Osnabrück  Verstörend wie noch nie – der neue Münchener Tatort „Schau mich an“

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 04.04.2024 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ivo Batic (Miroslav Nemec, v.l.), Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Claudia Paulsen (Paulina Morisse) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) ermitteln nach einem grausigen Leichenfund unter dem Münchener Hauptbahnhof im Tatort „Schau mich an“. Foto: BR/Bavaria Fiction GmbH/Linda Gschwentner
Ivo Batic (Miroslav Nemec, v.l.), Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Claudia Paulsen (Paulina Morisse) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) ermitteln nach einem grausigen Leichenfund unter dem Münchener Hauptbahnhof im Tatort „Schau mich an“. Foto: BR/Bavaria Fiction GmbH/Linda Gschwentner
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Der neue Münchener Tatort „Schau mich an“ mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl birgt verstörende Elemente aus den dunklen Tiefen das Internets. Der TV-Krimi ist nichts für empfindsame Gemüter.

Es ist ein besonders grausiger Fund, den Bauarbeiter im Abwasserkanalsystem unter dem Münchener Hauptbahnhof machen. In einem Koffer befinden sich die Überreste einer Frau, die vor rund zehn Tagen ermordet wurde. Erst geschlagen, gefoltert, verbrannt und dann post mortem mit einer Säge zerstückelt, wie es die Pathologin und junge Mutter Claudia Paulsen (Paulina Morisse) den beiden Kommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) nüchtern mitteilt.

Doch es kommt noch viel schlimmer. Dank Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) erhalten die Ermittler per Videoschalte Amtshilfe von einem gewissen Wiener Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sowie einen Link auf eine Webseite mit üblen Gewaltvideos. Dort hat ein Unbekannter mit einer prägnanten Maske unter dem Pseudonym „J.D. did it“ ein stundenlanges Foltervideo hochgeladen, das das Mordopfer zeigt. Ein Video, das selbst die altgedienten Kommissare aus der Fassung bringt. Weitere Videos zeigen, wie sich der Täter zuvor als Tierquäler in Szene gesetzt hat.

Durch Eisners Hilfe kommt das Trio in Kontakt mit der Tierschutzaktivistin Lisa Berger (Aenne Schwarz). Die erkennt Muster zu einem Fall aus Österreich, der noch immer nicht aufgeklärt ist und warnt die Kommissare, dass der grausame Leichenfund unter dem Münchener Bahnhof nicht der letzte gewesen sein dürfte.

Kalli, der gerade mit neuem Selbstbewusstsein einen Lehrgang in Sachen Fallanalyse abgeschlossen hat, zeigt sich mehr als nur beeindruckt von der Frau, die sich mit ihrer Organisation auch dem Kampf gegen Hass und Gewalt im Internet verschrieben hat. Aber es bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Schon bald geraten die Ermittler selber in Lebensgefahr.

Bitte seien Sie gewarnt. So einen verstörenden Tatort wie den aktuellen Münchener Fall „Schau mich an“ hat es seit der Kölner Episode „Franziska“ nicht mehr gegeben. Die Krimi-Folge wurde damals mehrmals verschoben und aus Jugendschutzgründen vor zehn Jahren erst nach 22 Uhr ausgestrahlt.

Auch die aktuelle Folge dürfte Kontroversen auslösen. Es geht um Abgründe im Internet und um Täter, die sich dort mit ihren Taten brüsken. Mit markigen Sprüchen wie „Ich töte euch alle“ erreichen sie ein Publikum, das sich gar nicht sattsehen kann an Videos, in denen Tiere und Menschen gequält und getötet werden.

Da stellt man sich unwillkürlich die Frage, wie man überhaupt auf die Idee zu so einer abartigen Geschichte kommt. Leider ist es hier nicht die Fantasie des Drehbuchautors und Regisseurs Christoph Stark, die diesen Fall konstruiert hat. Das Vorbild zu dieser Episode entstammt in wesentlichen Zügen einem realen Kriminalfall.

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Auch wenn Stark ganz bewusst darauf verzichtet, allzu explizite Bilder zu zeigen, läuft das Kopfkino an den Stellen, an denen im Tatort ausgeblendet wird, weiter. Stark stellt in seinem Film vor allen Dingen die Aufmerksamkeit in den Mittelpunkt, die sich die Täter wünschen. Und er stellt Fragen, wie man solchen Tätern diese Aufmerksamkeit entziehen und wie man Kinder vor derartigen Verrohungen im Internet schützen kann.

Aber sorgt er mit seinem Film nicht für gerade diese Aufmerksamkeit? „Als Regisseur trug ich diese Fragen im Gepäck, wollte aber kein moralisches Lehrstück drehen, sondern einen spannenden und ‚unterhaltsamen‘ Tatort“, sagt Stark in einem Presseinterview. „Damit bin ich ein Teil dieser Maschinerie. Diesen Widerspruch gilt es auszuhalten.“

Der Tatort „Schau mich an“ läuft am Sonntag, 07. April, um 20.15 Uhr im Ersten und steht dann auch in der ARD Mediathek zur Verfügung.

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