Verein aus Wiesmoor Wie eine Frau aus Ruanda dank Cornea-Help studieren konnte
Happiness Sebyuma musste die Schule abbrechen – weil sie nichts mehr sehen konnte. Cornea-Help ermöglichte ihr die lebensverändernde Hornhaut-Transplantation.
Wiesmoor/Ruanda - An einem gewöhnlichen April-Tag in Kigali ist es circa 25 Grad warm. Kigali ist die Hauptstadt von Ruanda, einem kleinen Land im Osten Afrikas. Happiness Thomas Sebyuma ist eine der rund 1,7 Millionen Einwohner der Hauptstadt. Und einer von 190 Menschen aus Afrika, die Dank der Hilfe des Wiesmoorer Vereins Cornea-Help wieder sehen können.
Es ist fast zehn Jahre her, im Jahr 2015, als Cornea-Help der 28-Jährigen eine Hornhaut-Transplantation ermöglichte, die ihr Leben zum Positiven veränderte. „2015 erreichte ich in meinem Leben einen Tiefpunkt“, sagt Happiness Sebyuma. Sie lebte damals in Tansania, einem Nachbarland von Ruanda, und ging dort zur Schule. Doch dann konnte sie plötzlich nicht mehr sehen. Nach zehn Jahren half ihr auch die Brille nicht mehr.
Hornhaut-Transplantation als einzige Hoffnung
Die Ärzte in Tansania schlugen ihr eine Hornhaut-Transplantation vor – in Indien oder in Südafrika. „Es gab keinen anderen Ausweg“, sagt Sebyuma. Doch das war für die Ruanderin keine Option. Sie zog zurück zu ihrer Familie nach Kigali und brach die Schule ab. Die Ruanderin konnte schließlich nicht mehr lesen. „Meine Familie überlegte, wie sie mir helfen könnte, die Behandlung zu bekommen, die ich dringend brauchte“, erzählt die heute 28-Jährige. Doch das war gar nicht so einfach.
Eine erste gute Nachricht kam dann aus der Augenklinik in Kigali, das „Rwanda Charity Eye Hospital“. Zwar riet auch Dr. John Nkurikiye zur Transplantation, aber: Die Transplantation konnte direkt in der Augenklinik stattfinden. „Die verbleibende Herausforderung war der finanzielle Aspekt, da die Operation sehr teuer ist“, sagt Sebyuma. Doch Dank Dr. Nkurikiye gab es erste Hoffnungen: Der Arzt erzählte ihr und ihrer Familie von Cornea-Help. Die Wiesmoorer Organisation übernehme Kosten für Hornhaut-Transplantationen. Die Familie hofft auf die Zusage des Vereins, versuchte aber dennoch weiter, die benötigten Mittel für die Operation aufzubringen. Dann kam die „große Erleichterung“, so Sebyuma: Cornea-Help wollte ihre Operation finanzieren. „Ich war glücklich, weil mir jemand helfen wollte“, sagt Sebyuma.
Erfolgreiche Operation in Kigali
Das ist jetzt fast zehn Jahre her. Ihre Operation war erfolgreich. „Ich hatte von der Narkose geträumt. Ich konnte mich nicht bewegen“, erzählt Sebyuma. Sie wurde noch ein Jahr nach der OP beobachtet, dann konnte sie zurück zur Schule, um ihren Abschluss zu machen. Schließlich ging es für Sebyuma an die Universität, wo sie einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre absolvierte. Das alles wäre ohne die Hilfe von Cornea-Help vielleicht nicht möglich gewesen. „Das Leben kommt langsam wieder in Schwung“, sagt die Ruanderin. Heute muss die 28-Jährige noch regelmäßig Medikamente nehmen und zu Check-Ups zum Arzt gehen.
Menschen wie Happiness Thomas Sebyuma sind es, die Cornea-Help aus Wiesmoor seit 2009 unterstützt. Cornea-Help setzt sich mit dem Rwanda Charity Eye Hospital, in dem auch Sebyuma vorstellig war, für Aufklärung, Prävention und eine bessere medizinische Versorgung ein. 190 Mal hat der von Sigrid und Klaus Renken gegründete Verein Menschen das Augenlicht zurückgegeben. Momentan stehen laut Sigrid Renken rund 300 Menschen auf der Warteliste des Vereins.
Hornhaut-Transplantation ist eine lebensverändernde Chance
Ihre Geschichte erzählte Happiness Sebyuma Anfang der Woche in der Blumenhalle in Wiesmoor vor 120 Gästen. Dort fand eine Veranstaltung des Rotary-Clubs statt, zu der Cornea-Help geladen war. Denn: Der Rotary-Club Großefehn/Wiesmoor spendete gemeinsam mit dem Rotary-Club aus Wittmund/Esens Cornea-Help 20.000 US-Dollar, das sind fast 18.700 Euro. Die Vereinsmitglieder haben gemeinsam 10.000 US-Dollar gesammelt, der Rotary-Dachverein verdoppelte die Summe. „Jeder Euro kommt im Auge des Spenders an“, sagt Wiesmoorer Präsident Holger Hedemann.
Cornea-Help freut sich über die Spende. Sigrid Renken betont, auch kleinere Beiträge können etwas bewirken. „Wir haben Spender, die geben fünf Euro im Monat – das sind auch 60 Euro im Jahr“, sagt Renken. Seit einem Jahr sind die Einwohner Ruandas krankenversichert. Der Verein muss nur noch die Hornhaut zahlen, die rund 400 bis 500 Euro koste, so Klaus Renken. „Jede Hornhaut-Transplantation stellt eine lebensverändernde Chance dar“, sagt Happiness Sebyuma in ihrer Rede, „sie hat einen erheblichen Einfluss – über den Operationssaal hinaus.“