Doppelspitze komplett So will ein junges Duo die Wirtschaft in Emden ankurbeln
Der Emder Jens Peters verstärkt seit Jahresbeginn die Wirtschaftsförderung der Stadt Emden. Was sich der neue Prokurist und die Geschäftsführerin Martje Merten alles vorgenommen haben.
Emden - Ihr Zauberwort ist „proaktiv“: Wenn Martje Merten und Jens Peters über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Emden sprechen, bemühen sie gerne und oft diesen Begriff aus dem Managerjargon. Die beiden Wirtschaftsförderer der Stadt wollten proaktiv handeln und planen, sagen sie fast schon gebetsmühlenartig mit Blick auf die Herausforderungen, die vor ihnen liegen. Im Klartext: Sie wollen zukunftsorientiert auf Ziele hinarbeiten sowie Eigeninitiative an den Tag legen, wenn es um Neuansiedlungen oder um die Bestandspflege von Unternehmen geht.
Martje Merten und Jens Peters sind die beiden jungen Gesichter der Emder Wirtschaftsförderung - jung nicht nur vom Alter her, sondern auch im Amt. Die 31-Jährige trat vor gut neun Monaten den Posten als Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing GmbH (WFS) an, ihr sechs Jahre älterer Kollege kam Anfang dieses Jahres als Prokurist zu dieser städtischen Tochtergesellschaft. Er soll bald zum Co-Geschäftsführer aufrücken.
Ein Novum für die Emder Wirtschaftsförderung
Beide bilden jetzt eine Doppelspitze - ein Novum für die Emder Wirtschaftsförderung. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hatte im vergangenen Jahr mit Zustimmung des politisch besetzten Aufsichtsrates die personellen Weichen neu gestellt, nachdem Stefan Klaassen sein Amt als Wirtschaftsförderer überraschend aufgegeben hatte.
Martje Merten, die als Vertraute von Kruithoff gilt, hatte sich für den Spitzenposten quasi empfohlen. Die 31-Jährige war vor fünf Jahren nach Emden gekommen. Sie arbeitete zunächst als City-Managerin, stieg nach drei Jahren zur Teamleiterin für das Stadtmarketing auf, brachte frischen Wind in die Stadt und erwarb sich schnell Anerkennung in Einzelhandel, Gastgewerbe und Tourismus. In ihren Verantwortungsbereich fällt weiterhin das Stadtmarketing. Dazu gehört auch die Entwicklung der Innenstadt.
Der „Neue“ ist ein waschechter Emder
Jens Peters kam hingegen von außen zur Wirtschaftsförderung. Der 37-Jährige ist waschechter Emder, verheiratet und Vater von drei Kindern. Nach dem Abitur am Johannes-Althusius-Gymnasium und einem Freiwilligen Jahr bei der Ostfriesischen Beschäftigungs-und Wohnstätten GmbH (OBW) erlernte er bei der Firma Cordes & Graefe KG Emden, einem Fachgroßhändler für Haustechnik, den Beruf des Groß-und Außenhandelskaufmanns.
Diesem Unternehmen blieb er länger als 15 Jahre treu, zuletzt war er dort unter anderem für das Controlling verantwortlich. „Ich war eigentlich nicht auf der Suche nach Veränderung“, sagt Peters. Denn bei Cordes & Graefe habe er fest im Sattel gesessen und sich „sehr wohl gefühlt“. Dennoch habe ihn die neue Aufgabe sehr „gereizt“. Er könne so „vielleicht meiner Heimatstadt etwas zurückgeben“.
Schwerpunkte sind Hafen, Logistik und Energie
Gereizt haben Peters vor allem die Felder, die er bei der Wirtschaftsförderung „beackert“. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen Hafen, Logistik und Energie. Es sind Themen, auf denen in Emden viele Hoffnungen für die Zukunft ruhen. Hinzu kommt die Automotive, also alle Aktivitäten im Bereich von Zulieferteilen, -produkten oder -dienstleistungen der Automobilbranche.
Der 37-Jährige hat sich mittlerweile tief in diese Themen eingearbeitet, Kontakte zu den Akteuren geknüpft und sich bei wichtigen Partnern wie dem landeseigenen Hafenbetreiber Niedersachsen Ports vorgestellt. Er leitet den Lenkungskreis der „Logistikachse Ems“ in der Wirtschaftsregion Emsachse und sitzt als Gast im Aufsichtsrat der Emder Hafenförderungsgesellschaft.
Führungsduo steht im engen Austausch
Die Wirtschaftsförderer haben zwar unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche, verstehen sich aber als Duo und stehen bei den Kernthemen im engen Austausch. „Uns geht es um den Standort“, sagt Martje Merten. Ihr noch junges Lebensalter sehen beide dabei eher als Chance. „Wir sind zwei Menschen, die sich selbst weiterentwickeln und die Zukunft dieser Stadt mitgestalten wollen“, sagt Merten. Man fange auch nicht bei Null an.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten den Unternehmen allerdings gegenwärtig alles andere als Spaß und seien nicht so, dass Wirtschaftsbetriebe wegen Neuansiedlungen bei der Stadt anklopfen. Merten und Peters sehen dennoch viele Standortvorteile, die Unternehmen locken könnten. „Wir haben jede Menge grüne Energien“, sagt die WFS-Geschäftsführerin mit Blick auf die Energiewende. Das sei „eine Chance, die wir nutzen müssen“.
Hoffnungen ruhen auf mehreren Feldern
In diesem Zusammenhang nennt Merten das Stichwort Wasserstoff und die Wertschöpfungskette, die damit zusammenhängt. Auch das Schiffsrecycling, in das die Emder Werft und Dock GmbH als erstes deutsches Unternehmen einsteige, könnte in Zukunft eine Rolle spielen. „Und wir werden auch nicht müde, für ein Batteriezellenwerk zu kämpfen“, fügt Peters hinzu - wohl wissend, dass das „ein schwieriges Thema“ sei.
Große Hoffnungen knüpft das junge Führungsduo der Wirtschaftsförderung ebenso an die Entwicklung des Rysumer Nackens als Industriegebiet. Die Machbarkeitsstudie, die die verkehrliche Erschließung dieses Areals untersuchen und bald in Auftrag gegeben werden soll, sei „ein erster Schritt“.
Rund 3000 kleine und mittlere Unternehmen
Im Blick haben Merten und Peters aber auch den Bestand an knapp 3000 kleinen und mittleren Unternehmen in der Stadt. Gerade der Mittelstand sei „eine Stärke des Standorts“ und entwickle sich zunehmend branchenunabhängig. Für die Bestandsunternehmen übernehme die Wirtschaftsförderung ebenso wie bei Neuansiedlungen auch eine Art Lotsenfunktion, um sie durch das bürokratische Dickicht von Bauleit- und Genehmigungsverfahren zu führen.
Hinzu komme der Hafen mit seinem Wachstum im Güterverkehr. „Wir brauchen uns nicht verstecken, sondern sollten auch nach außen zeigen, was wir können“, sagt Peters. Und das wollen Merten und er auch tun – proaktiv, versteht sich.
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