Ausgebrannter Autofrachter Darf die „Fremantle Highway“ nach China?
Der ausgebrannte Frachter „Fremantle Highway“ soll in China repariert werden. Doch eine niederländische Behörde will den Transport von Rotterdam nach Fernost verhindern. Die Sache landete vor Gericht.
Den Haag/Rotterdam - Lange war unklar, was mit dem ausgebrannten Autofrachter „Fremantle Highway“ geschehen soll. Das Schiff war Ende Juli 2023 auf der Nordsee in Brand geraten und schwer beschädigt nach Eemshaven geschleppt worden. Seit September vergangenen Jahres liegt sie in Rotterdam in der Werft, wo der neue Eigner Koole Contractors das knapp 200 Meter lange Schiff wieder fahrbereit machen wollte. Vier bis fünf Monate hatte das Unternehmen für die Arbeiten veranschlagt. Nun soll die „Fremantle Highway“ für weitere Reparaturen nach China gebracht werden, wie aus einer Mitteilung der Rechtbank Den Haag hervorgeht. Das Gericht sollte über die Überführung entscheiden, die eine niederländische Behörde verhindern will.
Denn die beim niederländischen Infrastrukturministerium angesiedelte und für Umwelt- und Verkehrsfragen zuständige Inspectie Leefomgeeving en Transport (ILT) sehe die „Fremantle Highway“ aufgrund der Schäden durch den Brand als Abfallstoff an, wie es in der Mitteilung des Gerichts heißt. Und Abfall dürfe nicht einfach so übers Meer nach China transportiert werden – hierfür müssten entsprechende in Europa geltende Regeln eingehalten werden.
Behörde ILT bringt eine Reparatur in den Niederlanden ins Spiel
In Den Haag sollte das Gericht sich der Sache in einem Eilverfahren annehmen, doch eine Entscheidung gibt es vorerst nicht: Das Gericht entschied, dass das Eilverfahren nicht der korrekte Weg ist. Koole Contractors könne Einspruch an einem Verwaltungsgericht einlegen, das auf Grundlage einer besseren Aktenlage über den Transport entscheiden müsse.
Bei der ILT zeigt man sich mit dem vorläufigen Ergebnis zufrieden und beharrt darauf, dass Koole Contractors sich an die europäischen Regeln für den Abfalltransport halten müsse: „Wir sind Befürworter des Wiederaufbaus und der Wiederverwendung dieses Schiffs“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. „Der Wiederaufbau könnte möglicherweise auch in den Niederlanden stattfinden. Aber wenn KMS das Schiff im jetzigen Zustand nach China, einem Nicht-OECD-Land (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), überführen möchte, sind daran internationale Regelungen geknüpft.“
Über das weitere Schicksal der „Fremantle Highway“ ist damit noch nicht entschieden. Auf dem Frachter war in der Nacht auf den 26. Juli 2023 rund 30 Kilometer vor der niederländischen Insel Ameland ein Feuer ausgebrochen, ein Besatzungsmitglied aus Indien kam während der Evakuierung des Schiffs ums Leben. Das Unglück hatte auch in Ostfriesland die Angst befeuert, austretendes Schweröl könne an die Küste gespült werden oder das Schiff könne mitsamt seiner Fracht – knapp 3800 Fahrzeuge – in der Nordsee sinken.