Geldstrafe oder Haft? Dreist gefälschte Schreiben in Hesel – das kommt auf Täter zu
Ein Unbekannter versprach 100 Euro für Sprit pro Monat wegen der Baustelle in Hesel. Für die dreiste Fälschung des Gemeinde-Schreibens kommt einiges auf ihn zu.
Hesel - Besonders dreist: Sogar die Unterschrift des Gemeindedirektors Joachim Duin wurde gefälscht. In Hesel kursierten falsche Schreiben, die angeblich von der Gemeinde beziehungsweise ihm als Unterzeichner stammen sollten. Stein des Anstoßes waren die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt in Hesel gewesen. Durch den geplanten Umbau der B 72 soll die Sicherheit und Attraktivität für Radfahrer erhöht werden. Von Leer nach Aurich muss man derzeit eine Umleitung fahren.
In dem gefälschten Brief hieß es, dass man eine Spritkostenpauschale von 100 Euro im Monat bekommen könne. Das habe, so steht es im Fake-Brief, der Gemeindedirektor „persönlich“ und „haftend“ beschlossen. Es wurde Anzeige erstattet. Das ist nun rund eine Woche her. Zeit, bei der Polizei nachzufragen.
Welche Tatbestände erfüllt dieses Fake-Schreiben?
„Im vorliegenden Fall könnten die Straftatbestände der Urkundenfälschung und der Amtsanmaßung vorliegen“, erklärt Dirk Heße, Polizeioberkommissar und Sprecher der Polizeiinspektion Leer/Emden.
Welche Strafen würde das nach sich ziehen?
Gemäß Strafgesetzbuch sind bei den vorliegenden Straftatbeständen jeweils Geldstrafen oder auch Freiheitsstrafen möglich so Heße. „Für Urkundenfälschung bis zu fünf Jahre, bei der Amtsanmaßung sind bis zu zwei Jahren gesetzlich möglich.“
Was hat der Fälscher genau in Umlauf gebracht?
Der Fälscher hat, wie beschrieben, die Unterschrift von Duin gefälscht. Auch der Rest des Schreibens scheint auf den ersten Blick echt. Es sehe so aus, als habe der Fälscher einen Briefbogen ergattert – eine ältere Variante, wie die Rufnummern beispielsweise zeigen – und diesen so bearbeitet, dass das falsche Schreiben dabei herausgekommen ist, sagte Duin.
Wie viele Bürgerinnen und Bürger genau durch die Fälschung hinters Licht geführt worden sind, „lässt sich schwer beziffern, da einige auch einfach nur angerufen haben beziehungsweise im Rathaus am Empfang den Hinweis auf die Fälschung erhalten haben“, sagte Duin. Er würde es auf eine niedrige zweistellige Anzahl an Menschen schätzen, die sich persönlich gemeldet habe.
„Dies ist kein Kavaliersdelikt. Hier geht es um eine perfide Straftat. Der Täter hat Briefkopf, Unterschrift und Inhalt gefälscht und dann die Briefe an zig Empfänger verteilt. Das zeugt von ausgeprägter krimineller Energie“, sagte Hesels Bürgermeister Gerd Dählmann kurz nach Bekanntwerden der Schreiben. Dem Täter gehe es darum, die Stimmung zu vergiften und die Verwaltung der Gemeinde Hesel zu verunglimpfen.
Wie will man den Fälscher oder die Fälscherin erwischen?
Befragungen, Fingerabdrücke? Fest steht, dass die Polizei nach dem Fälscher oder der Fälscherin sucht. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Polizeisprecher Heße. Allerdings könne man dementsprechend derzeit „aufgrund ermittlungstaktischer Gründe“ keine Angaben zum Vorgehen gemacht werden.
Gab es so etwas schon einmal in der Region?
So etwas „mit entsprechendem Inhalt eines solchen Schreibens, hat es in der Vergangenheit in unserem Inspektionsbereich nicht gegeben“, sagt Polizeisprecher Heße.
Allerdings nimmt unangebrachtes Verhalten in Reaktion auf Baumaßnahmen tatsächlich zu. Anfang April wurde beispielsweise die Bundesstraße 436 zwischen Weener und Bunde wieder für die Sanierung gesperrt. Einige Autofahrer umfuhren gleich mehrere Baken, wie der Ortsvorsteher erklärte. Bei den vorherigen Bauabschnitten im vergangenen Jahr hatte das Fehlverhalten der Autofahrer mit der Verletzung eines Baustellen-Mitarbeiters seinen traurigen Höhepunkt erreicht.
„Wir wissen, dass unsere Baumaßnahmen auch Frust auslösen“, sagte seinerzeit Frank Buchholz. Er ist der Leiter für den Geschäftsbereich Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und diese ist unter anderem für die Maßnahme an der B436 zuständig. Solch eine Eskalation sei selten, aber die Reaktionen der Autofahrer hätten sich im Laufe der Zeit verschlimmert.