Verbotener „Lost Place“ Was passiert aktuell bei der Alten Ziegelei in Pilsum?
Wer aktuell auf der Neu-Etumer-Straße in der Krummhörn unterwegs ist, kann es kaum übersehen: Bei der Alten Ziegelei in Pilsum tut sich etwas. Einst war dort ein Hotel geplant.
Pilsum - Die Alte Ziegelei beim Krummhörner Dorf Pilsum ist eine kleine Berühmtheit – sehr zum Ärger von Eigentümer Wilke Saathoff. Weil sich auf das brachliegende rund 21.000 Quadratmeter große Gelände und in die einsturzgefährdeten Gebäude immer wieder Leute schleichen, greift der Leezdorfer jetzt durch. „Das Grundstück wird aufgeräumt“, erklärt er. Ein Zaun, der Neugierige fernhalten soll, soll wieder ordentlich aufgestellt werden. Der Gebäudeteil, in dem 2017 ein obdachloser Mann ein Feuer gelegt hatte, wurde nun bereits abgerissen.
Nachdem Saathoff 2009 das Grundstück vom Land Niedersachsen gekauft hatte, habe er zunächst keine Probleme mit ungewollten Besuchern gehabt, sagt er. Dann wurde die Bauruine 2017 für Dreharbeiten eines Ostfriesen-Krimis nach einem Roman von Klaus Peter Wolf zu einem Schauplatz. 2018 wurde die Folge ausgestrahlt, danach war das öffentliche Interesse groß. Nicht nur Krimi-Fans, sondern auch viele Menschen aus der „Lost Places“-Szene, also Anhänger „verlorener oder verwunschener Orte“, wollten sich vor Ort genauer umsehen. Sogar Fans des Paranormalen, also selbsternannte Geisterjäger, haben schon Interesse bekundet. In dem 2023 erschienenen Buch von Klaas Gerdes „Lost & Dark Places Ostfriesland“ findet die Pilsumer Ziegelei ihren Platz.
Hotelpläne waren schon 2010 vom Tisch
Immer mehr Leute wollten heimlich auf dem Gelände und in den Gebäuden filmen, sagt Wilke Saathoff. Wie lange die Aufräum- und Sicherungsarbeiten aktuell noch dauern, konnte er nicht sagen. Das hänge vom Wetter ab. Die vordere, Richtung Kreisstraße gelegene Fläche solle auf jeden Fall aufgeräumt werden. Auf die Frage hin, ob und was denn mit dem Gelände geplant ist, erklärt der Investor: „Im Augenblick habe ich noch keine vernünftige Idee.“
2009 hatte Saathoff die Absicht, auf dem Gelände ein hochwertiges Hotel bauen zu lassen. Weil er parallel an dem Projekt „Greetland“, das in Greetsiel geplant war, arbeitete, rückte Pilsum aber schließlich in den Hintergrund. 2010 war klar: Das Hotel wird vorerst nicht gebaut. Gegen das geplante 80-Millionen-Euro-Feriendorf „Greetland“ formierte sich aus der Bürgerschaft so viel Widerstand, dass sich 2011 eine Initiative gründete und es eine Bürgerbefragung gab. Die Mehrheit sprach sich dabei gegen das Projekt aus. Juristische Verfahren zogen sich bis 2018. Eine Klage des Investors wurde abgewiesen. 2019 wurde das Werbeschild für „Greetland“ abmontiert und verschrottet, symbolisch für ein Ende der Geschichte.
Die Geschichte der Pilsumer Ziegelei
Die Dampfziegelei der Gebrüder Ekkenga in Pilsum wurde 1898 eröffnet und produzierte bis 1972 an die 50.000 typisch rote Ziegelsteine am Tag. Das erklärte Kai-Uwe Hanken, Sprecher des Ziegeleivereins Jemgum, der auch das Ziegeleimuseum in Midlum betreibt, im Januar dieser Zeitung. Es war ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region: Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Ostfriesland 52 Brennöfen für Ziegelsteine und Dachpfannen. Dass sich die Ziegeleien in Ostfriesland ansiedelten, liegt vor allem an dem hohen Kleivorkommen in der Gegend.
Mitte des 20. Jahrhunderts aber war bei den meisten Ziegeleien Schluss, erklärt Gerd Klaasen in seinem Blog „Ostfriesland entdecken“. Die Technik war veraltet, die hiesigen Betriebe nicht mehr konkurrenzfähig. In Pilsum verfiel die Ziegelei nach der Schließung 1972 zusehends. Der Schornstein des Ofens musste zur Hälfte abgerissen werden, nachdem ein Blitz eingeschlagen war. Der Ofen ist aber nach wie vor vorhanden.