Osnabrück  Junge Menschen haben Angst davor, Kinder zu bekommen: Das sind die vier wichtigsten Gründe

Anna Niere
|
Von Anna Niere
| 29.04.2024 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine glückliche Familie oder glücklich ohne Familie? Für viele junge Menschen ist klar: Sie wollen keine Kinder. Foto: imago images/Tetra images
Eine glückliche Familie oder glücklich ohne Familie? Für viele junge Menschen ist klar: Sie wollen keine Kinder. Foto: imago images/Tetra images
Artikel teilen:

In Deutschland kommen seit Jahrzehnten immer weniger Kinder zur Welt. Das wird sich so schnell wohl nicht ändern, denn viele junge Menschen bezweifeln, ob ihre Generation überhaupt noch Kinder bekommen sollte. Die Sorgen vor den Folgen des Klimawandels sind nicht der einzige Grund.

Die Geburtenrate in Deutschland ist aktuell auf dem tiefsten Stand seit 2009. Eine generell sinkende Geburtenrate gibt es schon seit Jahrzehnten – nach den Babyboomern kam der große Absturz der Geburten. Seither sterben mehr Leute in Deutschland, als Babys geboren werden. Eine Aussicht auf Umkehr gibt es nicht. Denn aktuelle Studien zeigen, dass junge Leute bezweifeln, ob sie Eltern werden wollen.

78% der jungen Menschen in Deutschland haben Verständnis dafür, wenn Menschen aus ihrer Generation keine Kinder mehr bekommen wollen. Kriege, Klimakrise und Inflation sind die Hauptgründe laut einer repräsentativen Umfrage des Sinus-Instituts, bei der 10.000 Menschen zwischen 18 und 39 Jahren teilnahmen.

Eine weitere Umfrage bestätigt den Trend: Wissenschaftler des University College Londons haben Schüler im Alter von 16 bis 18 Jahren zu dem Thema befragt. Die Hälfte der Jugendlichen hat demnach Angst, dass ihre Kinder nicht gesund leben könnten. Ein Drittel der Befragten ist sich sogar sicher: Es möchte keine Kinder bekommen.

Doch was ist der Grund für diesen Wunsch nach Kinderlosigkeit? Es gibt verschiedene Motive – allen voran den Klimawandel. Laut Studien ist die Angst vor den Folgen des Klimawandels besonders groß. Jeder Deutsche produziert mehr CO₂ als natürlicherweise abgebaut werden kann und treibt damit den Klimawandel weiter voran. Somit würde mit jedem Baby quasi der Klimawandel rasanter angetrieben werden. Das ist ein Argument der Nachwuchs-Gegner. Aber auch die Wissenschaft bestätigt diese Annahme. Einer Studie zufolge könnte der CO₂-Fußabdruck einer Familie um bis zu 58 Tonnen pro Jahr verringert werden, wenn sie ein Kind weniger hätten. Berechnet ist die Prognose auf eine durchschnittliche Lebenszeit von 80 Jahren.

Daneben geht es auch um die konkrete Angst um die Lebensqualität von Kindern: Die jungen Leute wollen keinen Nachwuchs in die Welt setzen, weil diese Kinder am meisten unter den Folgen der Klimakrise leiden würden, die sie ja selbst nicht direkt verursacht haben, so die Studie aus London. Diese Argumentation ist vor allem unter Klimaaktivisten stark verbreitet.

Neben den äußeren Umständen kommen auch persönliche Ängste dazu: Frauen fürchten sich zum Beispiel vor den Schmerzen der Schwangerschaft und der Geburt, heißt es in der Umfrage des University College London. Was demnach auch viele am Elternwerden hindert: Die Sorge davor, bei der Erziehung zu versagen. Wieder andere wollen sich durch Nachwuchs nicht in ihrer Freiheit einschränken lassen.

Ein weiteres Problem für Generation Z ist die finanzielle Unsicherheit. Durch die Inflation erhöhen sich die Kosten in allen Bereichen – egal, ob Lebensmittel, Transport oder Miete. Der Gedanke, vom eigenen Gehalt noch einen weiteren Menschen versorgen zu müssen, bereitet laut der Studie vielen Sorgen.

Dabei ist der Trend, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden, nicht neu. Die „Childfree“-Bewegung oder auch Gebärstreiks werden schon seit einigen Jahren populärer. Sogenannte „Antinatalisten“ propagieren weltweit, keine Kinder in die Welt zu setzen. In Deutschland machte zuletzt die Lehrerin Verena Brunschweiger mit ihren Büchern Schlagzeilen.

In „Kinderfrei statt kinderlos“ und „Die Childfree Rebellion“ nennt die Lehrerin und Autorin den „katastrophalen Zustand der Umwelt“ als ein zentrales Argument gegen das Kinderkriegen in der heutigen Zeit. Sie wolle, schreibt die Buchautorin, aber auch gegen patriarchale Strukturen vorgehen, in denen Frauen als Mittel zur Fortpflanzung angesehen würden. Kritiker werfen ihr zu extreme Ansichten vor.

Ähnliche Artikel