Ziegenkäse aus Weener Milchziegen statt Kühe – Junglandwirt wagt Neustart
Milchviehhaltung ist im Rheiderland weit verbreitet. Die Tiere, die der 24-jährige Leon de Kloet und seine Freundin Melissa melken, eher weniger. Die Ziegenfans wagen sich in eine Marktnische.
Weener - Wenn Leon de Kloet in den Stall kommt, wird er stets freundlich begrüßt: Eine ganze Schar brauner und weißer Ziegen kommt auf ihn zugestürmt. Die Zicklein vollführen übermütige Freudensprünge, die älteren Tiere knibbeln neugierig an seiner Hose. Vielleicht hat er ja etwas Fressbares dabei. Der 24-Jährige streicht der einen oder anderen über den Kopf. „Ziegen sind einfach tolle Tiere“, lächelt er und nennt damit den Grund, für einen mutigen Schritt. Im September vergangenen Jahres hat er den Familienbetrieb in Weener von Milchkühen auf Milchziegen umgestellt. Derzeit melken Leon de Kloet und seine 22 Jahre alte Freundin Melissa etwa 300 Milchziegen und kümmern sich um deren Nachwuchs.
Gebürtig kommt de Kloet aus Utrecht in den Niederlanden. „Ich lebe aber schon seit über 20 Jahren in Weener“, erzählt er. Sein Vater Jos betrieb am Süderweg einen Milchviehbetrieb. Sein Sohn ist zwar in der Landwirtschaft großgeworden, hatte sich beruflich aber zunächst anders orientiert.
Vom Polier zum Milchziegen-Landwirt
„Ich habe vier Jahre lang mein Geld im Straßentiefbau in den Niederlanden verdient“, erzählt er, „ich war Polier. Aber in meinem jungen Alter hatte ich es manchmal natürlich schwer, akzeptiert zu werden.“ An den Wochenenden und in der Erntezeit habe er aber immer auf dem Hof mit angepackt. Dabei sei ihm schließlich klar geworden, dass sein Herz für die Landwirtschaft schlage.
Als sein Vater Jos 2019 mit der Milchviehhaltung aufhören wollte, habe er vor der Frage gestanden, wie seine Zukunft in der Landwirtschaft aussehen könnte. So kam er auf die Ziegen. „Die sind in der Haltung viel sauberer als Kühe, dafür aber auch anspruchsvoller und schwieriger“, erzählt der junge Landwirt.
Ziegen hätten vor nichts Angst. „Und sie sind echt hart im Nehmen. Das sind wirklich starke Tiere“, hat er gemerkt, „aber genau das ist gleichzeitig auch ein Problem.“ Eine Ziege zeige es nicht, wenn sie krank sei. „Und wenn, dann ist es meist auch schon zu spät.“
Heu und Gras als Ziegenfutter
Gefüttert werden die genügsamen Tiere ausschließlich mit Heu. Zumindest im Winter. Jetzt wird aber auch frisch geschnittenes Gras von den Grünlandflächen des Hofes verfüttert. „Das wirkt sich besonders gut auf den Geschmack des Käses aus“, sagt der junge Landwirt. Anders als bei Milchkühen dürfen die kleinen Zicklein bis zu einem bestimmten Alter bei ihren Müttern bleiben und bei ihnen trinken. Nur wenn eine Ziege ihr Zicklein nicht akzeptiert oder wegen Mehrlingen nicht genug Milch für alle hat, werden die Kleinen mit der Flasche aufgezogen.
Erste Erfahrungen mit der Haltung von Milchziegen habe er bei einem Praktikum auf einem Ziegenhof gesammelt. „Das richtige Wissen erlangt man aber erst in der Praxis und da lernt man aus Fehlern.“ Der frühere Kuhstall musste erst an die Erfordernisse der Ziegen angepasst werden. Unter anderem hat er eine spezielle Isolation erhalten. „Kühe haben es gerne luftig und kühl. Ziegen wiederum vertragen überhaupt keine Nässe und Kälte. Dann werden sie schnell krank.“ Für die Ziegen wurde außerdem ein anderer Melkstand eingebaut.
Mobile Käserei und auf Wochenmärkten
Noch wird die Milch der Ziegen von der mobilen Käserei in May aus Zetel zu Käse verarbeitet: Camembert, Feta, Butter-, Rauch- und Schnittkäse mit verschiedensten Kräutern. „Irgendwann rief die Käserei an und sagte, dass das Lager in Zetel voll ist.“
Zu dem Zeitpunkt sei klar geworden, dass sie auch in die direkte Vermarktung einsteigen müssten. „Wir haben einen Verkaufswagen gekauft, mit dem wir den Käse auf verschiedenen Wochenmärkten anbieten, unter anderem in Barßel und Leer“, erzählt Melissa. Kaufen kann man den Ziegenkäse aus Weener aber auch direkt ab Hof oder bei der Käserei in Zetel. Ebenso müssen sich die beiden mit der Vermarktung von Ziegenfleisch auseinandersetzen. „Erste Reservierungen haben wir bereits angenommen.“