Freiburg  Missbrauchsgefahr: Experten fordern Abschaffung der Kinderbeichte

KNA User, Lorena Dreusicke
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Von KNA User, Lorena Dreusicke
| 02.04.2024 21:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Beichtstuhl und was darin mit Kindern passiert, könnte Übergriffe begünstigen, meint eine Expertenkommission. Foto: IMAGO/Funke Foto Services
Der Beichtstuhl und was darin mit Kindern passiert, könnte Übergriffe begünstigen, meint eine Expertenkommission. Foto: IMAGO/Funke Foto Services
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Die Freiburger Aufarbeitungskommission sieht bei der katholischen Beichte die Gefahr von Grenzverletzungen gegenüber Kindern. Sie empfehlen, Erstkommunion und Erstbeichte zu entkoppeln.

Ein Grundschulkind, das alleine mit einem zölibatären Priester in einem Raum sitzt und ihm seine Geheimnisse offenbaren soll – diese Vorstellung gruselt manche Eltern vor dem Hintergrund tausender sexueller Übergriffe in christlichen Kirchen. Die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Freiburg fordert nun tatsächlich den Verzicht auf Kinderbeichten.

Eine Studie habe gezeigt, dass die Kinderbeichte zu einem „Anbahnungsort von sexuellem Missbrauch“ werden könnte, heißt es in den am 20. März veröffentlichten Empfehlungen der Kommission. Die Beichtsituation könnte wegen des Näheverhältnisses von Kind und Priester „die Möglichkeit eines grenzverletzenden manipulativen Umgangs mit Kindern und Minderjährigen eröffnen“.

Die Experten verlangen, Kinder nicht schon bei der Vorbereitung auf ihre Erstkommunion im Alter von acht oder nein Jahren zur ersten Beichte einzuladen. Sinnvoller sei es, damit bis zur Firmung im Alter von 15 oder 16 Jahren zu warten. Es sei fraglich, ob junge Kinder bereits ein entsprechendes Schuld- und Sündenbewusstsein für das Bußsakrament entwickeln könnten. Sie rufen das Erzbistum Freiburg zu entsprechenden Neuregelungen auf.

Die Freiburger Gemeinde Südwest hat die Kinderbeichte bereits vor Jahren abgeschafft, berichtet Pfarrer Siegfried Huber dem SWR. Für diese Entscheidung habe weniger der Missbrauchsskandal und mehr die Tatsache eine Rolle gespielt, dass Grundschüler meist noch nicht ausreichend Schuld und Sünde reflektieren könnten. „Bei der Beichte geht es eher darum: Was sind Dinge, die dauerhaft zwischen mir und anderen Menschen stehen? Und das gibt es im kindlichen Bereich eher weniger“, sagt Huber.

Die Beichte hat als Bußsakrament in der katholischen Kirche eine große Bedeutung. Gläubige bekennen im Beichtgespräch mit einem Priester eigene Fehler und drücken ihre Reue aus. Der Priester spricht den Gläubigen danach im Auftrag Gottes von seinen Sünden frei. Der Priester ist durch das Beichtgeheimnis zu unbedingtem Stillschweigen verpflichtet.

Derzeit machen zahlreiche junge Menschen bei ihrer Erstkommunionvorbereitung erste Erfahrungen mit der Beichte. Denn bevor sie das erste Mal die gesegnete Hostie empfangen, sollen sie rein von Sünden sein. Die Beichte vor dem Empfang der Kommunion gibt es schon mindestens seit dem 12. Jahrhundert.

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