Berlin Cannabis aus der Apotheke: Was nach der Legalisierung einfacher ist
Die Legalisierung von Cannabis wirkt sich auch auf die Abgabe als Medikament in der Apotheke aus. Wer Cannabis auf Rezept bekommt und was die neue Gesetzeslage für Patienten bedeutet.
Seit dem 1. April können Volljährige in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal Cannabis konsumieren. Schon länger ist es möglich, Cannabis auf Rezept aus der Apotheke zu erhalten. Die neue Gesetzeslage bringt einige Vereinfachungen.
Wie das „Handelsblatt“ berichtet, erwartet der Bund Deutscher Cannabis-Patienten (BDCan), dass sich nach der Legalisierung ein signifikanter Teil des Marktes auf das Geschäft mit medizinischem Cannabis verlagert.
Patienten berichten: „Cannabis hat mir Lebensqualität zurückgegeben“
Schon seit der Liberalisierung 2017 erlebt Cannabis als Arznei einen Boom. Kranke können sich den Stoff vom Arzt verschreiben lassen, etwa gegen Spastiken bei Multipler Sklerose oder chronische Schmerzen sowie bei Beschwerden nach Krebs-Chemotherapien.
Laut dem Marktforschungsinstitut Insight Health bekamen 2023 rund 77.000 Cannabis-Patienten in Deutschland mindestens ein Rezept. Dazu kommen private Selbstzahler. Doch die Dokumentationspflichten für Ärzte sind bisher groß. Hier werde die Teillegalisierung helfen, erwartete Alessandro Rossoni, Gründer der Medizin-Cannabisfirma Nimbus Health. „Die Akzeptanz bei Ärzten dürfte steigen.“
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Cannabis wird mit der Teillegalisierung zu einem verschreibungspflichtigen Medikament und fällt nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Damit steht es etwa auf einer Stufe mit hochdosiertem Ibuprofen und Antidepressiva.
Wie Thomas Preis als Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein gegenüber dem „Handelsblatt“ angibt, sei mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Der Apotheker geht von einer Verdopplung der Privatrezepte aus.
Mit einer Zunahme von Privatverordnungen rechnet auch Christiane Neubaur vom Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), wie sie gegenüber dem „Handelsblatt“ sagt. Bei gesetzlichen Versicherten hingegen erwartet sie zunächst keine Zunahme, weil Ärzte weiterhin einen Antrag auf Kostenübernahme stellen müssten.
Jede Apotheke in Deutschland darf Cannabis-Medikamente im Sortiment haben. Laut Zahlen vom VCA machte davon jedoch nur ein Bruchteil Gebrauch. Die Zahl könnte sich künftig aber erhöhen, prognostiziert Neubaur. Welche Vorteile die Cannabis-Legalisierung für Apotheken bereithält:
Einer, der sich von der Cannabis-Legalisierung einen Aufschwung für die Branche erhofft, ist Julian Wichmann als Gründer und Geschäftsführer von Algea Care, einer Plattform für Cannabis-Behandlungen. Patienten können darüber erfahren, ob eine entsprechende Therapie für sie infrage kommt und auch Ärzte kontaktieren.
Wichmann rechnet mit einem deutlichen Wachstum bei den Patientenzahlen, wie er im Interview mit „Ippen.Media“ mitteilt. Aktuell wüssten viele potenzielle Patienten noch gar nicht, dass Cannabis für sie eine Option wäre. Der Stoff sei mit fünf bis sechs Euro pro Gramm in Apotheken bereits billiger erhältlich als auf dem Schwarzmarkt.
Mit Material von dpa