Polizei erklärt Zahlen  Stadt Leer ist bei Unfällen trauriger Spitzenreiter

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 12.04.2024 15:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wenn etwas schief geht, werden sie gerufen: Die Polizei Leer/Emden hat die Zahlen rund um den Verkehr und Unfälle vorgestellt. Foto: Wolters/Archiv
Wenn etwas schief geht, werden sie gerufen: Die Polizei Leer/Emden hat die Zahlen rund um den Verkehr und Unfälle vorgestellt. Foto: Wolters/Archiv
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Die Polizei stellte die Verkehrsstatistik vor. Die Stadt Leer ist ein trauriger Spitzenreiter. Aber auch eine Altersgruppe und eine Substanz fielen leider besonders auf.

Leer - Es geht um mehr als Zahlen, es geht darum, zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen. Das wurde auch in diesem Jahr besonders deutlich, als die Polizeiinspektion Leer/Emden die Zahlen zur Verkehrssicherheit 2023 vorstellte. Polizeioberrätin und stellvertretende Leiterin Frida Sander und Leiter Einsatz und Verkehr Günter Jelting stellten umfangreiche Daten vor. Nicht zuletzt erklärten sie, welche Schlüsse die Polizei aus den Zahlen ziehen wird.

Wir fassen die wichtigsten Themen zusammen. Zu einigen davon wird es in den kommenden Wochen noch Berichte geben.

Wie viele Unfälle gab es?

Die unschöne Nachricht vorweg: Die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle ist im Vergleich zu 2022 gestiegen. So wurden im Jahr 2023 4302 Unfälle aufgenommen. Dies entspricht einer Steigerung von 6,96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2022: 4022). Allerdings entwickeln sich die Zahlen damit wieder auf ein Vor-Pandemie Niveau, erklärte Günter Jelting. Zum Vergleich: 2019 wurden 4228 Unfälle aufgenommen, 2018 waren es 4298 Unfälle.

„Dazu muss man wissen, dass die Verkehrsdichte immer weiter zunimmt“, sagt Günter Jelting. „Und wenn mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, steigt auch die Unfallzahl.“

Wie viele Menschen sind verletzt worden?

Und wenn die Unfallzahlen steigen, tun es oft auch die Zahlen der Verletzten. In 2023 verletzten sich 955 Menschen leicht (2022: 922), 148 wurden schwer verletzt, das heißt, dass sie ins Krankenhaus mussten, (2022: 144), elf Menschen starben (2022: 8). Im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 sind die Zahlen allerdings leicht gesunken.

Nachvollziehbar ist, dass es in den Stadtgebieten Leer und Emden vergleichsweise zu den meisten Unfällen kommt. Der dichte Stadtverkehr begünstigt das, erklärt die Polizei. In Leer kam es zu 938 Unfällen, in Emden zu 974. Allerdings haben sich in Leer mit 232 dabei deutlich mehr Menschen verletzt (leicht und schwer, keiner tödlich) als in Emden (172), zwei Unfälle endeten dort tödlich. Wieso verletzten sich mehr Menschen, wenn Emden doch mehr Einwohner hat? „Das führen wir darauf zurück, dass Leer aus allen Richtungen aus dem Landkreis angefahren wird. Emden hat da eher eine Art Insellage. Außerdem ist Leer eine Fahrradstadt. Zudem ist es eine Einkaufsstadt, die beispielsweise auch viele Niederländer anzieht“, so Jelting.

Auffallend sei ebenfalls, dass es auf den Autobahnen (208, 31, 28) mit vergleichsweise wenig Kilometern viele Verletzte gegeben habe. „Das lässt sich durch die höheren Geschwindigkeiten erklären“, so Jelting. 2023 haben sich 108 Menschen leicht verletzt, 16 schwer, zwei Menschen starben.

Was sind die Unfallursachen?

Nicht angepasster Sicherheitsabstand und Fehler beim Abbiegen sind auch im Jahr 2023 die häufigsten Unfallursachen. Gegenüber dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 habe der Abstand als Ursache ordentlich zugelegt, so Jelting. Jahr für Jahr stiegen die Zahlen kontinuierlich. (2019: 295; 2023: 825).

