Leeranerin gibt Einblicke Bestatterin ist für Marie Janssen ein Traumberuf
Sie ist täglich mit dem Tod konfrontiert. Bestatterin ist für Marie Janssen aus Leer trotzdem ein Traumberuf. Die 23-Jährige erzählt, warum sie keine Angst vor dem Tod hat und was sie glücklich macht.
Leer - Mit Freunden Party machen, Reiten und Motorradfahren – stets gut gelaunt und meist mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Marie Janssen genießt ihr Leben in vollen Zügen. „Ich bin rundum glücklich“, strahlt die 23-Jährige. Sie weiß, wie schnell alles vorbei sein kann. In ihrem Beruf hat sie fast tagtäglich mit Tod, trauernden Menschen und mitunter schlimmen Unfällen zu tun. 2019 besuchte diese Zeitung die Leeranerin während ihrer Lehrzeit in Emden. Inzwischen hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seit zwei Jahren als Bestattungsfachkraft beim Bestattungsinstitut Feldmann in Leer.
In der 10. Klasse hat sie ein Schulpraktikum bei einem Bestattungsunternehmen gemacht. „Ich wusste damals schon, dass das mein Traumberuf ist“, sagt die blonde Frau mit den blauen Augen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. „Der Beruf ist so interessant, weil er so viele Facetten hat“, sagt sie. Auch mit schlimmen Situationen wird sie manchmal konfrontiert. „Wenn ein Kind stirbt oder ein junger Mensch Suizid begeht, ist das etwas anderes, als wenn ein alter Mensch stirbt, der sein Leben gelebt hat“, findet Marie Janssen, „das geht einem schon nahe, da kann man noch so viel Routine haben. Wenn mich sowas kalt lassen würde, wüsste ich, dass ich den Beruf wechseln muss.“ Solche Situationen zu verarbeiten, dabei helfen ihr die Kollegen. „Wir sind ein ganz tolles Team, fast wie Freunde oder Familie.“
Mit dem Verlust abschließen
Nach tödlichen Unfällen Verstorbene mit dem Leichenwagen abholen, die Toten waschen und ankleiden – all das zählt zu ihren Aufgaben. „Dass die Angehörigen am offenen Sarg Abschied nehmen können, ist wichtig, um den Tod begreifen und irgendwann auch damit abschließen zu können“, weiß Janssen. Ihr Anspruch sei es dabei, die Verstorbenen für die Hinterbliebenen so herzurichten, wie sie sie zu Lebzeiten kannten. „Es soll für sie der schönste letzte Anblick sein.“
Einem Toten den Drei-Tage-Bart zu stutzen, Fingernägel zu lackieren und mit speziellem Camouflage-Makeup Hämatome im Gesicht verschwinden zu lassen ist für Marie Janssen nichts Ungewöhnliches. Unheimlich oder ekelig findet sie das nicht. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man einem Verstorbenen einen würdevollen Abschied bereiten kann.“ 2020 hat Marie Janssen einem engen Freund die letzte Ehre erwiesen, auch wenn es schwer war. „Er ist bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen“, erzählt sie, „drei Tage vorher habe ich ihn noch getroffen.“
Neue Aufgabe: Trauerrednerin
Die Angehörigen zu unterstützen, sei aber ebenfalls eine wichtige Aufgabe für Bestatter. Für die Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, sei es eine Entlastung, wenn sie sich in der schweren Zeit nicht um Behördenangelegenheiten kümmern müssten. Sterbeurkunden beantragen, Versicherungen ummelden und die Beisetzung organisieren, das nehmen Marie Janssen und ihre Kollegen den Hinterbliebenen ab. Bei Bedarf organisiert sie auch die Trauerfeiern. „Da bin ich jedes Mal nervös. Man will ja, dass alles 100-prozentig klappt“, erzählt sie und erinnert sich an an eine technische Panne. Die hat sie aber elegant gelöst. „Im Hintergrund sollte ein Orgelstück gespielt werden, doch irgendwie hat die Technik versagt. Da hab‘ ich einfach „So nimm denn meine Hände“ A Cappella gesungen“, lacht sie.
Inzwischen ist Marie Janssen auch Trauerrednerin. „Ich bin eher durch Zufall dazu gekommen.“ Im Trauergespräch habe eine Familie sie gebeten, die Trauerrede zu halten. „Da konnte ich ja nicht ,nein’ sagen.“ Dabei die richtigen Worte zu finden und die passende Musik einfließen zu lassen, sei schon eine Herausforderung. Doch die 23-Jährige hat große Freude daran gefunden. „Ich habe inzwischen so viele positive Rückmeldungen bekommen“, freut sie sich, „die Dankbarkeit und Zufriedenheit der Angehörigen sind der eigentliche Lohn meiner Arbeit, der mich so glücklich macht.“
Wirkt es sich auch auf ihr eigenes Leben aus, dass sie ständig mit Tod und Trauer konfrontiert wird? „Viele Leute haben Angst vor dem Tod und leben auch so“, sagt Marie Janssen, die zum Tod eine eher nüchterne Einstellung hat. Sie selbst glaube weder an Gott, noch an ein Leben nach dem Tod. „Ich habe keine Angst vor dem Tod und verzichte nicht auf etwas, weil es gefährlich ist wie Motorradfahren oder Reiten.“ Wie sie selbst einmal beigesetzt werden will, weiß sie schon. „Ich möchte ganz klassisch erdbestattet werden in einem weißen Hochglanzsarg mit silbernen Beschlägen.“