Zu Besuch bei Kenos Playground  Die Spielwiese des „Schwatten Ostfrees Jung“

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 08.04.2024 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
„Das ist das Auto, mit dem mich jeder kennt“, sagt Keno Veith über den Volkswagen Corrado, mit dem er auch an Rennen teilnimmt.
„Das ist das Auto, mit dem mich jeder kennt“, sagt Keno Veith über den Volkswagen Corrado, mit dem er auch an Rennen teilnimmt.
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Ab Mittwoch sieht man Keno Veith unter der Sonne Thailands im TV-Format „Kampf der Realitystars“. Da geht es um Sendezeit. In Ostfriesland geht es für ihn vor allem um Pferdestärken.

Hinrichsfehn - In einer eigentlich unscheinbaren Halle in einem Wiesmoorer Gewerbegebiet hat sich Keno Veith einen Traum erfüllt: Diese Werkstatt ist eine Spielwiese für PS-Enthusiasten. Es ist Arbeitsbereich und Lebensraum zugleich, Treffpunkt und Rückzugsort. Es gibt eine Bar, einen Trainingsbereich mit Gewichten, DJ-Equipment – dazu jede Menge „positive Vibes“ und viele Motoren, unter anderem in Form einer Harley Davidson, eines monströsen amerikanischen Pick-ups und eines Rennwagens. Hier lebt und tobt der 43-Jährige sich aus. „Kenos Playground ist mein größtes Projekt.“

Immer in Bewegung: Keno Veith braust mit diesem Stapler, einer sogenannten Ameise, durch seine Werkstatt.
Immer in Bewegung: Keno Veith braust mit diesem Stapler, einer sogenannten Ameise, durch seine Werkstatt.

Zu sehen ist das teilweise auf Social Media. Allein auf Instagram folgen Keno Veith mehr als 150.000 Menschen, dazu kommen andere Plattformen. „De Schwatten Ostfrees Jung“ wurde 2017 über Nacht zur Internetberühmtheit, nachdem er sich bei der Arbeit als Lohner mit seiner Landmaschine bei der Maisernte im Acker festgefahren hatte. Er schimpfte auf Plattdeutsch – das Video ging viral. „Heute sind es mehr als 20 Millionen Klicks auf dem Video.“ Veith konnte sich seither eine große Fangemeinde aufbauen, ist auf Landwirtschafts- und Automessen unterwegs und immer wieder in TV-Formaten zu sehen. Beispielsweise testet er Gadgets für die Pro-Sieben-Wissensshow „Galileo“.

Auch eine Bar gibt's im Playground. Ihr Besitzer verbindet hier Privates und Berufliches miteinander. Foto: Ortgies
Auch eine Bar gibt's im Playground. Ihr Besitzer verbindet hier Privates und Berufliches miteinander. Foto: Ortgies

„Ich musste nichts machen – außer ich sein“

Zuletzt brachte seine Bekanntheit ihn nach Thailand: Dort drehte er für RTL 2 „Kampf der Realitystars“, sein wie er selbst sagt, erstes Reality-TV-Format. Sendestart ist am Mittwoch, 10. April 2024. Los geht‘s um 20.15 Uhr. „Es wird geil“, freut sich Keno Veith auf die Ausstrahlung der ersten Folge. Es wird auch für ihn eine Überraschung, wie er in der Show rüberkommt, verrät er. „Du weiß nicht, was gezeigt wird.“ Gedreht wurde im Januar. Vier Wochen Thailand bei „34 Grad und Sonnenschein“. Das sei für ihn Grund genug gewesen für eine Zusage: „Im Januar geht doch sowieso nix.“ Größter Antrieb sei die Neugier des Ostfriesen gewesen. Das Format ist nach dem RTL-Dschungel das Format mit der höchsten Einschaltquote. „Das Wichtigste war: Ich musste nichts machen – außer ich sein.“

Ein Dodge Ram gehört in zum Fuhrpark des Kult-Ostfriesen. Der ist das einzige Fahrzeug, das auch mal dreckig sein darf. Denn Keno Veith liebt es schier.
Ein Dodge Ram gehört in zum Fuhrpark des Kult-Ostfriesen. Der ist das einzige Fahrzeug, das auch mal dreckig sein darf. Denn Keno Veith liebt es schier.

Er hat es nicht bereut: „Das ist wie Klassenfahrt“, verrät er. Nur, dass er seine Mitstreiter vorher gar nicht kannte – was aber offenbar auf Gegenseitigkeit beruhte. Während die anderen sich untereinander alle vorher schon kannten, kannte er nur Isi Glück. Die habe er mal bei einer gemeinsamen Veranstaltung getroffen. Das hatte auch Vorteile für den offenen Ostfriesen: „Ich war unvoreingenommen. Es hat mega Spaß gemacht.“ Und Zeit sei ja nun wirklich genug gewesen, erzählt er lachend. Ob es Zoff im Paradies gab, dazu verrät er nichts. Nur so viel: „Ich komme mit Menschen jeglicher Art klar.“ Das aber dürfte nicht für jeden der Teilnehmer gelten.

