Hamburg  Wie viele Ausländer bekommen in Deutschland Rente vom Staat?

Jonas Ernst Koch
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Von Jonas Ernst Koch
| 15.04.2024 08:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wie viele Menschen ohne deutschen Pass bekommen in Deutschland Rente? Foto: IMAGO / Frank Sorge
Wie viele Menschen ohne deutschen Pass bekommen in Deutschland Rente? Foto: IMAGO / Frank Sorge
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Rentner bekommen in Deutschland monatlich durchschnittlich 1543 Euro überwiesen. Doch auch Ausländer erhalten Geld aus den deutschen Rentenkassen. Aber wie viele betrifft das? Und wie viel Rente bekommen die Ausländer vom Staat?

Ob man will oder nicht: Jeder in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zahlt in die Rentenversicherung ein – unabhängig von der Staatsbürgerschaft. Die Deutsche Rentenversicherung erklärt: „Damit können auch Ausländer deutsche Rentenansprüche erwerben.“ Aber wie viele Menschen haben das gemacht? Und: Bekommen auch Ausländer Rente, die gar nicht eingezahlt haben?

Das Arbeitsministerium erklärt auf Anfrage: Ansprüche auf Rente hat, wer auch eingezahlt hat. „Dabei spielt die Nationalität keine Rolle.“ Voraussetzung ist stattdessen das Erreichen eines bestimmten Alters und die Erfüllung einer bestimmten Wartezeit. Ansprüche können dann frühestens nach fünf Jahren Beitragszahlung und dem Erreichen des gesetzlich vorgeschriebenen Renteneintrittsalters entstehen, das je nach Art der Altersrente, zwischen 63 und 67 Jahren variiert.

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Wenn Ausländer weniger als fünf Jahre in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben, können Beiträge in den Rentenversicherungssystemen anderer Länder hinzugerechnet werden. Die Rente aus diesen Beiträgen zahlt das jeweilige Land dann selbst.

Voraussetzung: Mit dem Herkunftsland besteht ein Sozialversicherungsabkommen. Kommen Ausländer aus der EU, Island, Norwegen, Liechtenstein, der Schweiz oder Großbritannien, werden ihre dortigen Einzahlungen so gewertet, als hätten sie in die deutschen Rentenkassen eingezahlt.

Ein Beispiel: Ein Versicherter hat drei Jahre in Deutschland gearbeitet und 20 Jahre in Frankreich. Für die Wartezeit von fünf Jahren werden die Jahre in Frankreich hinzugerechnet. Der Versicherte hat dann also insgesamt 23 Beitragsjahre. Er bekommt aus Deutschland eine Rente aus seinen drei Jahren Beschäftigung in Deutschland und aus Frankreich eine Rente aus den dortigen 20 Jahren Beschäftigung.

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Auch mit vielen außereuropäischen Industriestaaten gibt es entsprechende Abkommen, beispielsweise den USA, Australien, Brasilien, Kanada, Japan, Israel oder Indien. Und auch für Ausländer aus einigen Entwicklungs- und Schwellenländern wie Marokko, Indien, Serbien, den Philippinen, der Türkei oder Tunesien wird dann bei der Rentenauszahlung so gerechnet, als hätten sie in das deutsche Rentensystem eingezahlt.

Beiträge in Ländern ohne Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland werden in der Deutschen Rentenversicherung nicht berücksichtigt.

Von dieser Regelung gibt es zwei Ausnahmen.

Insgesamt kassieren so 1.462.874 Ausländer in Deutschland eine Rente. Ziemlich genau eine Million davon beziehen eine übliche Altersrente. Hinzu kommen knapp 171.000 Erwerbsminderungsrenten und circa 290.000 Personen beziehen Hinterbliebenenrente.

Die Höhe einer deutschen Rente richtet sich grundsätzlich danach, wie viel und wie lange man eingezahlt hat – wie bei deutschen Arbeitnehmern auch. Im Schnitt erhalten Ausländer eine Altersrente von 825 Euro im Monat, wie die Deutsche Rentenversicherung auf Anfrage mitteilte. Zum Vergleich: Ein deutscher Rentner erhielt 2022 nach 45 Beitragsjahren durchschnittlich 1.543 Euro.

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