkumer auf der Passagierfähre während der Anreise zu lesen.

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Als Beispiele werden Aufkleber genannt, mit denen die Frisia-Fähre versehen wurde. „Ich möchte klarstellen, dass es nur eine kleine Gruppe war, die sich daneben benommen hat. Ich und auch andere Borkumer, die mitgefahren sind, distanzieren uns davon.“ Für das Fehlverhalten könne man sich nur entschuldigen. „Ich finde das sehr schade. Wir präsentieren uns ja letztlich auch als Insel.“

Mit Megafon: Stefan „Pün“ Akkermann. Foto: Ferber
Mit Megafon: Stefan „Pün“ Akkermann. Foto: Ferber

Kabine nicht im „allerbesten Zustand“

Des Weiteren schreibt der „Norderneyer Morgen“, dass die Gäste-Kicker laut dem TuS-Vorsitzenden Manfred Hahnen ihre Kabine so verdreckt hinterließen, wie er „es noch nie erlebt habe“. Borkums Coach Christoffer Lübben räumt auf Nachfrage – auch mit Blick auf den eng getakteten Zeitplan am Maifeiertag – ein: „Die Kabine war nicht im allerbesten Zustand, nicht unbedingt besenrein.“ Er finde es aber unsportlich von Norderneyer Seite, diesbezüglich nicht den direkten Kontakt zu suchen, sondern mit der Presse zu sprechen.

Die Sache mit den Aufklebern auf der Fährhinfahrt, sieht Christoffer Lübben ein, habe „ein Übermaß angenommen, das im Nachhinein betrachtet tatsächlich zu viel war“. Dass sich der Kapitän später geweigert habe, den Borkum-Tross mit den übrigen Fahrgästen am Nachmittag wieder mit zurück zum Festland zu nehmen und stattdessen eine Sonderfähre eingesetzt wurde, sei seitens der Reederei Norden-Frisia überhaupt nicht kommuniziert worden, bedauert Lübben.

Das NDR-Fernsehteam im Nacken: Borkums Trainer Christoffer Lübben. Foto: Ferber
Das NDR-Fernsehteam im Nacken: Borkums Trainer Christoffer Lübben. Foto: Ferber

Hoffnung auf „kleine Schadensbegrenzung“

Das prestigeträchtige Inselderby in der Ostfrieslandklasse A (Staffel 2) vor rund 1000 Zuschauern – darunter etwa 150 von Borkum – wurde von gleich zwei NDR-Fernsehteams begleitet – und war eine klare Angelegenheit für den Tabellenführer. In seiner Halbzeitanalyse beim Stand von 0:4 hoffte Stefan „Pün“ Akkermann noch auf eine „kleine Schadensbegrenzung“ – vergeblich. Ein lupenreiner Hattrick von Norderneys Deniz Cömertpay schraubte das Ergebnis schließlich auf 0:7 aus Gästesicht. Entsprechend glücklich zeigte sich der Spielertrainer beim Pils nach Abpfiff. „Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft, weil wir viele junge Leute dabei haben, die das erste Mal vor so einer Kulisse gespielt haben. Das muss man erstmal wegstecken und nicht an sich rankommen lassen.“

Für beide Seiten war der Kick keiner wie jeder andere. Lag doch bis zum Hinspiel im August 2023 (2:2) das letzte Inselderby 60 Jahre zurück. „Klar gibt es eine sportliche Rivalität, jeder will ein bisschen besser sein als der andere“, erklärte Torsten Müller, Vorsitzender des TuS Borkum. Nach Spielende trug er die 0:7-Packung mit Fassung – und verwies auf andere Vorzüge der Auswärtsfahrt: „Wetter schön, Bratwurst lecker, Getränke kalt.“

An mangelnder Fan-Unterstützung hat es beim Inselderby nicht gelegen. Foto: Ferber
An mangelnder Fan-Unterstützung hat es beim Inselderby nicht gelegen. Foto: Ferber

Sturm-Legende von Norderney im Publikum

Für Müller und Co. hatte der Ney-Trip am frühen Mittwochmorgen mit der Katamaranfahrt nach Emden begonnen. Anschließend ging es in zwei Bussen – feucht fröhlich und mit lauter Ballermann-Mucke – nach Norddeich und per Fähre nach Norderney. „Hurra, Hurra, die Borkumer sind da!“, schallte es beim Fußmarsch zum Sportplatz An der Mühle. Dort ging es zügig an die Spielvorbereitung – für die einen am Grill- und Bierstand, für die anderen auf dem Rasen. Dort leitete Borkums etatmäßiger Kapitän und „Fußballgott“ Eike Müller, der aus irdischen Gesundheitsgründen nicht selbst mitspielen konnte, das Aufwärmen. Beim Stand von 0:4 in der Pause musste Müller einräumen: „Norderney ist sehr effektiv, die stehen nicht zufällig da oben in der Tabelle.“

Das Derby bot trotz 0:7 auch packende Zweikämpfe. Foto: Ferber
Das Derby bot trotz 0:7 auch packende Zweikämpfe. Foto: Ferber

Unter den Zuschauern verfolgte auch Norderneys Stürmer-Legende Waldo Forner das Derby – und Enkel Jonas ganz genau. Der 86-Jährige traf beim vorletzten Duell 1963 zum 2:1-Siegtreffer – heute lässt er es ruhiger angehen. „Die Knie können nicht mehr so“, scherzte er. Dass seine Jungs nicht konnten, beschäftigte Borkums Coach Christoffer Lübben. Bei dem ganzen Brimborium drumherum sei es extrem schwer gewesen, „die Mannschaft in den Fokus zu kriegen, konzentriert in so ein Spiel reinzugehen. Wenn man so eine Atmosphäre um sich hat, war das fast unmöglich. Daran sind wir vielleicht auch ein bisschen gescheitert“.

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