Das sind einige der Teilnehmer der fünften Staffel „Kampf der Realitystars“ (oben, von links): Theresia Fischer, Tanja Tischewitsch, Kevin Schäfer, Valencia Stöhr, Cecilia Asoro, Keno Veith und Maurice Dziwak sowie (unten) Calvin Kleinen, Elsa Latifaj, Noah Cremer und Ben Tewaag. Foto: RTLZWEI - Luis Zeno Kuhn
Das sind einige der Teilnehmer der fünften Staffel „Kampf der Realitystars“ (oben, von links): Theresia Fischer, Tanja Tischewitsch, Kevin Schäfer, Valencia Stöhr, Cecilia Asoro, Keno Veith und Maurice Dziwak sowie (unten) Calvin Kleinen, Elsa Latifaj, Noah Cremer und Ben Tewaag. Foto: RTLZWEI - Luis Zeno Kuhn

Knast oder Magen-OP?

Nach dem Ausflug ins Reality-TV blieb für den Ostfriesen allerdings ein winziger negativer Beigeschmack: „Ich mach seit sieben Jahren Dokus – und alles ist gut.“ Jetzt habe es erstmals negative Kommentare im Sinne von: „Hast du das nötig?“ gegeben. Und schlimmer noch: Nur drei Menschen waren informiert, wohin Veith im Januar entschwunden war. Er habe seiner Community angekündigt, dass er sich eine Auszeit nehmen wolle. Online mehrten sich die Gerüchte, er habe sich einer Magen-OP unterzogen. „Ich habe mich bepisst vor Lachen. Aber es ist auch traurig, was die Leute über einen denken. Es gingen Gerüchte rum: ‚Keno sitzt im Gefängnis‘.“

In Kenos Playground verbindet Keno Veith Arbeit und Vergnügen. Neben seinen Fahrzeugprojekten gibt es hier unter anderem einen Bereich, in dem er Gewichte stemmt.
In Kenos Playground verbindet Keno Veith Arbeit und Vergnügen. Neben seinen Fahrzeugprojekten gibt es hier unter anderem einen Bereich, in dem er Gewichte stemmt.

Der Hüne nimmt‘s gelassen. Er ruht in sich, weiß um seinen Marktwert. „Ich hab‘s geschafft, aus einem 58-Sekunden-Clip eine Marke zu machen.“ Und dabei sei er stets „real“, also vollkommen authentisch, unterstreicht er. Bis heute dreht sich bei dem gebürtigen Wittmunder alles um Pferdestärken, beruflich und auch sonst. „Es ist eine Nische“, sagt der gelernte Land-Kfz-Mechaniker selbst. Auch darum nutze er Chancen wie den „Kampf der Realitystars“, um auch andere Zuschauer zu erreichen. Seine Kindheit in Asel, einem Wittmunder Stadtteil, war geprägt von der Landwirtschaft. Seinen Lebensunterhalt verdient er noch heute als Lohner. Viele wüssten das nicht. „Mein Weg ist knechten: Stunden, Stunden, Stunden.“

Kenos Playground ist Arbeitsbereich und Lebensraum zugleich, Treffpunkt und Rückzugsort.
Kenos Playground ist Arbeitsbereich und Lebensraum zugleich, Treffpunkt und Rückzugsort.

„Die Leute denken, ich habe x Millionen auf dem Konto“

Etwa zehn Fahrzeuge stehen derzeit im Playground. „Ich bin ein Oldtimer-Typ, kauf auch viele Scheunenfunde.“ Das ist Teil seines Business. Der Mechaniker restauriert oder tunt Karren, teils mithilfe anderer Dienstleister, und verkauft sie wieder. „Ich hab über viele Jahre ein Netzwerk aufgebaut.“ In seinem Playground bietet Keno Veith das „Rundum-Sorglos-Paket“ an: Aufbereitung, Überführung, Chip-Tuning oder Folierung. Denn bei all der Bekanntheit, die Veith über seine Internetpräsenz erlangt hat, verdient er damit eigenen Angaben zufolge aber doch kein Geld. „Die Leute denken, ich habe x Millionen auf dem Konto.“ Das sei Quatsch, versichert er lachend. „Das ist alles unbezahlt. Ich verdiene kein Geld durch Klicks.“ Und das, obwohl 50.000 Leute pro Tag seine Instagram-Story sehen würden. Zu Kopf gestiegen scheint ihm das nicht: „Ich seh mich nicht als Star. Ich bin einfach Keno.“

Keno Veith wird oft auch der ostfriesische Mr. T genannt. Ein Spitzname, den er seit der Kindheit trägt. Fotos: Ortgies
Keno Veith wird oft auch der ostfriesische Mr. T genannt. Ein Spitzname, den er seit der Kindheit trägt. Fotos: Ortgies

Seinen Lebensunterhalt verdiene er auch nach wie vor durch die Arbeit auf dem Trecker. Außerdem durch Moderationen, Auftritte als Teil eines DJ-Duos und über Werbedeals, die aus seiner Bekanntheit resultieren. Ein bunter Mix. „Alles, was ich mache, mache ich mit Leidenschaft. Es wird niemals langweilig.“ Dafür sorgen auch Teilnahmen an Autorennen: „Ich steh auf Leistung“, sagt der 43-Jährige mit einem breiten Grinsen. „Ich liebe große Maschinen.“ Ein Drag Race bringt sein Blut in Wallung: „Adrenalin pur.“ Seinen Volkswagen Corrado, Baujahr 1991, hat er dafür eigenhändig Stück für Stück aufgebaut. „Das ist das Auto, mit dem mich jeder kennt.“

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