Neuer Vorstoß Bekommt Weener bald wieder einen Wochenmarkt?
Geflügel und Brot, Fisch und Käse – all das konnte man früher auf dem Wochenmarkt in Weener bekommen. Dann wurde er mangels Interesse eingestellt. Ein junger Niederländer wagt einen neuen Vorstoß.
Weener - Camembert, Butterkäse, Feta und mehr bekommt man am Stand der Familie de Kloet aus Weener. „De Zeeg“ – die Ziege – heißt der Stand passenderweise. Der Käse wird aus Ziegenmilch vom eigenen Hof gemacht und ist inzwischen auf Wochenmärkten in der Region so etwas wie ein kleiner Geheimtipp geworden. Leon de Kloet findet es schade, dass es ausgerechnet in seinem Heimatort Weener keinen Wochenmarkt mehr gibt. Der 24-Jährige Niederländer will nun alle Hebel in Bewegung setzen, den Markt in Weener wiederzubeleben. Kein einfaches Unterfangen.
Seinen traditionellen Standort hatte der Wochenmarkt ursprünglich auf dem Vogelsangparkplatz. Es gab dort Stände mit Fisch, Obst und Gemüse, Eiern und Geflügelfleisch, Honig und sogar einen Käsestand. „Die Wochenmarkstände florierten regelrecht. Der Markt war für viele Weeneraner ein Treffpunkt zum Klönen und Austauschen von Neuigkeiten“, erzählt Geziena Scholtalbers, die sich schon seit vielen Jahren bei den Landfrauen engagiert und eng mit der Stadtgeschichte vertraut ist.
Interesse am Markt ebbte ab
In der Westerstraße, die damals noch Hindenburgstraße hieß, habe es damals aber noch viele Geschäfte gegeben. Unter anderem waren dort die Fleischerei Eckhoff, das Juweliergeschäft Züchner und ein Hobby-Markt ansässig. Als immer mehr Geschäfte aufgaben und leer standen, sei das auch auf dem Wochenmarkt zu spüren gewesen. Der Zulauf wurde immer geringer.
Weil dort nichts mehr los war und die Kunden ausblieben, zog der Wochenmarkt 2013 an einen belebteren Standort um: auf den Parkplatz bei Holz & Bau. Anfangs sah alles nach einer Erfolgsgeschichte aus. Der Wochenmarkt boomte. Kunden und Beschicker waren gleichermaßen begeistert. Der Markt wuchs sogar wieder. Neue Stände kamen dazu: unter anderem mediterrane Spezialitäten, ein Unternehmen aus Burlage mit Tiefkühlprodukten wie Kohlrouladen & Co. und die Holzofenbäckerei Ripken aus Augustfehn.
Regionale Produkte sind gefragt
Doch der Erfolg am neuen Standort war nicht von langer Dauer. Ein Marktbeschicker nach dem anderen verließ den Wochenmarkt. Die einzigen Verbliebenen waren schließlich Hans Gerd Warnken aus Diedrichsfeld mit seinem Frischgeflügel- und Eierstand und Fisch Kramer. Geblieben ist inzwischen nur noch der Fischstand.
Der Stadtplaner Herbert Weydringer aus Bockhorn hatte der Stadt bei der Vorstellung seines Quartierskonzepts ans Herz gelegt, den Wochenmarkt wieder auf den Vogelsangparkplatz zurückzuholen, um die Altstadt wiederzubeleben. Doch die Marktleute winkten ab. Jetzt bringt Leon de Kloet die Diskussion wieder in Gang.
Zwei weitere Marktinteressenten
Der 24-Jährige kommt gebürtig aus dem niederländischen Utrecht, lebt mit seiner Familie aber schon seit mehr als 20 Jahren in Weener. „Die Leute wollen gerne regionale Produkte auf dem Wochenmarkt“, ist er überzeugt. Neben seinem eigenen Verkaufswagen hätten nach seinen Worten sogar zwei weitere Marktleute Interesse, ihre Waren auf einem Wochenmarkt in Weener anzubieten: ein Anbieter von Frischfleisch und Wurstwaren von Strohschweinen sowie ein Stand mit Obst und Gemüse.
In der Politik rennt Leon de Kloet mit seiner Idee offene Türen ein. „Ich würde mich freuen, wenn es Leute gibt, die das machen wollen“, sagt SPD-Fraktionschef Helmut Geuken. „Man muss Dinge, die nicht gut gelaufen sind, auch mal neu denken.“ Der neue Standort der Stadtbücherei mit Bürgertreff könnte neue Impulse und neues Leben in die Westerstraße bringen und die Aufenthaltsqualität auf dem Vogelsangparkplatz erhöhen. Auch einen Standort am Alten Hafen könne er sich vorstellen. „Man muss da offen rangehen und Dinge einfach mal ausprobieren.“
Positives Echo
Hannes Mörtel von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen begrüßt die Anregung ebenfalls. Den Standort bei Holz & Bau findet er nicht so gut, wie am Hafenkopf mit seinem historischen Umfeld mit Unterstützung des Tourismus. „Andererseits könnte er auf dem Vogelsangparkplatz zu Belebung des Quartiers beitragen“, so Mörtel.
„Ich finde die Idee sehr gut. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder die Frage, ob und wenn ja, wie ein Wochenmarkt wieder in Weener durchgeführt werden kann. Ideen und Vorschläge, die dies befördern, sind darum sehr willkommen“, sagt Bürgermeister Heiko Abbas. Über den Standort müsse man mit den Marktbeschickern sprechen. Erreichbarkeit, ausreichend Platz, Stromversorgung und einiges mehr seien hierbei aber zu beachten. „Zudem muss geprüft werden, wann das stattfinden kann, da der Platz dann nicht zum Parken genutzt werden kann“, so Abbas. Ob ein Markt am Hafenplatz möglich ist, müsste laut Abbas konzeptionell erst einmal erörtert werden. „Abhängig von der Anzahl der Marktbeschicker, des Platzbedarfs, weiterer Veranstaltungen auf einem Wochenmarkt muss geprüft werden, ob das umsetzbar ist.“