WEC-Turmbau-Nachfolger  Bettels ist nach Krisenjahren wieder im Aufwind

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 02.05.2024 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Durchtrennten am Donnerstag das Band, um ein neues Betonmischwerk in Emden offiziell in Betrieb zu nehmen: Bettels-Geschäftsführer Knut Bettels (links) und Philipp Liebherr von der Liebherr-Gruppe, welche die Anlage lieferte. Foto: Alberts
Durchtrennten am Donnerstag das Band, um ein neues Betonmischwerk in Emden offiziell in Betrieb zu nehmen: Bettels-Geschäftsführer Knut Bettels (links) und Philipp Liebherr von der Liebherr-Gruppe, welche die Anlage lieferte. Foto: Alberts
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Bettels Betonfertigteile in Emden hat die Krise überwunden – auch dank der Energiewende. Das Personal wird weiter aufgestockt und bei Windkraftanlagentürmen plant das Unternehmen einige neue Projekte.

Emden - Bei Bettels Betonfertigteile in Emden geht es weiter aufwärts: Im Unternehmen, das 2021 aus dem krisengeschüttelten Enercon-Zulieferer WEC Turmbau hervorgegangen ist, herrscht Aufbruchstimmung – auch dank der Energiewende, wie Geschäftsführer Knut Bettels deutlich machte.

Als die Hermann-Bettels-Gruppe aus Hildesheim WEC Turmbau übernahm, lag der Ausbau der Onshore-Windenergie in Deutschland am Boden und die Zahl der Beschäftigten wurde zunächst auf 130 reduziert. Inzwischen seien am Standort im Emder Hafen wieder rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, sagte Bettels: „Ich denke, dass wir im nächsten Jahr Richtung 270 oder 300 gehen können – und müssen.“ Denn mit dem von der Politik vorangetriebenen Hochfahren des Windkraftausbaus habe sich die Auftragslage verbessert, und die große Nachfrage solle bedient werden.

Sieben Millionen Euro wurden seit Anfang 2023 in Emden investiert

Knut Bettels sieht aber nicht allein die Energiewende als Faktor für den Erfolg: Das Unternehmen habe sich seit der Übernahme breiter aufgestellt. „Windkraft ist ein Thema von mehreren.“ Bettels Betonfertigteile lege den Fokus verstärkt auf den Infrastrukturbau und fertige in Emden Teile für Autobahnbrücken, Fundamente für Umspannwerke oder Plattformen für Offshore-Windkraftanlagen. Für letztere arbeite man bereits mit dem Weltmarktführer Ørsted aus Dänemark zusammen, der auf dem Bettels-Gelände in Emden inzwischen Räume angemietet habe. Im Gespräch sei man zudem wegen einer Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern RWE.

Um diese Aufgaben bewältigen zu können, habe die Bettels-Gruppe in Emden seit Anfang vergangenen Jahres insgesamt rund sieben Millionen Euro investiert, sagte der Geschäftsführer. Mit allein vier Millionen hätten die Betonmischwerke zu Buche geschlagen: Zwei bestehende Anlagen aus WEC-Turmbau-Zeiten seien generalüberholt worden, eine dritte, komplett neue Anlage wurde vom Hersteller Liebherr geliefert und am Donnerstag offiziell in Betrieb genommen.

Auch alte Türme werden noch gebaut – wegen langer Genehmigungsverfahren

Bei Bettels Betonfertigteile tut sich einiges. Dennoch: Ganz vergessen sind die Zeiten als exklusiver Enercon-Zulieferer, der tief in der Krise steckte, nicht. An Türen auf dem Betriebsgelände prangt noch der Schriftzug „WEC Turmbau“ und auch alte Aufträge für die Auricher werden noch abgearbeitet. Hierzu zählen laut Knut Bettels auch knapp 40 Betontürme, die von Enercon eigentlich gar nicht mehr angeboten werden. Die Projekte seien einst mit den Türmen nach altem Muster beantragt worden und müssten nun – nach jahrelangen Genehmigungsverfahren, die dank der Energiewende nun zu einem Ende gefunden hätten – auch entsprechend umgesetzt werden. Die Altaufträge laufen laut Bettels allerdings in diesem Jahr aus.

Für die Bettels-Gruppe war es seit der Übernahme von WEC Turmbau das erklärte Ziel, den Standort Emden aus der Abhängigkeit von Enercon zu lösen. Im vergangenen Jahr schlossen die Hildesheimer hierfür bereits eine Kooperation mit der Firmengruppe Max Bögl aus der Oberpfalz, um in Emden Hybridtürme – also Türme sowohl aus Beton als auch aus Stahl – zu fertigen.

Knut Bettels sprach im September 2023 gegenüber unserer Redaktion von einem „langfristigen Vertrag“ mit Bögl. Nun will er den Pfälzern aber mit einem im Unternehmen selbst entwickelten Turm für Windkraftanlagen Konkurrenz machen: dem Variotower, der in der Höhe anpassbar sei und dadurch für einfachere Genehmigungsverfahren sorgen solle. „Der ist eigentlich fertig entwickelt“, sagte Bettels. Derzeit suche man nach einem Standort für einen Prototyp. Er wünsche sich, eine erste Anlage mit dem bei Bettels entwickelten Turm am Standort Emden zu errichten, sagte der Geschäftsführer. Gespräche hierzu mit der Stadt sowie dem Hafenbetreiber Niedersachsen-Ports seien bereits im Gange.

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