Berlin  Zentralrat der Juden lobt die Auseinandersetzung mit AfD-Mann Björn Höcke

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 12.04.2024 12:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
„Oder es ist ein Gedächtnisproblem“: AfD-Politiker Björn Höcke (links) beim „Welt“-TV-Duell mit dem CDU-Kandidaten Mario Voigt. Foto: dpa/Michael Kappeler
„Oder es ist ein Gedächtnisproblem“: AfD-Politiker Björn Höcke (links) beim „Welt“-TV-Duell mit dem CDU-Kandidaten Mario Voigt. Foto: dpa/Michael Kappeler
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sieht AfD-Mann Björn Höcke nach dessen TV-Auftritt entzaubert. Höcke habe ein „trauriges Bild“ abgegeben. Der Vorsitzende des Geschichtslehrer-Verbands zeigt sich verwundert über Höckes Aussagen zur Erinnerungspolitik.

Osnabrück. In der Debatte um das TV-Duell mit dem thüringischen AfD-Spitzenkandidaten Björn Höcke hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Ausstrahlung gelobt.

„Das TV-Duell zwischen Björn Höcke und Mario Voigt hat gezeigt, dass AfD-Funktionäre immer wieder mit ihren radikalen Ansichten konfrontiert werden müssen“, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster im Gespräch mit unserer Redaktion. „Dann kann es auch helfen, wenn jemand wie Höcke im Fernsehen sich bis zur Selbstaufgabe herauszureden versucht und ein trauriges Bild abgibt.“

Man dürfe nicht dabei stehen und zuschauen, wie sich die AfD einem bürgerlichen Publikum als vermeintlich gemäßigte Partei präsentieren will, „denn das ist sie nicht“, so Schuster weiter.

Der Geschichtslehrer Niko Lamprecht, der auch Vorsitzender des Verbands der Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) ist, kritisierte derweil Höckes Aussagen zur Erinnerungspolitik. „Ich finde es sehr erstaunlich, dass Herr Höcke als ausgebildeter Geschichtslehrer von ,Lichtseiten der deutschen Geschichte’ spricht, die er betonen wolle“, so Lamprecht gegenüber unserer Redaktion. „Für einen studierten Historiker ist eine solche Formulierung ein No-Go.“ Geschichtsbücher seien nicht nach Licht und Schatten sortiert, sondern sollten die Dinge sachlich darstellen. „Vorab-Sortierungen in Gut oder Schlecht würden an Schulen ideologische beziehungsweise merkwürdige Geschichtsbücher ergeben.“

Auch Höckes Beteuerung, die SA-Parole „Alles für Deutschland“ nicht zu kennen, sei schwer nachzuvollziehen. „Entweder er hat im Geschichtsstudium bei den entsprechenden Inhalten zum Nationalsozialismus nicht richtig aufgepasst, oder es ist ein Gedächtnisproblem“, so Lamprecht.

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