Verbotener Lost Place Wer will die Alte Ziegelei in Pilsum kaufen?
Der Investor der Alten Ziegelei in Pilsum hat aktuell kein Konzept für das 21 Hektar große Gelände. Einem Verkauf scheint er nicht abgeneigt. Was sagt die Gemeinde Krummhörn?
Pilsum - Wer hat Interesse am Kauf von 21 Hektar Land und einem beliebten, aber verbotenen „Lost Place“ in der Krummhörn? Wilke Saathoff hatte 2009 das Gelände und die Gebäude der Alten Ziegelei in Pilsum vom Land Niedersachsen gekauft. Nachdem Pläne für ein großes Hotel schon 2010 vom Tisch waren, lag das Gelände brach. 1972 war die Produktion von Ziegelsteinen in Pilsum eingestellt worden. „Ich habe kein klares Konzept“, sagte Saathoff im Gespräch mit dieser Zeitung aktuell. „Irgendwann werde ich es zum Verkauf anbieten.“ Vielleicht habe die Gemeinde Krummhörn ja Interesse daran, brachte er ins Gespräch.
Wir haben dazu bei der Gemeinde nachgehakt. Wäre die Gemeinde überhaupt an dem Grundstück interessiert, wollten wir wissen. „Aktuell wurde das Thema innerhalb der Gemeinde nicht aktiv diskutiert oder in Betracht gezogen“, schreibt Sprecher Oliver Janssen. „Sollte jedoch in Zukunft ein entsprechendes Angebot seitens des Eigentümers vorliegen, wird die Gemeinde dies selbstverständlich prüfen und gegebenenfalls darüber beraten“, erklärt er.
Wäre ein Wohngebiet dort denkbar?
Was könnte man mit dem Gelände denn anfangen? Vielleicht ein Wohngebiet daraus machen? „Da die Gemeinde sich bisher nicht mit potenziellen Nutzungsszenarien für das Gelände auseinandergesetzt hat, können wir keine konkreten Vorstellungen oder Pläne bezüglich einer möglichen Nutzung angeben“, schreibt Janssen. Bevor man etwa eine Wohnbebauung oder eine andere Nutzung auf dem Gelände angehen könnte, „müssten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, darunter Nutzungsplanänderungen sowie die Einhaltung aller rechtlichen und ökologischen Vorgaben“.
Dass auf ehemaligen Industrie-Flächen eine moderne Wohnbebauung entstehen kann, sieht man beispielsweise bei der Nachbarstadt Emden. Auf dem ehemaligen Ültje-Gelände soll ein neues Stadtteilquartier mit Wohn-, Freizeit- und Versorgungsfunktion sowie ergänzenden Büroräumen errichtet werden. Gegen Ende des Jahres 2024 / Anfang 2025 seien die Bauleitplanung und die Vorbereitung des Areals abgeschlossen, hieß es zuletzt von der Stadt. „Theoretisch könnte dann im ersten Quartal 2025 mit der Erschließung (Straßen, Wege, Kanäle; Versorgungsleitungen) und der Bebauung im hinteren Teil des Geländes (parallel zur Bahn) begonnen werden“, schreibt die Stadt weiter.
Entwicklung des Geländes wäre positiv
Sollte die Gemeinde nicht selbst als Käuferin auftreten, so schreibt Oliver Janssen aber: „Ein neuer Investor und eine aktive Entwicklung des Grundstücks könnten eine positive Dynamik für die Region bedeuten. Die Gemeinde steht grundsätzlich einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung des Geländes offen gegenüber.“ Bisher habe es aber keine Anfragen anderer Investoren bezüglich des Geländes bei der Gemeinde gegeben.
Die Alte Ziegelei war jetzt wieder ins Gespräch gekommen, weil auf dem Gelände, das direkt an der Kreisstraße gelegen ist, Arbeiten begonnen waren, die viele Leserinnen und Leser mitbekommen haben. Ein Teil des alten Hauptgebäudes, in dem es 2017 gebrannt hatte, wurde abgerissen, ein Baugerüst an dem noch stehenden Haus aufgestellt. Wilke Saathoff hatte auf Nachfrage erklärt, dass es in das Haus hineinregne und man Dachziegeln ersetzen wolle. Außerdem sollte es ringsum etwas ordentlicher gestaltet werden - und sicherer. Ein Zaun sperrt das Gelände ab. Der Grund: Nachdem es 2017 Dreharbeiten für einen Ostfriesen-Krimi in der Bauruine gegeben hatte, waren immer wieder Neugierige auf das Gelände und in die Gebäude gegangen. Anhänger von „Lost Places“, also verlorenen und verwunschenen Orten, schleichen sich immer wieder in die Alte Ziegelei, um dort Videos zu drehen. Das ist verboten und gefährlich, betont Eigentümer Saathoff. Die Gebäude gelten als einsturzgefährdet.
Saathoff: Tonabbaurecht noch aktiv
Wilke Saathoff hebt hervor, dass es auch noch aktive Tonabbaurechte für das Gelände in Pilsum gebe. Ob das für Investoren attraktiv sein könnte, ist unklar. Oliver Janssen hatte dazu geschrieben: „Da der Gemeinde keine Erkenntnisse über die Tonabbaurechte auf dem Gelände vorliegen, können wir keine Aussage über deren Bedeutung treffen.“ Somit könne man auch nichts zur möglichen „Rentabilität und Durchführbarkeit“ sagen.
Kurioserweise hatten die Abbaurechte und der Bestandsschutz auf etwa 30 Hektar die Planung für das Baugebiet „Alte Brauerei“ in Pilsum verzögert. Im April 2021 hieß es von der Gemeinde, dass man sich auch wundere, warum es diesen Bestandsschutz auf dem Gelände trotz der lange zurückliegenden Schließung noch gibt. Seit November 2023 läuft die Vermarktung der Grundstücke.
Ton wird in Deutschland noch abgebaut, in größeren Mengen allerdings eher im Westerwald. Dort ist eins der europaweit größten und qualitativ hochwertigsten Abbaugebiete, wie es unter anderem in einem ARD-Bericht heißt. Ansonsten befinden sich große Gebiete in der Ukraine, in Südwestengland und in Frankreich.