Wolfsburg  Warum VW den Verkauf seines E-Autos ID.6 in Deutschland verbietet

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 05.04.2024 12:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zur E-Autopalette von Volkswagen gehört auch der ID.6. Allerdings ist er nur für den chinesischen Markt erhältlich. Foto: IMAGO/Pond5 Images
Zur E-Autopalette von Volkswagen gehört auch der ID.6. Allerdings ist er nur für den chinesischen Markt erhältlich. Foto: IMAGO/Pond5 Images
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Volkswagen weitetet seine Palette an E-Autos zunehmend aus. Neben Modellen wie ID.3, ID.4, ID.5, ID.7 und ID. Buzz bietet der Wolfsburger Autohersteller auch den Elektro-SUV ID.6 an – allerdings nur für den chinesischen Markt. Einem Autohändler aus Berlin wurde das nun zum Verhängnis.

Nicht nur bei Autos mit Verbrennungsmotor sind SUV-Varianten äußerst beliebt. Auch bei E-Autos legen viele Kunden in Deutschland Wert auf große Modelle mit viel Platz. Insofern wäre der VW ID.6 eigentlich perfekt geeignet für den hiesigen Fahrzeugmarkt. Das SUV bietet Raum für sieben Menschen, verfügt über einen Elektroantrieb mit 306 PS und hatg eine Reichweite von 588 Kilometern.

Doch Volkswagen möchte den ID.6 nicht in Deutschland beziehungsweise in Europa zum Verkauf anbieten. Der Grund: Das Modell ist ausschließlich für den chinesischen Markt vorgesehen. Mit welcher Vehemenz der Wolfsburger Autohersteller diese Strategie verfolgt, musste nun ein Händler aus Berlin erfahren.

Kraftfahrt-Bundesamt gab grünes Licht

Gregory Brudny, der international mit Autos handelt, ließ insgesamt 22 Exemplare des ID.6 über einen chinesischen Händler nach Deutschland importieren, um sie zu verkaufen. „Das war kein Schmuggel, alles war legal“ erklärte der Unternehmer in einem Beitrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).

VW bietet den ID.6 in den Varianten X und Cross an. Foto: IMAGO/VCG
VW bietet den ID.6 in den Varianten X und Cross an. Foto: IMAGO/VCG

Demnach habe er sich um alle Zollformalitäten gekümmert und die Autos an die europäischen Zulassungsvorschriften anpassen lassen. Schließlich gab auch das Kraftfahrt-Bundesamt grünes Licht. Doch Brudnys Plan, den VW ID.6 für rund 40.000 Euro hierzulande zu vertreiben, ging nicht auf – aufgrund einer Intervention von Volkswagen.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen will der Autohersteller seine deutschen Werke in der Produktion schützen. So ist beispielsweise das Werk in Zwickau, wo der ID.3 produziert wird, derzeit nur zu 60 Prozent ausgelastet. Jeglicher Wettbewerb – auch aus den eigenen Reihen – könnte den Standort Deutschland gefährden.

22 Autos beschlagnahmt

Zum anderen warb Gregory Brudny als markenunabhängiger Händler sowohl mit dem VW-Logo als auch mit der Modellbezeichnung ID.6. Volkswagen sieht hierbei seine Markenrechte verletzt. Die Folge: Die 22 Modelle wurden beschlagnahmt und stehen derzeit auf einem Industriegelände in Brandenburg. Dadurch verlieren sie mit jedem Tag nicht nur an Wert. Volkswagen fordert eine Verschrottung der importieren Autos.

Von der Größe her entspricht der ID.6 dem Elektro-Bulli ID. Buzz. Doch der ist mit einem Preis von rund 70.000 Euro deutlich teurer. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Von der Größe her entspricht der ID.6 dem Elektro-Bulli ID. Buzz. Doch der ist mit einem Preis von rund 70.000 Euro deutlich teurer. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Volkswagen geht es bei seinem verhängten Importverbot nach eigenen Angaben auch um die Interessen seiner Kunden. „Die für und in China produzierten und dort verkauften ID.-Modelle sind aufgrund ihrer Hard– und Software-Konfiguration im europäischen Raum nicht zulassungsfähig“, erklärte der Konzern gegenüber dem Magazin „Auto, Motor und Sport“.

Dabei gehe es unter anderem um das Hochvolt-Batteriesystem, wesentliche Teile der Fahrzeug-Software und das Entertainment-System. Zudem fehle das in der EU vorgeschriebene automatische Notrufsystem E-Call. Hinzu komme, dass sich der Service bei importieren Autos häufig schwierig gestalte, gleiches gelte für Ersatzteile.

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