Sydney Neuseeland „first“: Inselstaat erschwert Einwanderung
Nach Canberra verschärft auch Wellington seine Visabestimmungen. Dies sei eine Reaktion auf die „nicht nachhaltige“ Migration, hieß es aus Neuseeland. Die Superreichen, die in dem isolierten Inselstaat gerne einen Zufluchtsort für ein Endzeit-Szenario suchen, dürfte dies nicht betreffen.
Nach Australien macht auch Neuseeland die Einwanderung schwieriger. Als Folge auf die „nicht nachhaltige Nettomigration“ gab das Land am Wochenende bekannt, dass es seine Visabestimmungen verschärfe. Im Jahr 2023 waren noch 173.000 Menschen nach Neuseeland eingewandert.
Im Rahmen der Neuerungen gibt es neue Sprach- und Qualifikationskriterien. Außerdem wird die Dauer der Arbeitserlaubnis verkürzt. Die Änderungen am sogenannten Accredited Employer Worker Visa (AEWV)-System treten mit sofortiger Wirkung in Kraft.
Das Thema Migration richtig zu handhaben, sei „von entscheidender Bedeutung für den Wiederaufbau der Wirtschaft“ im Land, sagte die Einwanderungsministerin des Landes, Erica Stanford, am Sonntag. Neuseeland litt lange Zeit unter hoher Inflation – Lebenshaltungskosten und auch der Erwerb von Immobilien waren in Teilen des Landes für viele unerschwinglich geworden.
Neuseeland würde damit „den lokalen Arbeitsmarkt besser testen und das Risiko verringern, Neuseeländer arbeitslos zu machen“, sagte Stanford. Obwohl es in Bereichen wie der Bildung immer noch einen Fachkräftemangel gebe, müsse sichergestellt werden, „dass Neuseeländer bei Arbeitsplätzen, bei denen es keinen Fachkräftemangel gibt, an vorderster Front stehen“.
Beispielsweise müssen Arbeitgeber Stellenausschreibungen künftig mindestens 21 Tage lang veröffentlichen und erklären, „warum Neuseeländer, die sich beworben haben, nicht eingestellt wurden“. Nur einige Stellen im Transport- und Pflegesektor werden von diesen Anforderungen ausgenommen sein.
Auch der Nachbar Australien ließ im Dezember verlauten, dass die Migration „nachhaltig“ werden solle. Canberra wolle die Einwanderungszahlen künftig halbieren und ein „kaputtes“ System reparieren, hieß es damals. Nach den Jahren der Pandemie, während derer Australien seine Grenzen geschlossen hatte, waren ähnlich wie in Neuseeland Rekordzahlen an Einwanderern und internationalen Studenten ins Land gekommen.
Ende des Jahres zog Canberra dann den Gürtel enger. Die Zahlen sollten „wieder unter Kontrolle gebracht“ und die jährliche Migrationsaufnahme in den kommenden zwei Jahren um etwa 50 Prozent auf rund 250.000 reduziert werden, wie es hieß. Auch in Australien sprach man dabei von einem „nachhaltigen Niveau“ und dass Menschen mit Talenten ins Land geholt werden sollten. So soll beispielsweise ein neues Visum für hoch qualifizierte Arbeitskräfte, das eine Bearbeitungszeit von nur einer Woche hat, Unternehmen bei der Rekrutierung von Spezialisten unterstützen.
Neuseeland erregt mit jeder Änderung seiner Visabestimmungen alleine deswegen schon internationale Schlagzeilen, weil das Land zu einer Art „sicherer Hafen“ im Fall der Apokalypse geworden ist. Das Land gilt als der ideale Ort, um ein Endzeitszenario zu überleben. Dies hat inzwischen sogar die Wissenschaft bestätigt: So hieß es bei einer in der Fachzeitschrift „Risk Analysis“ veröffentlichten Studie, dass Neuseeland eines der Länder sei, wo sich ein Nuklearkrieg, ein Asteroideneinschlag oder der Ausbruch eines Supervulkans, die allesamt Sonnenlicht reduzieren würden, am besten überleben ließen.
Neuseeland schnitt dabei wie auch Australien so gut ab, da beide Nationen nicht nur landwirtschaftliche Erzeuger sind, sondern auch abseits der wahrscheinlichen Standorte nuklearer Schläge liegen, die sich vermutlich in der nördlichen Hemisphäre abspielen würden.
Zahlreiche Reiche beugen deswegen seit Jahren vor und haben für ein zweites Standbein am anderen Ende der Welt gesorgt. Die Superreichen kaufen in Neuseeland hauptsächlich Bauernhöfe und Land im idyllischen Queenstown auf der Südinsel. Aber auch Firmen und Immobilien in Auckland ziehen Investments aus dem Ausland an.
Die Tür nach Neuseeland öffnet den Superreichen die sogenannte Active Investor Plus Visa-Kategorie, die auch weiterhin zur Verfügung steht. Investiert werden müssen 15 Millionen Neuseeländische Dollar. Umgerechnet sind das über acht Millionen Euro. Die Visumsgebühr selbst liegt bei stattlichen 7900 Dollar oder fast 4400 Euro.
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Einer der Superreichen, der sich vor Jahren schon ein zweites Zuhause in Neuseeland geschaffen hat, ist der deutschstämmige Peter Thiel, ein erfolgreicher Silicon Valley-Unternehmer und einstiger Berater von Ex-US-Präsident Donald Trump. Sein neuseeländisches Haus soll er sogar mit einem speziellen Schutzraum ausgerüstet haben. Und Thiel ist bei weitem nicht der einzige Superreiche, der sich in Neuseeland eingekauft hat.
Auch „Titanic“-Regisseur James Cameron soll dort eine Bleibe haben sowie etliche andere Silicon Valley-Chefs und US-Hedge-Fonds-Manager. Google-Mitgründer und Milliardär Larry Page hat sich beispielsweise während der Pandemie ein Standbein in Neuseeland zugelegt. Laut der neuseeländischen Einwanderungsbehörde hatte Page im November 2020 das erwähnte Investorenvisum beantragt, das ihn dazu verpflichtet, Millionen in das Land zu investieren.