Berlin  Elton, Raab und der Anzeigenhauptmeister: Schlammschlacht um ProSieben und RTL

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 13.04.2024 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Elton darf bei Prosieben nicht mehr Raabs Show „Schlag den Star“ moderieren. Foto: picture alliance / dpa | Christian Brodack
Elton darf bei Prosieben nicht mehr Raabs Show „Schlag den Star“ moderieren. Foto: picture alliance / dpa | Christian Brodack
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Hat ProSieben den Moderator Elton schäbig behandelt? Revolutioniert Stefan Raab das Fernsehen? Ist der Anzeigenhauptmeister nur eine Erfindung? All das kursiert gerade auf Instagram und am Boulevard. Wir erklären das Chaos.

Stefan Raabs neue TV-Formate sind Zukunftsmusik. Elton hat seine letzte Show schon moderiert – zumindest bei ProSieben. Und obwohl damit gerade gar nichts läuft, ist das Fernsehen spannend wie nie. Weil Elton, Raab und ProSieben jeden Tag neue Verwirrung stiften. Für alle, die jetzt erst einsteigen: ein Who‘s who zur TV-Intrige.

Als Stefan Raab 2015 in Rente ging, war der Schrecken groß und unbegründet. Hinter der Kamera machte er schließlich weiter. Und davor hatte ProSieben perfekte Nachfolger installiert: Joko und Klaas sind genauso innovativ, gewinnen aber mehr Grimme-Preise. Am Osterwochenende hat Raab sich nun zurückgemeldet – mit zwei Instagram-Videos, in denen er ungewöhnlich dick aussieht. War er wirklich mal so mopsig? Oder ist das eine Maske? Man erinnert sich ja kaum an den Mann. Dass Raabs Instagram-Account seitdem auf fast drei Millionen Follower hochschießt, verdankt sich allerdings nicht seiner Plauze, sondern der Andeutung eines Bildschirm-Comebacks. Eine Neuauflage des Boxkampfs mit Regina Halmich hat Raab offiziell bestätigt. Die Branche aber spekuliert über mehr.

Der TV-Moderator Elton hat seine Karriere als Raabs Praktikant begonnen. Für die Instagram-Videos kehrt er zur Rolle des Stichwortgebers zurück. Obwohl er sich längst emanzipiert hatte. Mit „1, 2 oder 3“ ist er zum öffentlich-rechtlichen Kinderonkel gereift. Bei den Privaten trägt er alte Raab-Shows auf. „Schlag den Besten“ zum Beispiel. Das läuft inzwischen bei RTL – was ProSieben so ärgert, dass der Sender Elton jetzt als „Schlag den Star“-Moderator schasst. Darüber klagt der wiederum via Social Media. „Sprachlos, wütend, aber vor allem extrem traurig“, ist er. Vom Rauswurf will er erst auf Nachfrage erfahren haben. Und eine Abschiedsshow kriegt er auch nicht! Elton trauert. Und wieder läuft das Internet heiß.

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Mit rund 60.000 Reaktionen wird Eltons Gefühlsausbruch der erfolgreichste deutsche Facebook-Post der Woche. Auch auf Instagram hagelt es Likes und Kondolenzschreiben: Kai Pflaume tröstet. Armin Rohde droht ProSieben, für immer abzuschalten. Martin Rütter, als Hundetrainer auch Kommunikationsexperte, moniert das Führungsverhalten des Senderchefs. Eltons eigene Kommunikation dagegen wirkt: Als Aufmerksamkeitsmotor ist sein Textbeitrag so wirksam wie die aufwändig produzierten Raab-Videos. Ob wirklich alles gelaufen ist, wie er schreibt, spielt keine Rolle mehr.

Ein halbes Jahr ist Hannes Hiller ProSieben-Chef – und hat schon das Image ramponiert. Der Sender gilt eigentlich als Oase der Selbstironie, dank immer neuer Gags, die erst Raab, dann Joko und Klaas über sich selbst, die Werbekunden und das gesamte Privatfernsehen gemacht haben. Nun schickt Hiller Elton vom Platz, weil der den falschen Verein unterstützt. So drückt Hiller selbst es im Branchendienst „dwdl.de“ aus. Der Fußballvergleich ist volksnah – aber auch falsch, vor allem bei einem Sender, für den Raab mal die Show „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ erfunden hat. Das bedeutete: „Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf“ – ein Witz auf Kosten der RTL-Konkurrenz, die einen DSDS-Kandidaten nicht bei ProSieben singen lassen wollte. Moderator war damals: Elton. Der Mann, den ProSieben jetzt nicht bei RTL singen lässt.

Hillers Vorgänger wäre so ein Patzer nicht passiert. Unter Daniel Rosemann haben Joko und Klaas einmal eine volle Viertelstunde nichts anderes gezeigt als den Livestream des zeitgleich laufenden RTL-Programms. Rosemann hat ProSieben erst im Herbst verlassen und mit Stefan Raab eine Firma gegründet. Die „Raab Entertainment“ produziert jetzt den Halmich-Kampf und eine tägliche RTL-Show zur Fußball-EM. Über weitere Pläne kursieren die fantastischsten Gerüchte. Laut „dwdl.de“ ist ein Rettungskonzept für den Eurovision Song Contest in Arbeit. Die „Bild“ will wissen, dass Raab das Fernsehen komplett revolutioniert – mit einem Streamingdienst, der hochformatige Shows aufs Handy liefert.

Kurz nach den Raab-Videos tauchte eine professionell produzierte Parodie auf – beim Instagram-Account des „Anzeigenhauptmeisters“. Das ist ein Teenager, dessen Kampf gegen Falschparker gerade die Boulevardmedien beschäftigt. Hat Raab etwas mit ihm vor, wie die „Bild“ hoffnungsvoll fragt? Ist der Junge gar eine Erfindung von Raab, wie der „Stern“ grübelt? Vielleicht. Aber vielleicht ist er auch nur ein Trittbrettfahrer. Davon gibt es nämlich viele.

Raabs Instagram-Account ist seit Ostern auf fast drei Millionen Follower angewachsen. Mit drei Posts hat er zwei Millionen Likes geholt. Das macht auch andere gierig, die unter den Posts jetzt mitkommentieren: Die Firma Deichmann etwa verspricht, Raab die Schuhe zu imprägnieren – und erntet unvorstellbare 20.000 Likes. Sophia Thomalla bettelt um die Moderation der Halmich-Show: 17.000 Likes. Bei so viel Schamlosigkeit kann einem schlecht werden. Aber auch dafür findet sich was: Die Magen-Darm-Pharma-Marke Iberogast drängelt sich nämlich auch in die Kommentarspalte und bietet ihre Hilfe an. Falls Raab wegen des Boxkampfs nervösen Brechdurchfall bekommt.

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