Geht gar nicht: Handy am Steuer. Symbolfoto: Pixabay
Geht gar nicht: Handy am Steuer. Symbolfoto: Pixabay
Das erkläre sich dadurch, dass sich Sachbearbeiter immer seltener damit zufrieden geben, wenn man keine genaue Ursache nennen könne und dann von den Kolleginnen und Kollegen schlicht: „Andere Ursache“ angegeben werde. „Warum ist denn jemand auf einen Wagen aufgefahren? Dafür gibt es meist zwei Gründe: Mangelnder Abstand kombiniert mit Ablenkung“, sagt er. Nach einem Unfall sage allerdings keiner zur Polizei, dass er sein Handy in der Hand gehabt hat oder aus einem anderen Grund nicht bei der Sache war.

„Aber man muss leider auch bei schweren Unfällen sagen, wenn jemand ohne rekonstruierbaren Grund in den Gegenverkehr fährt oder von der Straße herunterfährt, dass man annehmen muss, dass es eine Ablenkung gab“, so Jelting. Werde kein Dritter verletzt, gebe es allerdings wenig Gründe, das über große Ermittlungen herauszubekommen. „Wenn jemand einen Streifenwagen sieht, ist das Handy schnell weggesteckt. Aber wir werden dennoch sichtbare Kontrollen durchführen, um immer wieder ins Gedächtnis zu rücken, wie wichtig es ist, beim Fahren voll bei der Sache zu sein. Man sollte in dem Moment nur Verkehrsteilnehmender sein. Um alles andere kann man sich später kümmern“, mahnt Frida Sander.

Gleich mehrere Bäume hatte eine alkoholisierte Fahrerin in Leer erwischt. Foto: Loger/Archiv
Gleich mehrere Bäume hatte eine alkoholisierte Fahrerin in Leer erwischt. Foto: Loger/Archiv
Während auch die überhöhte Geschwindigkeit ein Thema bleibt, gibt es einen wichtiger werdenden Faktor: Alkohol und Drogen. Die Zahlen der Unfälle ist von 2019 mit 101 auf 136 im vergangenen Jahr gestiegen. „Dabei muss man sagen, dass es seit dem letzten Quartal 2023 bis heute einen gefährlichen Trend gibt: Es fahren immer mehr Menschen unter Alkoholeinfluss. Und da sprechen wir nicht über Promillewerte knapp über den Grenzen“, so Jelting. Höchstwert 3,3 Promille.

Wer verursacht die Unfälle?

Autos machen den Großteil der Verkehrsteilnehmer aus und verursachen somit auch die meisten Unfälle. Allerdings nimmt auch die Anzahl und damit auch die Verwicklungen von Pedelecs in Unfällen zu. Bei 70,28 Prozent der an einem Unfall beteiligten Fahrzeuge handelte es sich in 2023 um Autos (3514 Autos). Die Beteiligung von Pedelecs stieg bei Unfällen von 98 Fällen im Jahr 2022 auf nunmehr 129 Fälle im Jahr 2023 (Steigerung um 31,63 Prozent).

Ein schöner Trend: Es gab 2023 deutlich weniger Unfälle auf Schulwegen. „Es waren neun, sonst lagen die Zahlen um 15, 16, 17“, so Jelting.

Bei den Unfallverursachern fällt auf: Wurden im Jahr 2022 noch 141 Personen ab 65 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt, verzeichnet das Jahr 2023 163 verletzte Seniorinnen und Senioren. Im Jahr 2023 verstarben acht Personen über 65 Jahren aufgrund von der bei Verkehrsunfällen erlittenen Verletzungen, sechs von ihnen waren Unfallverursacherin oder - verursacher.

Was sind die Schwerpunkte für 2024?

Alkohol wird zunehmend zum Problem im Straßenverkehr. Symbolfoto: Pixabay
Alkohol wird zunehmend zum Problem im Straßenverkehr. Symbolfoto: Pixabay
Fazit: „Die Fahrtüchtigkeit wird also einer unserer Schwerpunkte bleiben“, so Sander. Dabei reagiere die Polizei zum einen auf die häufigeren Trunkenheitsfahrten, wolle aber auch ein Augenmerk auf körperliche Voraussetzungen legen, die teilweise mit dem Alter schwinden können.

Außerdem werde man weiter verstärkt den Fokus auf den Aspekt Geschwindigkeit legen. Auch die Ablenkung am Steuer ist ein Thema für die Polizei, bei dem sie 2024 verstärkt gegenwirken möchte.

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