Neue Führung in der Manningaburg Deutschlands erste Frauenärztin wird in Pewsum wieder lebendig
Die geborene Pewsumerin Hermine Heusler-Edenhuizen war vor mehr als 100 Jahren die erste weibliche Frauenärztin im Kaiserreich. Sie setzte sich unter anderem für ein Ende des Abtreibungsverbots ein.
Pewsum - Sie wollte Abtreibungen legalisieren, wurde die erste Frauenärztin Deutschlands und setzte sich für die Gleichberechtigung ein. Dr. Hermine Heusler-Edenhuizens wurde vor knapp 150 Jahren in der Manningaburg in Pewsum geboren. Dort kann man bereits seit einigen Jahren im Museum einiges über die Medizinerin und Frauenrechtlerin erfahren. Neu hinzugekommen ist nun eine inszenierte Kostümführung, die die Krummhörn Touristik ab Mai in der Burg anbieten will.
Gästeführerin Heike Niebuhr-Barfs schlüpft dafür in die Rolle der Medizinerin. Sie begrüßt die Gäste auf dem Pewsumer Marktplatz und leitet sie während der Führung in ihren ehemaligen Wohnsitz, die Manningaburg. Dort wird am Originalschauplatz ihr Leben mit allen Herausforderungen veranschaulicht, die eine Frau damals zu bewältigen hatte, wenn sie sich in einer Männerdomäne behaupten wollte. Sie gewährt Eindrücke in ihr Lebenswerk, der Frauenheilkunde in den Jahren um 1900.
Wer war Hermine Heusler-Edenhuizen?
Als Hermine Heusler-Edenhuizen vor knapp 150 Jahren in Pewsum geboren wurde, hatten Frauen noch nichts zu sagen. Sie durften nur mit Erlaubnis ihres Mannes Geld verdienen und besaßen kein Wahlrecht. Die Edenhuizens besaßen diverse Ländereien und Immobilien im Rheiderland und in der Krummhörn und waren eine wohlhabende Familie. Unter anderem gehörte ihnen die Pewsumer Manningaburg, wo Hermine geboren wurde.
Edenhuizen besuchte die Höheren Töchterschulen in Pewsum und Emden bis sie 16 Jahre alt war. Im Anschluss wusste sie zunächst nicht so recht, was sie machen sollte. Grundsätzlich hatten Frauen zu dieser Zeit zwar die Möglichkeit, zu studieren, das galt aber als gesellschaftlich unüblich und war mit vielen Hindernissen verbunden. Per Zufall stieß sie 1893 in einer Emder Buchhandlung auf eine Zeitschrift der Frauenrechtlerin Helene Lange. Die gebürtige Oldenburgerin war eine der zentralen Symbolfiguren der damaligen Frauenbewegung in Deutschland, die sich besonders im Bereich Bildung für mehr Chancengleichheit einsetzte.
Engagierter Kampf gegen das Abtreibungsverbot
Davon inspiriert entschloss sich Hermine Edenhuizen, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und Ärztin zu werden. Sie rang ihm das Einverständnis ab, in Berlin den Vorbereitungskursus besuchen und ihr Abitur machen zu dürfen. Dort begann sie auch ihr Medizinstudium und ließ sich später als erste Ärztin im Kaiserreich zur Frauenheilkunde ausbilden. In ihrer Autobiografie schrieb sie über die Zeit, dass sie stets das Gefühl hatte, als Frau in ihren Leistungen kritischer beurteilt zu werden und daher immer härter und besser arbeiten musste als ihre männlichen Kollegen.
Auch engagierte sie sich im Kampf gegen den bis heute diskutierten Abtreibungsparagrafen 218. Den lehnte Hermine Heusler-Edenhuizen ab und plädierte in Zeitungsartikeln und auf Veranstaltungen auch öffentlich für die Abschaffung. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass der Paragraf nichts brachte und Frauen stattdessen in die Illegalität trieb. Dieses Argument gibt es noch heute. Zudem war sie Gründungsmitglied des Verbandes Deutscher Ärztinnen, dem sie in den Jahren 1924 bis 1928 vorstand.
Die erste inszenierte Kostümführung findet statt am Mittwoch, 15. Mai 2024, um 15 Uhr. Weitere Termine folgen am 12. Juni, 31. Juli, 7. August und 18. September. Die Führung dauert laut Ankündigung etwa 1,5 bis 2 Stunden. Karten sind erhältlich in der Tourist-Information Greetsiel (04926/91880) sowie online. Ein Ticket kostet zwölf Euro, Inhaber einer Nordsee-Card erhalten einen Euro Ermäßigung. Kinder zahlen sechs Euro, bei Vorlage einer Nordsee-Card 5,5 Euro. Der Startpunkt ist der Marktplatz in Pewsum.