E-Autos VW Emden fährt Produktion wieder hoch – mit wochenlanger Verspätung
Gute Nachrichten für die Mitarbeiter von VW Emden: Ab Montag gibt es wieder mehr Arbeit. Allerdings mussten vorher noch ein paar Probleme gelöst werden.
Ostfriesland - Das VW-Werk in Emden hat offenbar nach wie vor Probleme mit Zulieferern. Eigentlich hätten die E-Autos ID.4., ID.7 und ID.7 Tourer schon vor drei Wochen in zwei Schichten produziert werden sollen. Nun startet die geplante reguläre Montage erst am kommenden Montag, 8. April. Bislang wurde nur in einer Schicht produziert. Grund: Die notwendigen E-Motoren aus dem VW-Werk Kassel standen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung. Das ist am Freitag offiziell bestätigt worden.
„Die Versorgungssituation ist kritisch. Wir können nicht in Ruhe Autos bauen. Das versemmelt uns die Fabrik-Ziele“, sagte der Emder VW-Betriebsratschef Manfred Wulff im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Produktionsprobleme sind für die Belegschaft nicht neu. Allein in diesem noch relativ jungen Jahr musste die Montage zwei Mal unterbrochen werden. Zuletzt Anfang März für eine Woche schon einmal wegen der Lieferengpässe; zuvor Anfang Februar für zwei Tage wegen stagnierender Nachfrage.
Was passiert nach den Sommerferien?
Ob die Versorgungssituation nun nachhaltig gelöst ist, gilt als offen. Ziel ist es laut Wulff, nach den Sommerferien im September oder Oktober täglich 800 bis 850 E-Autos in Emden vom Band rollen zu lassen. Ab Montag werden es demnach erst einmal rund 500 E-Fahrzeuge sein. Hinzu kommen ebenfalls ab Montag laut Wulff noch wie geplant täglich etwa 40 Autos vom Verbrenner Arteon Shooting Brake. „Für die Stammbelegschaft haben wir nun genügend Arbeit“, sagte Wulff. Die Zeitarbeiter hingegen hätten fast ausnahmslos Ende März das Werk verlassen müssen.
Die angepeilten 850 E-Autos pro Tag aus Emden beruhen allerdings auf Prognosen. Selbst wenn genügend Motoren aus Kassel geliefert werden können, müssen die E-Modelle schließlich auch noch verkauft werden. Das gilt derzeit jedoch wegen hoher Preise, gekürzter Kaufprämien, unsicherer Strompreise und mangelhafter Ladeinfrastruktur als schwierig.
Was hat die Prominenz aus Wolfsburg im Gepäck?
Diese Themen spielten auch beim sogenannten Standortsymposium im Emder VW-Werk eine Rolle, bei dem am Freitag auch VW-Prominenz aus Wolfsburg zu Gast war. „Die Kolleginnen und Kollegen in Emden brauchen schnell eine stabile Fahrweise“, sagte Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrates, laut einer Mitteilung. „Auf der einen Seite haben wir sicher die schwierige Situation zum Start des reinen Elektrowerkes. Auf der anderen Seite haben wir wieder eine Belegschaft erlebt, die sich – man muss schon sagen: trotz allem – durch Enthusiasmus, Ideenreichtum und große Identifikation mit dem Standort auszeichnet.“ Ihr Emder Kollege Wulff forderte bei der Gelegenheit in Richtung Vertriebs- und Marketingvorstand „mehr Anstrengungen, um mehr Kunden für unsere tollen Modelle zu überzeugen“.
Wie Wulff machte sich auch der Emder Werksleiter Uwe Schwartz für eine verlässliche Produktion stark. „Wir befinden uns momentan in herausfordernden Zeiten, die uns als Mannschaft viel abverlangen. Klare Botschaft ist, dass wir als Emder Standort jetzt Stabilität in Auslastung und Fahrweise benötigen“, wird Schwartz in einer Mitteilung zitiert.
Wie sieht die nahe Zukunft der E-Mobilität aus?
Gunnar Kilian, Personalvorstand des gesamten Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg und am Freitag ebenfalls in Emden zu Besuch, sprach der Emder Belegschaft trotz aller Widrigkeiten Mut zu: „Durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen und Investitionen in Aus- und Weiterbildung haben wir unsere Mannschaft fit für die Mobilität der Zukunft gemacht“, sagte Kilian. „Denn mit den Fähig- und Fertigkeiten unseres Teams ermöglichen wir eine nachhaltige Fabrik, nachhaltig angetriebene Fahrzeuge und vor allem eine nachhaltige Zukunft für Volkswagen und damit auch für die beruflichen Perspektiven der Belegschaft.“
Die Marktlage ist hingegen noch gemischt. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stehen bei Autofahrerinnen und Autofahrern weiterhin hoch im Kurs. Dies geht aus der jährlichen Autoumfrage der Targobank hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach würden bei einem Autokauf 68 Prozent der Befragten einen Verbrenner einem E-Auto vorziehen (2023: 72 Prozent). Zugleich finden aber auch 31 Prozent, dass Verbrennungsmotoren nicht mehr zeitgemäß sind.