Paris  Franzosen haben Angst vor Terroranschlägen bei Olympia: So reagiert Emmanuel Macron

Birgit Holzer
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Von Birgit Holzer
| 17.04.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Vorbereitungen laufen: Am 26.Juli beginnen die Olympischen Spiele in Paris. Foto: dpa/Sebastien Nogier
Die Vorbereitungen laufen: Am 26.Juli beginnen die Olympischen Spiele in Paris. Foto: dpa/Sebastien Nogier
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Sorge vor Terror in Paris: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach jetzt erstmals von einer möglichen Bedrohung der Sicherheit bei den Olympischen Spielen im Sommer. Wie will die Regierung die Gefahr von Anschlägen vermindern?

Es soll eine Eröffnungsfeier werden wie keine zuvor, eine unvergessliche Zeremonie im Herzen von Paris – das war stets das Versprechen der Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 2024. Auf der Seine soll sie stattfinden, mit einer Parade von Schiffen, auf denen die Athletinnen und Athleten fahren, mit Zuschauern an beiden Uferseiten des Flusses und effektvollen künstlerischen Darbietungen. Erstmals in der Geschichte der Spiele wird deren Startzeremonie nicht in einem Stadion, sondern unter freiem Himmel, mitten in der Stadt und zugänglich für eine größtmögliche Zahl an Gästen stattfinden.

Zumindest, wenn widrige Umstände den ambitionierten Planungen nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen. Denn dieses Risiko besteht – umso mehr angesichts der bedrohlichen weltpolitischen Lage und seit dem Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau Ende März, den die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) für sich beansprucht hat. Unmittelbar danach rief Frankreich die höchste Alarmstufe aus.

Neben der ohnehin herausfordernden Organisation von mehr als 15 Millionen Besucherinnen und Besuchern, die während den Olympischen Sommerspielen von 26. Juli bis zum 11. August an den französischen Austragungsorten und in erster Linie in der Hauptstadt erwartet werden, müssen sich die Verantwortlichen auf die potenzielle Anschlagsgefahr einstellen. Präsident Emmanuel Macron sprach nun von einem Plan B, ja sogar einem Plan C.

Erstmals nannte er das Stade de France, Frankreichs größtes Fußballstadion im Pariser Vorort Saint-Denis, als mögliche Rückzugslösung. Allerdings wiesen französische Medien darauf hin, dass es angesichts der deutlich geringeren Zuschauerzahl schwer wäre, die aktuellen Tarife für einen Platz beizubehalten. Generell würde diese Option für die Organisation der Spiele, bei der stark auf die Einkünfte durch Ticketverkäufe gesetzt wird, ein finanzielles Problem nach sich ziehen.

Eine andere Alternative könnte laut Macron sein, die Zeremonie am 26. Juli auf den Trocadéro-Platz gegenüber dem Eiffelturm zu beschränken, wo nach derzeitigen Planungen die rund 160 eingeladenen Staats- und Regierungschefs auf Ehrentribünen sitzen. Dem „Plan A“ zufolge sollen die Boote mit den Delegationen sechs Kilometer entlang vom Trocadéo bis zur Brücke Pont d’Austerlitz fahren.

Man werde eine Echtzeit-Analyse durchführen und könne auch kurzfristig auf mögliche Bedrohungen reagieren, sagte Macron in einem Radiointerview zu Wochenbeginn live aus dem Grand Palais. Einer besorgten Mutter und Radiohörerin, die in der Sendung anrief, um den Präsidenten zu fragen, ob sie ihren Sohn guten Gewissens zur Einweihungsfeier schicken könne, antwortete der Präsident, sie solle ihr Kind nicht um eine Veranstaltung bringen, die einmal alle 100 Jahre stattfinde. Denn auch 1924 richtete Paris die Sommerspiele aus. „Wenn es einen Ort gibt, an dem Ihr Sohn in Sicherheit ist, wird es dieser sein.“

Das Null-Risiko gebe es nicht, aber man sei vorbereitet, arbeite mit ausländischen Nachrichtendiensten zusammen und werde die betroffene Zone schon Tage zuvor großräumig absperren, so Macron. „Die Terroristen wollen vor allem eins: uns davon abhalten zu träumen.“ Bei der Olympia-Eröffnungsfeier wurde aus Gründen der Sicherheit die Zahl der Besucherinnen und Besucher schon nach unten korrigiert. Vor eineinhalb Jahren war noch die Rede von 600.000 Personen, darunter 500.000 an der oberen Uferstraße. Letztlich werden dort nur 222.000 Menschen zugelassen, die zwar Gratis-Plätze erhalten, allerdings nur auf Einladung.

An den unteren Uferstraßen befinden sich 104.000 Personen, die kostenpflichtige Tickets erwerben müssen. Hinzu kommen noch rund 200.000 Menschen, die dem Event von den Gebäuden an der Seine aus beiwohnen sowie rund 50.000 in den Fan-Zonen. Nicht nur die Identität aller Besucher wird vorab geprüft, sondern auch jene aller Mitarbeiter und freiwilliger Helfer. Verdächtige Profile wurden aussortiert.

Die 35.000 französischen Polizisten und Gendarmen, die während der Spiele täglich im Einsatz sind, werden von 18.000 Soldaten und 2500 ausländischen Sicherheitskräften aus rund 50 Ländern unterstütz. Auch deutsche Beamte gehören dazu, so wie Frankreich bereits zuvor Polizisten und Gendarmen zur Verstärkung der deutschen Kollegen bei der Euromeisterschaft schicken wird.

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