Sicherheit in der Fußgängerzone  Lieferwagen fährt Passantin in Aurich fast über den Haufen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 25.04.2024 17:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Fußgängerzone kam es Ende März zu einer Auseinandersetzung zwischen Passanten und dem Fahrer eines Lieferwagens. Foto: privat
In der Fußgängerzone kam es Ende März zu einer Auseinandersetzung zwischen Passanten und dem Fahrer eines Lieferwagens. Foto: privat
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Am 22. März ist es zu einem Zwischenfall mit einem Transporter in der Auricher Fußgängerzone gekommen. Der hätte dort nicht fahren dürfen. Werden nun Poller aufgestellt?

Aurich - Die Situation ist knapp, knapp und gefahrvoll. Helga Detje steht am 22. März zusammen mit ihrer Nachbarin vor der Galerie Zwischenraum in der Osterstraße, als kurz vor 12 Uhr ein Lieferwagen in die Auricher Fußgängerzone prescht. Haarscharf lenkt der Fahrer am Rücken der beiden Frauen vorbei. Die kriegen einen mächtigen Schreck. „Vor allen Dingen war davon meine Nachbarin betroffen. Die ist fast von der Karosserie gestreift worden“, sagt Helga Detje auf Anfrage der Redaktion. Der Fahrer sei aus dem Wagen gesprungen. Statt sich zu entschuldigen habe er geschimpft. Es sei ein unheimliches Palaver gewesen, erinnert sich die Auricherin.

Poller können auch schon mal im Weg stehen. Dann müssen sie, wie auf diesem Symbolbild, von einem Mitarbeiter des Baubetriebshofs wieder stabilisiert werden. Foto: Archiv/Ortgies
Poller können auch schon mal im Weg stehen. Dann müssen sie, wie auf diesem Symbolbild, von einem Mitarbeiter des Baubetriebshofs wieder stabilisiert werden. Foto: Archiv/Ortgies

Wegen der Lautstärke seien auch einige der Gäste in der Galerie aufmerksam geworden und nach draußen gekommen. Helga Detje hält wegen dieses Vorfalls und wegen ähnlicher Vorkommnisse eine Regelung für sinnvoll, die Lieferwagen während der Geschäftszeiten aus der Fußgängerzone heraushält. Regulär dürfen die Boten nur bis 10 Uhr mit ihren PS-starken Gefährten in die Burg- und die Osterstraße hineinfahren. Es ist aber bekannt und sorgt immer wieder für Ärger, dass etliche Firmen das Fahrverbot missachten und außerhalb dieser Zeit direkt vor die Geschäfte fahren, um ihre Waren loszuwerden.

Gespräch mit den Kaufleuten

Die Stadt hatte bereits vor Jahren erwogen, mobile Poller an den Zufahrtstraßen in die Fußgängerzone zu montieren. So sollte dem wilden Hin- und Herfahren Einhalt geboten werden. Ursprünglich hieß es von Seiten der Verwaltung, man wolle an fünf Stellen Hightech-Pfähle aufstellen. Als Zeitpunkt hatte die Stadt dieses Frühjahr anvisiert. Sobald die Sanierung der Fußgängerzone abgeschlossen ist, wollte man mit der Montage der Poller beginnen. Vorher sollten noch Gespräche mit den Kaufleuten geführt werden. Von denen hatten etliche Bedenken wegen der Pfähle angemeldet. Es sei unpraktikabel, den Lieferfahrzeugen die Zufahrt in die Innenstadt ab 10 Uhr zu verweigern. Vielfach ließe sich ein früherer Zeitpunkt logistisch gar nicht terminieren.

Jetzt könnten noch ganz andere Erwägungen die Montage der Poller ganz vereiteln. Helmut Lücht räumte auf Anfrage der Redaktion ein, dass es in dieser Frage „gerade ein bisschen hänge“. Der Leiter des Auricher Ordnungsamtes sagte, seine Mitarbeiter hätten im Zuge der Recherche herausgefunden, dass etliche Pollersysteme störanfällig seien. Das liege daran, dass bei dem Aufenthalt der metallenen Pfähle in der Erde oft Wasser oder Steine in die Ummantelung eindringen. Dann blockiere die Mechanik. Im schlimmsten Fall müssten die Poller vorübergehend stillgelegt und dann repariert werden. Diese Informationen habe man sich durch den Austausch mit Städten verschafft, in denen bereits Pollersysteme installiert sind oder waren.

Angebot einer Firma vorgelegt

„Außerdem hat uns eine Firma ein Angebot ihrer versenkbaren Poller vorgestellt“, sagte Helmut Lücht. Offenbar sind dabei auch noch etliche Fragen offen geblieben. Eine bezieht sich auf den Preis. Bei den Haushaltsberatungen waren die Ratsmitglieder übereingekommen, für die Installation der Straßenpoller rund 150.000 Euro zu veranschlagen und in den Haushalt einzustellen. Damit wird man nach der Einschätzung von Helmut Lücht nicht hinkommen. „Wir gehen davon aus, dass wir mindestens 200.000 Euro benötigen“, sagte der Mitarbeiter der Verwaltung.

Jetzt müsse man schauen, wie man weiter verfährt. Er gehe davon aus, dass seine Mitarbeiter ein paar Alternativen ausarbeiten und diese nach der Sommerpause den Ratsmitgliedern zur Abstimmung vorlegen. Unter Umständen müsse man auch die Ortspolizisten, die regelmäßig durch die Fußgängerzone patrouillieren, stärker einbinden. „Die sind für den fließenden, wir ja nur für den ruhenden Verkehr zuständig“, gab Helmut Lücht zu bedenken. Wenn die Polizei die Lieferfahrzeuge häufiger kontrolliere, könnte das bereits einen erzieherischen Effekt haben, ist sich der Ordnungsamtsleiter sicher. Wie auch immer das Ergebnis lautet: Helga Detje und ihre Nachbarin sind froh, wenn eines gefunden ist und sie sich dadurch in der Fußgängerzone wieder sicher fühlen.

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